Marktberichte

Wall Street zeigt, wie es geht Dax nistet sich auf der 12.000 ein

Warten auf die Frankreichwahl: In der Ruhe liegt die Kraft.

Warten auf die Frankreichwahl: In der Ruhe liegt die Kraft.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der deutsche Aktienmarkt hat sich beruhigt. Ab jetzt heißt es, Nerven bewahren für die Frankreichwahl. Gute Quartalsberichte schieben derweil die US-Börsen an.

Vor der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen am Sonntag stellen sich Aktienanleger in Europa erwartungsgemäß an die Seitenlinie. Der Dax trat knapp über der Marke von 12.000 Punkten auf der Stelle. Derweil verhalfen Kurszuwächse an der Pariser Börse dem EuroStoxx50 zu einem Plus von 0,5 Prozent auf 3440 Zähler.

"Die Tatsache, dass sich bei den Wahlen in Frankreich vier Kandidaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, bringt Unsicherheit an die Märkte", sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus City of London Markets. Investoren fürchten sich vor allem vor einem Sieg der rechtsextremen Politikerin Marine Le Pen, die Frankreich aus der Euro-Zone herauslösen will. Zudem hat der Kandidat der Linken, Jean-Luc Melenchon, in Umfragen aufgeholt. Glaubt man den Auguren, hat Le Pen gute Chancen, die erste Runde der Wahlen am 23. April zu gewinnen.

Bei der Stichwahl am 7. Mai dürfte den Umfragen zufolge dann der proeuropäische Kandidat Emmanuel Macron als Sieger hervorgehen. Der überraschende Triumph von Donald Trump in den USA und das Votum der Briten gegen die EU haben allerdings gezeigt, dass Umfrageinstitute auch irren können.

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Bei einem Überraschungssieg von Le Pen rechnen Analysten mit einem Börsenbeben. "Wenn es ihr dann allerdings nicht gelingt, eine Mehrheit für den Austritt Frankreichs aus EU und Euro zu bewegen, dürfte auch die europäische Kapitalmarktentwicklung schnell wieder von anderen Themen dominiert werden", beschwichtigen die Strategen von Sal. Oppenheim. Mindestens ebenso wichtig wie die Präsidentschaftswahlen sind in Frankreich die Parlamentswahlen am 11. und 18. Juni. Erst danach dürfte klar sein, welche Rolle ein Präsident überhaupt spielen kann.

Bei den Einzeltiteln profitierten Continental von einem Medienbericht über Sparpläne für den Geschäftsbereich Antriebe. Zuletzt notierten die Papiere des Autozulieferers und Reifenherstellers 0,3 Prozent höher. Conti plane für das Segment "Powertrain" ein Effizienzprogramm und werde Details dazu in wenigen Tagen bekanntgeben, sagte Konzernchef Elmar Degenhardt dem Finanzdienst Bloomberg auf der Automesse in Schanghai.

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Lufthansa zogen weiter an. Laut Händlern setzt der Markt auf gute Zahlen, die möglicherweise schon vor dem geplanten Termin am kommenden Donnerstag bekanntgegeben werden könnten. Daneben treibe die Spekulation um eine Zusammenarbeit mit United Airlines im Frachtbereich den Kurs. Damit könnte sich Lufthansa neue Routen erschließen, heißt es. Der Kurs notierte zuletzt 0,6 Prozent höher.

Spekulationen auf Stahl-Einfuhrbeschränkungen nach Amerika belasteten Aktien europäischer Stahlhersteller. ThyssenKrupp gaben 1,7 Prozent nach und waren damit Dax-Schlusslicht. Im Nebenwerteindex MDax verloren Salzgitter 0,8 Prozent, im SDax gaben Kloeckner & Co 2,1 Prozent ab.

Präsident Donald Trump lässt Insidern zufolge prüfen, ob Stahlimporte die nationale Sicherheit der USA beeinträchtigen. Trump soll demnach heute im Beisein von Vertretern der amerikanischen Stahlindustrie eine entsprechende Anweisung unterzeichen. Hintergrund ist ein US-Gesetz, das Einfuhrbeschränkungen aus Gründen der nationalen Sicherheit erlaubt. Beim Stahl könne dies wegen besonderer Legierungen etwa für die Panzerung von Schiffen zutreffen.

