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Zeit ist Geld Start-up übernimmt Behördengänge

Besonders in Berliner Bürgerämtern müssen Kunden Geduld mitbringen.

Besonders in Berliner Bürgerämtern müssen Kunden Geduld mitbringen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wer einen hart umkämpften Behördentermin ergattert hat, muss oftmals trotzdem noch einiges an Geduld mitbringen - ohne eine gehörige Portion Zeit geht es nicht. Wer seinen Termin deshalb nicht selbst wahrnehmen will, kann dafür "Erledigungen.de" engagieren. Im Interview mit n-tv.de erzählt Gründer Sebastian Simon, wer sich für seine Kunden in die Schlange stellt, wie die Firma garantiert, dass vertrauliche Dokumente in sicheren Händen sind - und wer sich den Service eigentlich leisten kann.

n-tv.de: Wie lang sind im Schnitt die tatsächlichen Wartezeiten in deutschen Behörden?

Sebastian Simon: Nach unserer Erfahrung wartet man in etwa zwei Stunden. Das ist allerdings nur ein grober Wert, denn die tatsächliche Wartezeit hängt von Faktoren wie dem Standort, der Uhrzeit und dem Wochentag ab. So kann man beispielsweise in München keine Termine vereinbaren, sondern muss eine Nummer ziehen und warten bis man dran ist. Da kann die Wartezeit schon mal vier Stunden betragen. In Berlin hingegen kann man online einen Termin vereinbaren, diese sind allerdings zum Teil drei Monate im Voraus schon ausgebucht.

"Erledigungen.de" will seinen Kunden Behördengänge abnehmen. Dafür werden zischen 29 und 99 Euro fällig. Wer kann es sich leisten, dafür Geld auszugeben?

Unseren Service leisten sich alle, die es sich nicht leisten wollen, ihre kostbare Zeit mit Warten in Behörden zu vergeuden: der Chef, der an seinem Mitarbeiter bei Freistellung mehr Geld verliert als er durch seine Arbeitskraft gewinnen könnte; der Mitarbeiter, der sich für seinen Behördengang einen Tag Urlaub nehmen muss; die Mutter, die ihre Kinder nicht zur Schule bringen kann, weil sie so früh wie möglich ansteht; sowie der Student, der dafür seine Vorlesung sausen lassen muss. Die Gründe sind vielfältig. Das hat wenig mit Einkommen zu tun, sondern vielmehr mit der Zeit, die in unserer schnelllebigen Welt immer kostbarer wird und einen hohen Stellenwert hat.

Sebastian Simon.

Sebastian Simon.

In Deutschland müssen Antragsteller noch oftmals physisch in der Behörde erscheinen. Wieso halten sie das für überflüssig?

Das kommt auf die Art der Beantragung an. Bei den meisten Behördengängen wie Wohnsitz-, KFZ-oder Gewerbeanmeldungen ist es nicht notwendig, dass der Antragsteller persönlich vor Ort ist. Allerdings bieten die meisten Behörden auch keinen Onlineservice, der ihnen den lästigen Gang abnimmt. Da die meisten Menschen maximal ein bis zwei Mal im Jahr etwas an- oder ummelden müssen, kennen sich nur die Wenigsten damit aus. Dadurch kommt es häufig zu Komplikationen. Zum Beispiel wenn Unterlagen nicht vollständig sind und die Menschen umsonst gewartet haben und erneut den Behördengang antreten müssen.

Welche Anmeldungen werden am meisten nachgefragt?

Am häufigsten beauftragen unsere Kunden uns mit einer KFZ Zulassung oder der Ummeldung eines Wohnsitzes.

Wie lange dauert die Abwicklung eines Auftrags?

In der Regel benötigen wir für eine Abwicklung zwei bis drei Tage. Allerdings bemühen wir uns immer, dem Kunden die Unterlagen bereits am nächsten Tag zu bringen. Das ist nicht immer ganz einfach, da wir natürlich auch vom Amt abhängig sind. Kommt es dort beispielsweise zu einem IT-Ausfall - was gar nicht so selten ist - müssen auch wir an diesem Tag mit leeren Händen nach Hause gehen.

Wie viele Aufträge kommen im Monat rein?

Wir  gewinnen jeden Monat an Bekanntheit und wachsen dadurch stetig. Wir haben vor einem Jahr mit unserem Service in München begonnen, haben dann unser Angebot auch nach Berlin, Hamburg, Frankfurt und Köln erweitert. Mit mehr Städten kommen auch mehr Aufträge rein. In unserem ersten Jahr haben wir über 1000 Behördengänge für unsere Kunden erledigt und wachsen monatlich immer weiter.    

