Marktberichte

Minus nach der Frankreich-Wahl Macron beeindruckt die Wall Street wenig

Frankreich hat gewählt, die drohende Euro-Krise ist abgewendet: Dow und Dax wenden sich wieder dem Tagesgeschäft zu.

Frankreich hat gewählt, die drohende Euro-Krise ist abgewendet: Dow und Dax wenden sich wieder dem Tagesgeschäft zu.

(Foto: picture alliance / Andrew Gomber)

Europa atmet auf, doch an den Börsen bleibt die große Euphorie nach der Richtungsentscheidung in Paris aus. Der Dax schließt immerhin nah an seiner Höchstmarke - an der Wall Street scheinen die Händler kaum zu reagieren.

Am Tag nach dem Sieg des erklärten Europäers Emmanuel Macron - und der Niederlage der rechtspopulistischen Euro-Kritikerin Marine Le Pen - bei den französischen Präsidentschaftswahlen kehren die Märkten zur erhofften Normalität zurück. Die große Erleichterungsrally fällt aus: Das Ergebnis der Stichwahl haben viele Anleger offenbar längst vorweggenommen. Gewinnmitnahmen bremsen den Aktienhandel aus.

Der deutsche Leitindex Dax, der nach einem kurzen Vorstoß zum Auftakt ein neues Rekordhoch bei 12.762 Punkten markierte, geht am Abend 0,18 Prozent im Minus bei 12.694,55 Punkten aus dem Handel. Das Tagestief aus dem Verlauf liegt bei 12.659,70 Punkten. Der MDax beendet den Tag nach der Wahl in Frankreich 0,25 Prozent schwächer bei 25.101,37 Zählern. Der TecDax dreht dagegen spät ins Plus und steigt bis zum Abend um 0,24 Prozent auf 2134,54 Punkte. Für den Leitindex der Eurozone, den Eurostoxx50, geht es nach einem ebenfalls freundlichen Start um 0,46 Prozent abwärts auf 3642,11 Punkte.

"Der Großteil des positiven Effektes aus der Wahl dürfte bereits in den Kursen eingepreist sein. Der Wahlausgang war schließlich so erwartet worden", fasste Analyst Wolfgang Albrecht von der Landesbank Baden-Württemberg die Stimmung an den Märkten zusammen.

"Die Wahl in Frankreich ist entschieden, ein Ende der politischen Verunsicherung ist aber noch immer nicht absehbar", schrieb Ralf Umlauf, Devisenexperte von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Nun müsse der künftige Staatspräsident Macron nur noch beweisen, wie er seine politische Linie mit zahlreichen Reformvorhaben in Frankreich durchsetzen wolle. Dazu benötigt er politischen Rückhalt.

Bei einigen Marktteilnehmern zog am Tag nach der Wahl bereits wieder Ernüchterung ein. "Als Kopf der relativ neuen 'En Marche'-Bewegung sieht sich Macron nach wie vor der Herausforderung durch die etablierten Parteien gegenüber, die wie er um eine Mehrheit kämpfen", sagte Hetal Mehta von Legal & General Investment. Am 11. und 18. Juni stehen in Frankreich Parlamentswahlen an.

Macron könne Frankreich nur wieder auf Wachstumskurs bringen, wenn es ihm gelinge, nach den Parlamentswahlen im Juni eine breite Allianz zu bilden, erklärte ein Sprecher des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI). Der BDI unterstrich die enge wirtschaftliche Verbundenheit zwischen Deutschland und Frankreich: Der deutsche Markt ist das französische Exportziel Nummer eins und wichtigstes Lieferland. Frankreich ist für Deutschland wiederum der zweitwichtigste Abnehmer und drittwichtigster Lieferant.

Frankreich nach der Stichwahl: Die Euro-Skeptiker um Marine Le Pen erringen nur in zwei Departements die Mehrheit.

Frankreich nach der Stichwahl: Die Euro-Skeptiker um Marine Le Pen erringen nur in zwei Departements die Mehrheit.

