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Lilium Aviation baut Elektro-Jet "Wir wollen die Mobilität revolutionieren"

Im Wettlauf um die Lufthoheit tüfteln immer mehr Start-ups am Jet für jedermann. Ganz vorn mit dabei: Lilium Aviation aus München. Mitgründer Matthias Meiner spricht mit n-tv.de über die Ziele des Unternehmens und die deutsche Skepsis gegenüber großen Ideen.

n-tv.de: Was wollen Sie erreichen?

Matthias Meiner: Nichts weniger als die urbane oder im Prinzip die moderne Mobilität revolutionieren. Das Ziel ist, dass wir in Zukunft einen Großteil unserer tagtäglichen Mobilität nicht mehr am Boden abwickeln, sondern tatsächlich durch die Luft.

Wie realistisch ist es, das innerhalb der nächsten fünf, zehn Jahre zu erreichen?

Ob das fünf oder zehn Jahre sind, bis das ganze Ökosystem drumherum gewachsen ist, ist natürlich schwer abzusehen. Interessant ist an der Stelle aber beispielsweise, dass die Amerikaner das viel pragmatischer sehen. Bei uns heißt es immer: "Oh, alles Science Fiction." Die Amerikaner sehen das als ein Business wie jedes andere. Sie ziehen das im Prinzip einfach durch. Diese Mentalität hilft uns natürlich auch. In den USA gewinnt das ganze Thema erst an Schwung. Das ist natürlich auch für die europäische Politik ein großer Vorteil, weil sie wachgerüttelt wird.

Was läuft aus Ihrer Sicht in Deutschland zu langsam?

Ich glaube, es gibt einfach eine grundlegende Skepsis gegenüber großen Ideen. Start-up-Förderung ist staatlich gesehen immer noch ein stiefmütterlich behandeltes Thema. Es gibt zwar viele Förderprogramme. Aber die wollen immer schon sehr, sehr weit entwickelte Geschäftsvorhaben sehen. Da könnte man auf jeden Fall ansetzen und ein bisschen risikofreudiger in große Ideen investieren. Ansonsten ist es eine Frage der Mentalität. Dieses "think big" ist in Europa oder gerade in Deutschland noch nicht angekommen.

Behindert Sie das?

Am Anfang hat es uns tatsächlich ein bisschen behindert, weil man einfach immer sehr dafür kämpfen musste, überhaupt ernst genommen zu werden. Oder, dass man nicht gleich als Spinner-Team abgetan wird. Die Gefahr besteht in den USA fast nicht. Da waren alle, die irgendwie mal erfolgreich waren oder jetzt erfolgreich sind, im Prinzip am Anfang Spinner. Wenn du das nicht bist, brauchst du gar nicht anfangen, irgendwie etwas großes Neues zu starten. Mittlerweile behindert es uns nicht mehr so, weil wir jetzt auf einer internationalen Bühne agieren. Deshalb ist Deutschland als Politikbühne nicht mehr so relevant. Die Aufmerksamkeit ist nun weltweit, deswegen sind wir nicht mehr auf Deutschland beschränkt.

Die Automobillobby in Deutschland ist sehr groß. Inwieweit wird es zu Konflikten kommen?

Ich glaube nicht, dass wir uns gegenseitig das Wasser abgraben werden. Die Automobilindustrie wird in den nächsten Jahren selbst einen sehr großen Wandel durchlaufen und ihre eigenen Probleme lösen müssen. Mobilität wächst. Es gibt momentan genug Markt für alle. Außerdem erreicht der Verkehr am Boden eine Auslastung, die für viele Menschen nicht mehr zu ertragen ist. Deswegen glauben wir, dass wir das entlasten, aber nicht sofort ersetzen können.

Die Richtlinien für den deutschen Luftraum sind unfassbar beschränkt. Ist die Politik offen für Ihre Ideen?

Wir haben schon sehr gute Gespräche mit dem Verkehrsministerium geführt. Es verspricht uns zumindest momentan, dass es uns stark entgegenkommen wird. Wie sich das nach der Wahl bewahrheitet, muss man sehen.

Mit Matthias Meiner sprach Etienne Bell.

Quelle: n-tv.de

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