Händlern zufolge spielte bei den Kursverlusten von Salzgitter aber auch eine Herunterstufung durch Jefferies von "Hold" auf "Buy" eine Rolle. Auch die Furcht vor einer sinkenden Nachfrage und einem Stahl-Überangebot in China drückt seit Tagen auf die Stimmung im Sektor.

Auch Sport spielte an der Börse eine Rolle: Nach dem Aus in der Champions League rutschten die Aktien des Fußballvereins BVB ans SDax-Ende. Sie gaben 3,2 Prozent ab. Die Dortmunder unterlagen dem AS Monaco im Rückspiel 1:3.

Wall Street: Anleger werden mutiger

Die Wall Street schüttelte ihre jüngste Schwäche eindrucksvoll ab. Aussagen von US-Finanzminister Steven Mnuchin, wonach die Regierung schon bald die Steuern senken könnte, drängten negative Faktoren wie die insgesamt enttäuschenden Geschäftsberichte der Unternehmen, mäßige amerikanische Konjunkturdaten und die anhaltenden politischen Unsicherheiten in den Hintergrund.

Der Dow-Jones-Index baute seine Gewinne im Handelsverlauf aus. Zum Schluss stand er 0,9 Prozent im Plus bei 20.579 Punkten. Der marktbreite S&P-500 gewann 0,8 Prozent auf 2356 Punkte und der Technologiewerte-Index Nasdaq100 legte 0,8 Prozent auf 5444 Zähler zu.

Entgegen dem bisherigen Trend bei den Quartalsberichten gab es bei den jüngsten Zahlen allerdings auch Enttäuschungen. So steigerte der Zigarettenhersteller Philip Morris seinen Gewinn im ersten Quartal nur dank eines positiven Steuereffekts. Die verkaufte Menge an Zigaretten und Tabak brach hingegen deutlich ein, der operative Gewinn war rückläufig. Die Anleger waren nicht zufrieden: Die Aktie verlor 3,2 Prozent. Der US-Telekomkonzern Verizon Communications büßte derweil erstmals in einem Quartal auf Nettobasis Mobilfunkkunden ein. Für die Aktie ging es daraufhin 1,2 Prozent nach unten.

Auch am Vorabend nach Börsenschluss gab es einige vielbeachtete Unternehmensberichte: American Express verzeichnete im ersten Quartal bei Umsatz und Gewinn zwar Rückgänge, die Markterwartungen wurden aber übertroffen. Die Aktie profitierte davon mit 4,8 Prozent Plus. Dagegen drückte ein unter den Erwartungen gebliebener Ausblick die Ebay-Aktie um 3,6 Prozent. Der Halbleiterkonzern Qualcomm übertraf bereinigt um Sonderkosten die Markterwartungen. Die Aktie büßte trotzdem 0,8 Prozent ein.

Asien: Tokio dreht ab, Schanghai auf

Überwiegend mit leichten Pluszeichen schlossen am Morgen die Börsen in Asien. Keine erkennbaren Auswirkungen hatte der Wirtschaftsbericht "Beige Book" der US-Notenbank vom Vortag. An der Börse in Tokio sah es zwar bis kurz vor dem Handelsende gut aus, dann gab der Nikkei-225 aber doch noch seine Tagesgewinne ab und schloss unverändert bei 18.430 Punkten.

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Überraschend gute japanische Konjunkturdaten hatten zunächst den Tokioter Aktienmarkt etwas steigen lassen. Die japanischen Exporte verzeichneten im März eine Zunahme von 12 Prozent und legten damit fast doppelt so stark zu wie erwartet. Die Importe stiegen um knapp 16 Prozent. "Die Daten sorgten für etwas Zuversicht bei den Investoren", sagte Markt-Stratege Michael McCarthy von CMC Markets. Gegen Handelsende hätten aber wieder politische Unsicherheiten die Stimmung belastet, sagte ein Teilnehmer. Die geopolitischen Sorgen blieben weiter bestehen. Neben der Wahl in Frankreich stehen vor allem die weiteren Entwicklungen in den beiden Krisenherden Syrien und Nordkorea im Fokus.