Der Wahlsieg Macrons bietet laut deutschem Bankenverband zudem die Chance, dass Frankreich und Deutschland weiterhin als Motor der EU wichtige Impulse für die Fortentwicklung der gemeinsamen Wirtschaftspolitik geben werden. Macron hatte sich bei der Stichwahl mit rund 66 Prozent der Stimmen deutlich gegen die Front-National-Politikerin Marine Le Pen durchgesetzt. Die Anleger reagierten zu Wochenbeginn weitgehend gleichmütig. In Frankreich öffnete die Börse in Paris mit einem kleinen Plus von 0,17 Prozent. Der französische Leitindex CAC-40 schloss am Tag nach der Wahl mit 0,91 Prozent im Minus.

In der Liga der deutschen Börsenschwergewichte waren zu Wochenbeginn auffällig viele defensive Werte gefragt. Die Aktien des Wohnungsbaukonzerns Vonovia etwa verteuerten sich um 1,1 Prozent. Die Aktien der Deutschen Telekom stiegen - wohl auch mit Blick auf Macrons Pläne für den französischen Wettbewerber Orange - um 1,2 Prozent. An der Spitze des Leitindex hielten sich am Abend die Aktien des Chemie und Pharmakonzerns Merck KGaA mit einem Kursplus von 2,1 Prozent.

Verkauf wurden dagegen unter anderem Bank-Aktien sowie industrie- und rohstoffnahe Titel. Die Aktien der Deutschen Bank zogen zum Handelsende 0,1 Prozent ins Plus. Abwärts ging es dagegen für die Aktien der Commerzbank, deren Kurs sich um 2,0 Prozent zurückzog.

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Die fortgesetzten Kursverluste an den Rohstoffbörsen lasteten europaweit auf den Verarbeitern von Eisenerz, Kohle und Kupfer. So verloren die Aktien der Stahlhersteller Thyssenkrupp und Salzgitter 1,5 Prozent und 0,8 Prozent. Aktien der Hamburger Kupferschmelze Aurubis schlossen 2 Prozent schwächer.

Hinter der ersten Reihe schnellten die Papiere des Telekomdienstleisters QSC um fast 10 Prozent nach oben. Das Unternehmen hat im ersten Quartal eine deutlich höhere Gewinnmarge erzielt als Händler erwartet hatten.

Die Aktien des Hafenbetreibers Hamburger Hafen (HHLA) legten um 5,6 Prozent zu. Nach dem ersten Quartal rechnet das Unternehmen für dieses Jahr mit einem deutlich steigenden Container-Umschlag. Zuvor hatte HHLA einen stagnierenden Umschlag prognostiziert.

Für den Fußball-Erstligisten Borussia Dortmund sind die Chancen auf eine direkte Qualifikation für die Champions League mit dem 2:1-Heimsieg gegen die TSG Hoffenheim am Wochenende stark gestiegen. Das ließ die BVB-Aktie um 2,7 Prozent und somit erstmals seit 15 Jahren wieder über die Marke von 6 Euro steigen.

Euro profitiert nur kurz

Am Kapitalmarkt fielen die ersten Reaktionen nach der Richtungswahl in Frankreich ebenfalls überschaubar aus. Der Kurs des Euro gibt zu Wochenbeginn nach einem kurzen Aufstieg leicht ab. Am Abend liegt die Gemeinschaftswährung bei 1,0928 Dollar und damit knapp 0,8 Prozent unter dem Niveau von Ende vergangener Woche.

Das bedeute nicht, dass Devisenanleger die Wahl Macrons als negativ für den Euro bewerteten, betonten die Analysten der Commerzbank. Das Gegenteil sei der Fall: Seine Vision einer Fiskalunion der Euro-Raum-Staaten könne die Vorstellung beflügeln, dass die Währungsunion zu einem stabileren Konstrukt werde. In der Nacht war der Euro-Kurs zeitweise bis auf 1,1023 US-Dollar geklettert - fiel aber rasch wieder zurück.

