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Gefahr für die ISS-Besatzung Auf der Sonne brodelt es wie lange nicht

Erst vor wenigen Tagen hat die Nasa eine starke Sonneneruption erfasst.

Erst vor wenigen Tagen hat die Nasa eine starke Sonneneruption erfasst.

(Foto: picture alliance / NASA/GSFC/SDO)

Entgegen ihres regulären Zyklus ist die Sonne derzeit überaus aktiv: Innerhalb weniger Tage verzeichnen Forscher zwei mächtige Sonnenstürme - und die können nicht nur die Elektronik auf der Erde beschädigen, sondern bergen auch eine Gefahr für Astronauten.

Die Sonne ist derzeit so aktiv wie lange nicht mehr. Nachdem die US-amerikanische Raumfahrtagentur Nasa erst vor wenigen Tagen die stärkste Sonneneruption (Flare) seit zwölf Jahren registriert hatte, brodelt es auf der Sonne munter weiter. Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zufolge gab es erneut ein Sonnensturm. "Es gab am Sonntag noch einen stärkeren Flare, der auch einen koronalen Massenauswurf verursacht hat", sagte Jens Berdermann vom DLR Neustrelitz.

Die bei den Eruptionen ausgeworfenen geladenen Teilchen können, wenn sie direkt auf die Erdatmosphäre treffen, als Polarlichter wahrgenommen werden. "Aber derzeit sieht es nicht danach aus - zumindest nicht in unseren Breiten. Denn hier ist bislang kein stärkerer Sonnenwind angekommen", sagte der Leiter der DLR-Gruppe Ionosphärische Effekte und Korrekturen. Die geladenen Teilchen bewegen sich in der Regel mit einer Geschwindigkeit von 400 Kilometern pro Sekunde auf die Erde zu. Bei einem sehr starken koronalen Massenauswurf sind auch zwischen 2000 und 3000 Kilometer pro Sekunde möglich.

Wenn ein solcher Sonnensturm die Erde direkt trifft, können Kommunikations- und Navigationsgeräte gestört oder sogar beschädigt werden. Im schlimmsten Fall können durch die geladenen Teilchen Satelliten im All beschädigt werden. Die Besatzung der Internationalen Raumstation ISS musste sich bereits vor möglichen Strahlungsschäden in Sicherheit bringen. Die drei Raumfahrer hätten von ihren jeweiligen Bodenstationen am Sonntag die Anweisung bekommen, bestimmte weniger geschützte Bereiche der ISS vorübergehend zu meiden, teilte die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos mit.

Sonnenzyklus dauert elf Jahre

Derzeit arbeiten auf dem Außenposten der Menschheit rund 400 Kilometer über der Erde der Russe Sergej Rjasanski, der US-Amerikaner Randolph Bresnik und der Italiener Paolo Nespoli. Am Sonntagabend war die ISS demnach hoher Protonen-Aktivität und Strahlung ausgesetzt. Die Werte waren nach Einschätzung russischer Experten gefährlicher als nach der rekordverdächtigen Sonneneruption vom 6. September. Diese galt als die größte seit zwölf Jahren. "Ein gewaltiger Protonenstrom könnte die Hülle der ISS durchdringen", sagte der Atomphysiker Michail Panasjuk der Agentur Ria Nowosti.

DLR-Experte Berdermann zufolge ist ein Sonnenzyklus etwa elf Jahre lang. In dieser Zeit wird Nord- und Südpol des Sonnenmagnetfeldes getauscht. Dabei nimmt die Aktivität der Sonne zunächst zu und schließlich wieder ab. Derzeit nehme sie gerade wieder ab. "Es ist eigentlich erstaunlich, dass sie gerade so aktiv ist." Der bislang extremste dokumentierte Sonnensturm hatte die Erde im Jahr 1859 getroffen - das sogenannte Carrington-Ereignis. "Damals gab es noch nicht viel technische Infrastruktur", so Berdermann. "Heute wäre ein solcher Sturm sehr kritisch. Er könnte uns technisch sehr zurückwerfen."

Quelle: n-tv.de , jug/dpa

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