Kolumnen

Startups gehen an die Börse Wall Street frustriert Kleinanleger

Von Lars Halter, New York

(Foto: REUTERS)

"Wir müssen leider draußen bleiben." An der Wall Street gilt dieser Satz nicht nur für Hunde, sondern auch für viele Anleger. Denn bei Börsengängen von Hightech-Firmen geht das ganz große Geld an Insider. Kleininvestoren haben das Nachsehen.

Ich habe Freunde, die kommen per Uber zur Arbeit. Statt wie früher ein Taxi heranzuwinken – oder in die Subway zu steigen – buchen sie einen Chauffeur, der sie pünktlich zuhause abholt, und der nicht mehr kostet als das herkömmliche "cab". Ich habe auch Freunde, die vermieten ihr Zimmer in Brooklyn auf AirBnB, sobald sie für eine Woche aus der Stadt fahren. Die Mieten in New York sind teuer, da verdient man gerne ein paar Dollar nebenbei. Ein leeres Bett kann man sich hier nicht leisten.

Bei kreativen Startups wie Uber und AirBnB sind die Userzahlen in den letzten Jahren astronomisch angestiegen. Das Beste: User ist nicht nur, wer ins Auto einsteigt, sondern auch der Fahrer; Nicht nur wer sich ins gemachte Bett legt, sondern auch der Vermieter. Oder bei Square, dem Bezahldienst, dessen kleines Plastikwürfelchen Millionen von Smartphones zu Kreditkarten-Terminals umgewandelt hat: Da sind Kunde und Verkäufer gleichermaßen User. Es mag Startups geben wie Sand am mehr – aber einige von ihnen verändern den Markt, eröffnen neue Horizonte, und die sind dann auch schnell ein Vermögen wert.

In New York wartet man längst ungeduldig auf den Börsengang von Uber oder AirBnB. Noch viel ungeduldiger dürfte man freilich an der Westküste sein, denn da sitzen viele der ersten G  eldgeber, die für ihr frühes Engagement dicke Aktienpakete bekommen haben – bei einem möglichen IPO machen sie Kasse.

Dumm nur: Außer den frühen Geldgebern und anderen Insidern macht so gut wie niemand Kasse, wenn ein vielversprechendes Unternehmen den Gang auf das Parkett wagt – jedenfalls nicht kurzfristig. Investoren außerhalb der engsten Kreise kommen erst zum Zug, wenn die ersten Kurse feststehen – üblicherweise weit nördlich des Ausgabepreises. Insider sahnen bei einem starken Börsengang oft 30 oder 40 Prozent Tagesgewinn ab, für das Anlegervolk bleiben nur Krümel.

Und das ist nicht alles: Traditionelle Investoren bekommen Aktien auch noch unter schlechteren Bedingungen als die Insider. Die sind etwa zunehmend gegen alle Risiken abgesichert, sie einmal mit "venture capital" untrennbar verbunden waren. Der Bezahldienst Square hatte etwa seinen Insidern einen Wertzuwachs von 20 Prozent bei einem Börsengang garantiert. Als sich der am Tag des IPO nicht einstellen wollte, war das Unternehmen gezwungen, diesen frühen Geldgebern – darunter etwa die Investmentbank JP Morgan – zusätzliche Aktien zu übereignen. Ein guter Deal für die Kapitalgeber, zumal die Square-Aktie kurz nach dem IPO doch noch anzog. Wer ganz früh dabei war, freute sich über einen dicken Bonus.

Wo bleibt das Wagnis?

Bei immer mehr Startups werden solche Klauseln heute in die Verträge mit Investoren geschrieben. Dem eigentlichen Prinzip des "Wagniskapitals" widerspricht das zwar, denn mit gewissen Garantien wird ja das "Wagnis" ausgeschaltet. Doch in einem immer dichteren Startup-Umfeld, vor allem im Silicon Valley, müssen junge Unternehmen eben alles tun, um das Interesse von "Big Money" zu wecken. Mit einem zusätzlichen Vorteil: Wer große Kapitalgeber hat und schon vor dem Börsenstart eine beeindruckende Bilanz aufweisen kann, der punktet auch bei Bewerbern und kann möglicherweise die besten Leute anwerben.

So hat der Markt hinter dem Markt durchaus seine Vorteile... außer eben für die, die einst als Marktteilnehmer – als klassische Investoren – an Unternehmensanteilen interessiert waren. Für die gibt es keine Vorzugspapiere, im Gegenteil: Auf ihrem Rücken werden letzten Endes die Sonderkonditionen für die Großen finanziert. Kein Wunder, dass immer mehr Anleger vom IPO-Markt der letzten Jahre frustriert sind. Man mag nach wie vor mit großem Interesse auf die Börsengänge von AirBnB und Uber warten, die bei frühen Investoren ebenfalls mit großzügigen Offerten gepunktet haben sollen. Aber wer mit diesen Unternehmen wirklich Geld machen will, sollte sich vielleicht besser hinters Steuer setzen... oder das Gästezimmer vermieten.

Quelle: n-tv.de

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