Auch starke Konjunkturdaten aus dem Euroraum konnten die Gemeinschaftswährung nicht stützen. Die deutschen Industrieaufträge waren im März stärker als erwartet gestiegen. Zudem war das vom Beratungsunternehmen Sentix erhobene Investorenvertrauen in der Eurozone im Mai auf den höchsten Stand seit Juli 2007 geklettert.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0938 (Freitag: 1,0961) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9142 (0,9123) Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84465 (0,84710) britische Pfund, 123,10 (123,29) japanische Yen und 1,0878 (1,0839) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1229,80 (1228,05) Dollar gefixt

USA: Kleine Schritte an der Wall Street

Die Wall Street ist fast unverändert aus dem Handel gegangen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss bei 21.012 Punkten, während der breiter gefasste S&P 500 bei 2399 Zählern notierte. Der Index der Technologiebörse Nasdaq beendete den Tag mit 6102 Stellen. Alle drei Indizes waren damit im Vergleich zum Freitag praktisch unverändert.

"Macron hat mit großen Herausforderungen von allen Seiten zu kämpfen und das Land könnte daher fast unregierbar werden, bevor alle geplanten Reformen umgesetzt sind", meinte Stratege Mark Grant von Hilltop Securities. Ob Macron aber auch eine Regierungsmehrheit bekommt, wird sich erst bei der Parlamentswahl im Juni entscheiden. Einer aktuellen Umfrage zufolge wäre Macrons Bewegung "En Marche!" derzeit stärkste Partei.

Andere Impulse sind am Montag dagegen rar. Wichtige Konjunkturdaten stehen nicht zur Veröffentlichung an, und Geschäftszahlen wurden eher von Unternehmen aus der zweiten Reihe vorgelegt. Auftritte der Präsidenten der US-Notenbankfilialen von St. Louis und Cleveland, James Bullard und Loretta Mester, setzen am Markt keine Akzente. Beide sind in diesem Jahr nicht stimmberechtigt im Offenmarktausschuss der Notenbank.

Das Interesse konzentriert sich daher auf anstehende Übernahmepläne. So hat der niederländische Farbenhersteller Akzo Nobel das 24,6 Milliarden Dollar schwere Übernahmeangebot des US-Konzerns PPG Industries zurückgewiesen. Akzo ist überzeugt davon, als unabhängiger Konzern seinen Aktionären eine bessere Wertentwicklung bieten zu können. PPG sinken um 1,4 Prozent. Akzo Nobel büßten in Amsterdam 3,2 Prozent ein.

Ferner steht Sinclair Broadcast Group, ein Betreiber von Fernsehsendern, angeblich kurz vor der Abgabe eines Übernahmegebots für Tribune Media. Laut Insidern will Sinclair 4 Milliarden Dollar für Tribune zahlen. Das wären 44 bis 45 Dollar je Aktie. Die Tribune-Aktie steigt um 5,8 Prozent auf 42,62 Dollar. Sinclair rücken um 0,2 Prozent vor.

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Im Luxusgütersektor übernimmt Coach die Handtaschenmarke Kate Spade für 2,4 Milliarden Dollar. Kate Spade verteuern sich um 8,2 Prozent und Coach um 4,7 Prozent. Und schließlich wurde bekannt, dass Comcast und Charter Communications eine Partnerschaft im Mobilfunkgeschäft planen. An der Wall Street dürfte das Spekulationen anheizen, dass Comcast und Charter Communications möglicherweise gemeinsam für einen der großen Mobilfunkanbieter wie T-Mobile US oder Sprint bieten könnten. Charter Communications geben um 3,2 Prozent nach, während Comcast um 0,4 Prozent fallen.

Die Apple-Aktie hat im Verlauf erstmals die Marke von 150 Dollar überwunden und damit ein neues Allzeithoch bei 151,58 Dollar markiert. Damit setzt sich der jüngste Höhenflug der Papiere fort. Die Titel des nunmehr weltweit wertvollsten Unternehmens haben seit Beginn des Jahres bereits um knapp 30 Prozent zugelegt. Anleger setzten auf ein neues besonders innovatives iPhone, heißt es zur Begründung im Handel. Aktuell geht es für die Aktie um 1,7 Prozent auf 151,53 Dollar nach oben.

