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Zurück zu handgemachtem Bier "Craftbeer-Brauer holen auf"

Rustikaler Industriecharme in Berlin: Brewdog bietet über 30 Biere in hipper Location.

Rustikaler Industriecharme in Berlin: Brewdog bietet über 30 Biere in hipper Location.

(Foto: brewdog)

Mit mehr als 50 Bierbars in Deutschland, England, den USA und Metropolen überall auf der Welt ist Brewdog eine der größten Craftbeer-Brauereien Europas. In der Berliner Filiale der Biermarke leitet Dean Pugh die Geschäfte. Im Gespräch mit n-tv.de erzählt der 32-jährige Engländer, weshalb handgemachtes Bier derzeit boomt und warum das deutsche Reinheitsgebot ihm die Arbeit erschwert.

n-tv.de: Was ist das Geheimnis eines gut gebrauten Bieres?

Dean Pugh: Sauberkeit. Man muss sicherstellen, dass das Brausystem frei von Keimen und Bakterien ist. Es können die besten Zutaten, das beste Rezept und gutes Craftbeer-Equipment verwendet werden, wenn das System nicht sauber ist, ist das Bier schlecht.

Lange Zeit hat Brewdog nach einer geeigneten Filiale in Berlin gesucht. Im Bezirk Mitte ist die Firma fündig geworden.

Lange Zeit hat Brewdog nach einer geeigneten Filiale in Berlin gesucht. Im Bezirk Mitte ist die Firma fündig geworden.

(Foto: brewdog)

Was ist Craftbeer?

Das ist Bier, das mit Leidenschaft, Innovation, Experimentierfreude und einem besonderen Geschmack gebraut wurde. Vor allem in Großbritannien und den USA werden weniger und besonders preiswerte Zutaten verwendet, um das Bier billiger produzieren und höhere Gewinne einfahren zu können. Für Deutschland gilt das aber nicht.

Warum ist Craftbeer derzeit so populär?

Das hängt mit der Organic-Food-Bewegung zusammen. Besonders in meiner Generation achten die Leute mittlerweile mehr darauf, was genau sie essen und wie es produziert wurde. Sie wollen eine größere Vielfalt an Nahrungsmitteln zur Verfügung haben. Diese sollen qualitativ hochwertig sein und möglichst aus lokalen Produktionen stammen. 

Zum Unternehmen

Brewdog wurde 2007 in Schottland von James Watt und Martin Dickie gegründet. Das selbstgebraute Craftbeer wurde zunächst auf Märkten verkauft. Drei Jahre später eröffnete das Duo seine erste Bar. 2012 verzeichnete das Unternehmen bereits 135 Angestellte und einen Jahresausstoß von 36.000 Hektolitern Bier. 2015 zählte Brewdog 540 Mitarbeiter, 44 Bars und einen Ausstoß von 134.000 Hektolitern. Mittlerweile existieren mehr als 50 Brewdog-Bars weltweit.

Wie unterscheidet sich die Produktion von Bier, das man im Supermarkt kaufen kann, und Craftbeer?

Es gibt keine großen Unterschiede in der Produktion. Großbrauereien benutzen mehr Technik, aber Craftbeer-Brauer holen diesbezüglich auf. Es werden dieselben Zutaten verwendet. Der Produktionsprozess ist identisch. Aber Craftbeer hat mehr Authentizität und ist durch den Ethos der Handwerksbrauereien geprägt. Sie verwenden geschmackvollere und qualitativ bessere Zutaten.

Welche Qualitätsunterschiede gibt es?

Die meisten der in Deutschland traditionell gebrauten Biere haben eine gute Qualität. Das deutsche Reinheitsgebot verbietet zahlreiche billige Zutaten. In England ist das anders: Dort werden hochwertige und minderwertigen Bestandteile in demselben Bier verwendet. Das verringert die Qualität des Produkts. Craftbeer ist genau das Gegenteil davon. Man geht zurück zu den Wurzeln. Deshalb entsteht am Ende ein qualitativ gutes Bier.

Dean Pugh stammt aus England und leitet seit 2015 die Berliner Brewdog-Filiale.

Dean Pugh stammt aus England und leitet seit 2015 die Berliner Brewdog-Filiale.

(Foto: lsc)

Wie passen Craftbeer und das deutsche Reinheitsgebot zusammen?

Im Hinblick auf das, was wir erreichen wollen, gibt es jede Menge Übereinstimmungen. Wir wollen ein gut gemachtes, hochwertiges Produkt anbieten. Allerdings macht das Reinheitsgebot sehr strenge Vorgaben und erschwert das Experimentieren.

Wieviele Freiheiten hat man beim Brauen eines Craftbeers?

Im Prinzip benutzen Leute alles im Rahmen des Möglichen. Aufgrund des Reinheitsgebotes kann man allerdings nur auf die vier Grundzutaten eines Bieres (Wasser, Hopfen, Gerstenmalz, Hefe) zurückgreifen. Wir haben beispielsweise ein Bier mit Grapefruit im Angebot, das wir allerdings nicht in Deutschland brauen können.

Macht das Reinheitsgebot trotzdem noch Sinn?

Generell sollte man nichts machen, auf das man nicht stolz sein kann. Aber das Brauen eines Bieres sollte nicht so stark eingeschränkt sein.

Ihr bietet in eurem Pub sehr viele Biersorten an. Welches Bier ist das Beste?

Das nächste, das ich trinke (lacht).

Mit Dean Pugh sprach Lisa Schwesig

Hier gelangen Sie zum n-tv extra "Das Geschäft mit Bier".

Quelle: n-tv.de

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