Der Schanghai-Composite ging den umgekehrten Weg, holte zwischenzeitliche Abgaben auf und schloss schließlich mit einem Miniplus von 0,1 Prozent und 3173 Punkten. An den vergangenen vier Handelstagen hatte der Index belastet von Spekulationen über strengere Regularien für den Aktienmarkt nachgegeben.

Der Hang-Seng-Index legte dagegen um 0,8 Prozent zu und der S&P/ASX 200 in Sydney gewann 0,3 Prozent auf 5.821 Punkte. An beiden Börsen war es an den vergangenen drei Handelstagen abwärts gegangen. Die UBS zeigt sich etwas optimistischer für den australischen Aktienmarkt und hat das Ziel für den S&P/ASX 200 für 2017 auf 5875 Punkte von zuvor 5.700 Punkte erhöht. Die Analysten begründen dies mit der Erwartung einer positiven Gewinnentwicklung bei den Unternehmen in diesem und dem kommenden Jahr. Zwar biete das neue Ziel nur einen begrenzten Raum nach oben, doch dürften die globalen Rahmenbedingungen für Aktien weiter positiv bleiben.

Rohstoffe: Ölpreise stabilisieren sich

Am Ölmarkt kehrte unterdessen wieder mehr Ruhe ein. Am Vortag war der Preis im Gefolge von stark gestiegenen Benzin-Lagerbeständen in den USA abgesackt. Der starke Aufbau erfolgt in einer Jahreszeit, in der gewöhnlich der Benzinverbrauch in Amerika anzieht. Nach einem kleinen Preisanstieg im frühen Handel notierte das Fass der Sorte WTI wieder um 0,3 Prozent tiefer bei 50,51 Dollar. Der Preis für Brentöl blieb mit 53,12 Dollar nahezu stabil.

Keine Rolle am Ölmarkt spielte die Eskalation des Machtkampfs in Venezuela. Das Land hat zwar die größten Ölreserven der Welt, gehört aber wegen der seit Jahren unsicheren politischen Lage und der deswegen geringen Förderung nicht zu den größten Produzenten.

Der sichere Hafen Gold war bei den Investoren kaum gesucht. Der Preis für die Feinunze notierte unwesentlich höher bei 1281 Dollar, nachdem er am Vortag um rund 10 Dollar gefallen war.

Devisen: Euro notiert höher

Nicht nur am Aktienmarkt, auch am Devisenmarkt spiegelte sich die Nervosität im Vorfeld der französischen Präsidentschaftswahlen. Zuletzt legte der Euro wieder 0,6 Prozent zu und kostete damit 1,0776 Dollar. Als Grund für die Eurostärke nennen Teilnehmer Umfragen, nach denen der zentristische Kandidat Emmanuel Macron leicht die Nase vorn hat.

Die britische Premierministerin Theresa May hat unterdessen die Karten für das Pfund Sterling mit ihrer überraschenden Wahlankündigung neu gemischt. Ob die britische Währung zu den Gewinnern zählt, ist aber nicht eindeutig.

Während einige Experten darauf hoffen, dass May gestärkt aus der Abstimmung hervorgeht und bei den Brexit-Verhandlungen einen versöhnlicheren Kurs einschlägt, befürchten andere weiterhin eine schmutzige Scheidung Großbritanniens von der EU. Das würde sich Experten zufolge negativ auf die britische Wirtschaft auswirken und dem Pfund einen erneuten Kursrutsch einbrocken. Seit dem Brexit-Referendum im vergangenen Juni hat die Währung knapp 15 Prozent auf derzeit knapp 1,28 Dollar abgewertet.

Quelle: n-tv.de , ddi/mbo/dpa/DJ

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