Macht das Unternehmen schon Gewinne?

Wir sind erst seit knapp einem Jahr auf dem Markt und das mit einer Idee, die den meisten Deutschen gänzlich neu ist. Daher steht aktuell im Fokus, unsere Dienstleistungen und die Marke "Erledigungen.de" bekannt zu machen. Unser Ziel ist es aber, dass wir Ende 2017 profitabel werden.

Welches Feedback gibt es von Mitarbeitern der Behörden?

Da ich die ersten 100 Behördengänge selbst erledigt habe, weiß ich genau, dass unser Behördenservice durchwegs positiv ankommt. Viele Sachbearbeiter kennen uns bereits und wissen, dass unsere Unterlagen vollständig sind. Das erspart ihnen Zeit und Ärger. In Berlin haben Sachbearbeiter nur rund zehn Minuten Zeit pro Kunde. Sollten Unterlagen falsch ausgefüllt sein oder fehlen, führt das nicht nur zu Verzögerungen bei den nachfolgenden Terminen, sondern oftmals auch zu Ärger und Diskussionen bei den Antragstellern. Insbesondere, wenn sie wegen fehlender oder unvollständigen Unterlagen wieder weggeschickt werden. Generell muss ich an dieser Stelle einmal eine Lanze für die Mitarbeiter in den Behörden brechen. Fast alle Mitarbeiter sind durchwegs kundenorientiert und bemüht. Das Problem ist eher der komplizierte Behördendschungel, den die Menschen nicht verstehen, und zu wenig Personal auf den Ämtern.

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Wer seine Behördengänge erledigt haben will, muss Vertrauen haben, denn er überlässt Fremden wichtige Unterlagen. Wie garantiert "Erledigungen.de", dass die Dokumente am Ende auch wieder bei dem Kunden ankommen?

Der Schutz sensibler Kundendaten wird bei "Erledigungen.de" groß geschrieben. Durch vielerlei Maßnahmen, versuchen wir, alle Kundeninformationen bestmöglich zu schützen. Unsere Mitarbeiter sind alle sicherheitsüberprüft und im Umgang mit sensiblen Daten geschult. Nach der Abholung werden alle Dokumente in eine eigene, GPS überwachte Mappe gepackt. Lediglich zur Bearbeitung der Behörde, werden Sie aus der Tasche genommen und verlassen unsere Hände sonst nicht. Auch holen wir alle Dokumente persönlich vom Kunden und bringen diese auch wieder persönlich zurück. Nach Fertigstellung des Auftrags werden alle Dokumente vernichtet und nur die Daten, die bei der Bestellung auf der Website eingegeben wurden, gespeichert.

Würden Sie fremden Leuten Ihre vertraulichen Dokumente überlassen?

Wenn es ein seriöser Service ist -  natürlich. Besonders wenn ich daraus einen Nutzen schöpfen kann. Das machen viele Leute bereits tagtäglich im Internet, mit Daten zum Beispiel, die weitaus sensibler sind. Allerdings würde ich nicht jedem Service blind vertrauen, sondern mich bereits im Vorfeld erkundigen. Wir legen unserem Kunden jeden zurückgelegten Weg der Dokumente mit GPS-Tracker offen und versuchen durch die persönliche Abholung und Rückbringung Vertrauen zu schaffen.

Wer steht in der Schlange?

Viele unserer Mitarbeiter sind Studenten. Das hat verschiedene Vorteile: Zum einen sind sie sehr gewissenhaft und sorgfältig im Umgang mit Dokumenten, wie sie es auch im Studium sein müssen. Des Weiteren sind sie sehr flexibel und können sich leicht Geld dazu verdienen, indem sie einfach auf der Behörde warten und beispielsweise währenddessen für ihre nächste Klausur lernen. Da ist eine Win-Win-Situation.

Werden Angestellte vorher überprüft?

Selbstverständlich. Darauf legen wir bei "Erledigungen.de" sogar großen Wert. Unsere Mitarbeiter müssen mehrere Interviewrunden mit den verschiedensten Personen aus unserem Unternehmen führen. Dazu zählen beispielsweise Teamleiter und andere Erlediger der jeweiligen Stadt, sowie mindestens einem der Gründer. Und natürlich muss jeder der für "Erledigungen.de" arbeitet ein einwandfreies Führungszeugnis vorlegen.

Mit Sebastian Simon sprach Juliane Kipper

Quelle: n-tv.de

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