Asien: Nachholeffekte in Tokio

Auch an den meisten ostasiatischen Börsen herrschte Erleichterung über den klaren Wahlsieg Macrons in Frankreich. Von Euphorie kann aber keine Rede sein, denn letztlich hatten Marktteilnehmer auch nichts anderes erwartet.

In Tokio stieg der Nikkei-225 um 2,3 Prozent auf 19.896 Punkte, der Kospi in Südkorea zog um 0,8 Prozent an und der S&P/ASX-200 in Sydney gewann 0,6 Prozent - gestützt von positiven Geschäftsklimadaten. Nach dreitägiger Pause mit entsprechenden Nachholeffekten und zusätzlich angeschoben durch einen zum US-Dollar gesunkenen Yen-Wechselkurs kletterte die Börse in Tokio auf den höchsten Stand seit 17 Monaten. In Südkorea markierte die Börse erneut ein Allzeithoch - beflügelt von der Hoffnung auf frische Stimuli durch eine neue Regierung.

Aus dem Rahmen fiel lediglich der wichtige Handelsplatz Schanghai. Dort belastete die Sorge vor einer sich verschärfenden Regulierung die Stimmung. Insbesondere Fonds wendeten sich vom lokalen Markt ab, hieß es. Der Schanghai-Composite verlor 0,8 Prozent und sank auf ein Siebenmonatstief.

Am chinesischen Kernlandmarkt machten Gerüchte die Runde, die Behörden unterzögen die Vermögensverwaltung von Handelsgesellschaften und Versicherungen einer verschärften Prüfung, um spekulative Hebelgeschäfte in der Finanzwirtschaft zu begrenzen. So soll die Lizenz zur Vermögensverwaltung für Sealand Securities widerrufen worden sein, was das Unternehmen am Montag allerdings dementierte. Gegen den Versicherer Anbang wurden Strafen wegen Regelverletzungen ausgesprochen.

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Dazu gesellten sich in China Im- und Exportdaten, die etwas schlechter ausgefallen waren als erhofft. Die ANZ-Analysten merkten an, dass das chinesische Export-Wachstum im April nur halb so hoch wie im Vormonat ausgefallen sei. Dies deute auf eine schwache Dynamik im laufenden Quartal. Dennoch rechnen sie mit einer unveränderten Exportrate 2017.

Rohstoffe: Öl erholt sich nur kurz

Die Ölpreise geben weiter nach. Die zarten Erholungsansätze am Ölmarkt werden von Befürchtungen zunichte gemacht, dass die Fördermengenbegrenzung nicht verlängert wird, auf die sich Mitglieder und Nicht-Mitglieder der Opec im November geeinigt hatten. Vertreter der betreffenden Staaten werden sich am 25. Mai in Wien treffen, um über eine Fortsetzung der Maßnahmen zu beraten.

Institutionelle Investoren scheinen diesbezüglich skeptisch: Hedgefonds und andere große Vermögensverwalter haben ihre Wetten auf einen steigenden Ölpreis in der vergangenen Woche deutlich zurückgefahren, wie aus Daten der Intercontinental Exchange hervorgeht, die am Montag veröffentlicht wurden.

Dazu kommt, dass der sinkenden Opec-Fördermenge eine verstärkte Ölförderung in den USA gegenübersteht. In den zurückliegenden Wochen wurden mehr und mehr vorübergehend stillgelegte Ölbohranlagen wieder in Betrieb genommen. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI sinkt um 0,1 Prozent auf 46,56 Dollar. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostet am Nachmittag 48,87 US-Dollar. Das sind 23 Cent weniger als zum Handelsschluss am Freitag. Ein Fass (Barrel) entspricht knapp 159 Litern Rohöl.

Der Preis für Gold profitiert unterdessen von mäßigen Lohnsteigerungen in den USA, die den Druck von der US-Notenbank hinsichtlich künftiger Zinserhöhungen nehme, hieß es. Die Feinunze verteuert sich um 0,4 Prozent auf 1233 Dollar.

Quelle: n-tv.de , mmo/mbo/DJ/dpa/rts

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