Wirtschaft

Jobs, Jobs, Jobs? Wunder am US-Arbeitsmarkt haben Grenzen

Von Diana Dittmer

Kaputte Fenster in einer verlassenen Fabrik von Packard Motor Car in Detroit. Im Mittleren Westen der USA liegt der sogenannte Rostgürtel.

Kaputte Fenster in einer verlassenen Fabrik von Packard Motor Car in Detroit. Im Mittleren Westen der USA liegt der sogenannte Rostgürtel.

(Foto: REUTERS)

Die Arbeitslosenquote in den USA ist auf den tiefsten Stand seit der Finanzkrise gefallen. Trotzdem gibt es deutlich weniger neue Stellen als erwartet. Das ist noch nicht das Job-Wunder, auf das viele warten.

Laut US-Arbeitsministerium ist die Arbeitslosenquote im März noch einmal um 0,2 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent zurückgegangen. Das ist die niedrigste Quote seit Mai 2007 - und nahezu Vollbeschäftigung. Solche Rückmeldungen vom Jobmarkt sind eigentlich das, was US-Präsident Donald Trump hören will. Es will mehr Amerikaner in Lohn und Brot. "Jobs, Jobs, Jobs", wie er immer wieder betont. Eigentlich.

Doch ganz so simpel ist es nicht. Während die Arbeitslosenquote sank, blieb der Stellenaufbau in der US-Wirtschaft nämlich im selben Monat deutlich hinter den Erwartungen zurück. Das mag auf den ersten Blick paradox erscheinen, hat aber einen Grund: Die Basis bilden zwei unterschiedliche Datensätze. Die Jobzahlen werden aus einer Arbeitgeberumfrage gewonnen, die Arbeitslosenquote aus einer Haushaltsumfrage.

Auf dieser Grundlage ergibt sich, dass private Unternehmen und der Staat im Berichtsmonat insgesamt 98.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen haben. Das ist deutlich weniger erwartet. Volkswirte hatten rund 180.000 auf dem Zettel gehabt. Auch die Rückmeldungen für die beiden Vormonate sind schwächer als angenommen.

Die Angaben für Februar - Trumps erstem vollen Amtsmonat - korrigierte das Arbeitsministerium auf 219.000 (vorläufig: 235.000) und die für Januar auf 216.000 (238.000) Stellen. Zusammengenommen fiel der Stellenzuwachs in beiden Monaten also um 38.000 niedriger aus als erwartet. Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank spricht von einem "mageren" Jobaufbau. "Die US-Wirtschaft kann eben auch keine Wunder vollbringen", lautet seine Erklärung.

Kein grenzenloses Jobwunder

Auch wenn die Zahlen insgesamt immer noch eine gute Verfassung des Arbeitsmarktes bestätigen, ebbt der Boom ab. Die US-Konjunktur ist von einem möglichen Trump-Effekt damit weiter entfernt als zuvor. Trumps Vorgänger Barak Obama hatte im vergangenen Jahr durchschnittlich 190.000 neue Stellen pro Monat verbucht.

Die Rückmeldungen über den Stellenzuwachs in der Industrie bestätigen, dass das angekündigte Jobwunder sparsam ausfällt. Im Februar schaffte das verarbeitende Gewerbe in den USA zwar 28.000 neue Jobs. Im März sollen es auch noch mehr sein - von einem Wunder kann deshalb aber keine Rede sein.

Trumps Credo ist: "Kauft Amerikanisch und stellt Amerikaner ein" und alles wird gut. Damit will er vor allem den runtergewirtschafteten sogenannten Rostgürtel, die älteste und größte Industrieregion der USA, wiederbeleben. Hier wohnt eine Großzahl seiner Wähler, die dringend auf sein versprochenes Jobwunder warten. Wie es aussieht, werden sie jedoch noch lange darauf warten. Die Enttäuschung dürfte von Monat zu Monat wachsen.

Denn Fakt ist, die besten Zeiten hat die US-Industrie lange hinter sich. Dass sie an die guten alten Zeiten anknüpfen wird, ist nicht realistisch. Zumindest wäre der Weg bis dahin sehr lang. Gab es 1970 noch 22 Prozent Industrie-Arbeiter, sind es laut CNN heute gerade mal 8 Prozent der berufstätigen Bevölkerung, die ihr Geld im verarbeitenden Gewerbe verdienen. In absoluten Zahlen heißt das: In den 70er Jahren waren es knapp 20 Millionen Menschen. Heute sind es 12,4 Millionen - so viele wie ungefähr 1941. 2009 wurden zwar 11,5 Millionen Fabrikarbeiter gezählt - aber auch diese Steigerung überzeugt nicht wirklich.

Roboter statt Menschen

Fakt ist auch: Die Industrie fertigt zwar wieder auf Rekordniveau, aber für einen Ausstoß auf diesem Niveau ist längst nicht mehr die gleiche Anzahl an Arbeitern nötig. Heute übernehmen Roboter viele Schritte in der Produktion.

Mit einem wachsenden Trump-Effekt in der Industrie zu rechnen, sehen Experten deshalb sehr skeptisch. "Wir haben einen nennenswerten Anstieg an neuen Jobs im produzierenden Gewerbe", zitiert CNN den Wirtschaftsexperten Sam Bulard von Wells Fargo. Er sei sich aber nicht so sicher, ob diese Entwicklung auch anhalte. Das weitere Job-Wachstum hänge letztlich vom neuen Steuersystem ab, hofft die Ökonomin Lynn Reaser von der Point Loma Universität.

Die Industrie feiert Trump dafür. Laut einer Umfrage des nationalen Branchenverbands sind 93 Prozent seiner 14.000 Mitglieder zuversichtlich für die Konjunktur. Damit sind sie so optimistisch wie seit 20 Jahren nicht mehr. Gut kommt bei ihnen nicht nur Trumps versprochene Steuerreform an, sondern auch seine geplanten Ausgaben für Infrastrukturprogramme. Damit Trump die "größte Job-Maschine, die Gott jemals erschaffen hat", wird, wie er versprochen hat, werden jedoch noch viel größere Anstrengungen nötig sein.

Quelle: n-tv.de

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