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Aussichtsreichster Ort für Leben Astronomen spüren neue "Supererde" auf

Die Bahn von LHS 1140b ist günstig. Die Supererde wird deshalb bald von der Erde aus gut zu untersuchen sein.

Die Bahn von LHS 1140b ist günstig. Die Supererde wird deshalb bald von der Erde aus gut zu untersuchen sein.

(Foto: M. Weiss Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics/AP)

Die Entdeckungen von erdähnlichen Himmelskörpern häufen sich. Der jüngste Kandidat allerdings hat einen Vorteil: Seine Bahn führt ihn so an seinem Stern vorbei, dass er von der Erde aus gut zu untersuchen ist.

Es ist die übergeordnete Frage für Weltraumforscher: Gibt es außerhalb der Erde Leben? Grundvoraussetzung dafür wäre fließendes Wasser. Aus diesem Grund wird tief ins All geblickt. Die Suche nach erdähnlichen Himmelskörper scheint erfolgreich. Forscher entdeckten erst Proxima Centauri b, der vier Lichtjahre entfernt liegt, dann den 14 Lichtjahre entfernten Wolf 1061 und schließlich die sieben prinzipiell lebensfreundlichen Planeten um Trappist-1, die sich in rund 39 Lichtjahren Entfernung befinden.

Die neu entdeckte Supererde, die Forscher um Jason Dittmann vom Harvard-Smithsonian Center für Astrophysic in Cambridge aufgespürt haben, ist zwar mit knapp 40 Lichtjahren noch weiter als die anderen erdähnlichen Planeten von der Erde entfernt, hat aber einen wesentlichen Vorteil: Die Bahn von LHS 1140b um seinen Stern verläuft so, dass Beschaffenheit und Atmosphäre von der Erde aus besser untersucht werden können, als bei den bisher gesichteten erdähnlichen Planeten.

Im Sternbild Walfisch

"Das ist der spannendste Planet, der mir in den vergangenen Jahrzehnten untergekommen ist", schwärmt Dittmann. "Wir hätten uns kaum ein besseres Ziel wünschen können…". LHS 1140b ist wahrscheinlich ein Gesteinsplanet, der den lichtschwachen roten Zwergstern LHS 1140 im Sternbild Walfisch umkreist. Er hat die rund 6,6-fache Masse der Erde, was ihn zu einer Supererde macht. Die Daten seiner Dichte lassen außerdem den Schluss zu, dass sein Eisenkern größer ist als der der Erde. Mit rund fünf Milliarden Jahren dürfte er ähnlich alt wie die Erde sein.

Die Darstellung zeigt den Exoplaneten LH 1140b, der um seinen Stern kreist.

Die Darstellung zeigt den Exoplaneten LH 1140b, der um seinen Stern kreist.

(Foto: ESO/spaceengine.org/dpa)

Die "Supererde" umrundet ihren Zwergstern in relativ geringem Abstand einmal alle 25 Tage. Da der Stern jedoch nur ein Fünftel so groß ist wie unsere Sonne und entsprechend schwächer leuchtet, liegt die enge Umlaufbahn in einer bewohnbaren Zone, die sogenannte habitable Zone, in der die Temperaturen die Existenz von flüssigem Wasser erlauben. Flüssiges Wasser ist eine Grundvoraussetzung für Leben, wie wir es kennen. Allerdings ist keinesfalls sicher, dass es auf der neu entdeckten "Super-Erde" überhaupt Wasser gibt.

Wasser könnte bereits weg sein

Selbst wenn es bei der Entstehung des Planeten vor rund fünf Milliarden Jahren vorhanden gewesen sein sollte, könnte es von dem damals sehr viel aktiveren Zwergstern davongeblasen worden sein. Dann könnte heute auf dem Exoplaneten ein extremer Treibhauseffekt die Temperaturen in unerträgliche Höhen treiben, wie sie beispielsweise auf der Venus herrschen.

Sollte die "Super-Erde" jedoch wenigstens einen Teil ihres Wassers behalten oder ihren Wasservorrat - beispielsweise aus einem frühen Lava-Ozean - wieder aufgefüllt haben, böte der Rote Zwerg seinem Planeten heute jedoch eine ruhige Heimat und damit nach Ansicht der Forscher gute Rahmenbedingungen für mögliches Leben, wie die Europäische Südsternwarte (Eso) erläutert, deren Instrumente an der Untersuchung beteiligt waren.

Neue Teleskope, neue Erkenntnisse

Mit seiner Entfernung von rund 40 Lichtjahren liegt der Exoplanet schon bald in der Reichweite neuer Teleskope, die in der Lage sein werden, nach einer möglichen Atmosphäre und deren Zusammensetzung zu suchen. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt. Das sind knapp zehn Billionen Kilometer. Für die Untersuchung des Exoplaneten machen sich die Astronomen den Umstand zunutze, dass er zufällig genau so seine Bahnen zieht, dass er von uns gesehen regelmäßig vor seinem Heimatstern vorbeiwandert. Bei dieser Mini-Sternenfinsternis durchleuchtet der Rote Zwerg eine potenzielle Lufthülle seines Planeten von hinten.

Künftige Teleskope wie beispielsweise das "James Webb"-Weltraumteleskop, das 2018 starten soll, oder das "Extremely Large Telescope" der Eso könnten aus der Art und Weise, wie die Atmosphäre das Sternenlicht filtert, Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung der Lufthülle erlauben.

Quelle: n-tv.de , jaz/dpa

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