Wirtschaft

Wieder "Amerika zuerst"? Wie Trumps Laptop-Verbot US-Airlines hilft

Von Diana Dittmer

Die USA immer im Fokus.

Die USA immer im Fokus.

(Foto: REUTERS)

Die Passagiere von Golf-Airlines dürfen künftig auf bestimmten Routen in die USA keine größeren elektronischen Geräte im Handgepäck mitnehmen. Washington begründet dies mit neuen Terrorgefahren. Experten wittern andere Motive.

Ist wirklich Angst vor terroristischen Anschlägen das Motiv für das jüngste US-amerikanische Elektronik-Verbot auf bestimmten Flugrouten aus dem Nahen Osten in die USA oder könnte es auch andere Gründe dafür geben? Experten sind skeptisch. In drei Tagen werden alle Geräte, die größer sind als Smartphones - also Tablets, Laptops, portable DVD-Player oder E-Books - aus dem Handgepäck verbannt. So sieht es eine überraschende Verschärfung US-amerikanischer Sicherheitsregeln vor, die Großbritannien in ähnlicher Form übernommen hat.

Grund für das Verbot sollen neue Bombentechniken sein, wie Reuters und CNN unter Berufung auf Sicherheitskreise melden. Die Terrorgruppe Al Kaida auf der arabischen Halbinsel soll eine Methode entwickelt haben, wie eine Bombe kaum von einer Laptop-Batterie zu unterscheiden ist. Nähere Angaben dazu machte das Weiße Haus in Washington nicht, die Informationen hierüber sollen aber bereits seit Wochen vorliegen.

Vom britischen Laptop-Bann sind Flughäfen und -gesellschaften sechs überwiegend muslimischer Länder betroffen. Dazu gehören die Türkei, der Libanon, Jordanien, Ägypten, Tunesien und Saudi-Arabien. In den USA stehen außerdem Flughäfen in Kuwait und Marokko auf der Liste. Auffällig dabei ist, dass die meisten Länder enge Verbündete der USA sind. Der Flughafen Abu Dhabi gehört sogar zu den nur 15 Nicht-US-Flughäfen weltweit, die die Sicherheitsschleusentechnik des US-Heimatschutzministeriums einsetzen. Nicht nur das wirft Fragen auf.

Seltsam scheint auch, dass US-amerikanische Airlines von diesem Bann explizit ausgenommen sind. Das britische Verbot trifft dagegen auch die nationalen Fluggesellschaften British Airways, Easyjet oder Thomas Cook. Angeblich sind die US-Airlines nicht betroffen, weil es keine Direktflüge von den fraglichen Flughäfen in die USA gibt. Als hinreichende Begründung taugt das jedoch nicht. Bevorzugen Terroristen etwa Direktflüge? Laut "Wall Street Journal" unter Berufung auf Regierungsquellen wurden entsprechende Verbote bereits unter Präsident Barack Obama diskutiert. Warum sind sie bislang nicht umgesetzt worden?

Welchen Sinn hat der E-Bann?

Experten bezweifeln inzwischen den Sinn eines solchen Verbots unter Sicherheitsgesichtspunkten. Sie wittern hier vielmehr nicht nur eine Verbindung zu den Einreisebeschränkungen für Muslime, die Donald Trump plant, sondern auch klare wirtschaftliche Motive. Trump hatte den Chefs der großen einheimischen Fluggesellschaften bei einem Treffen im Februar versprochen, ihnen im Wettbewerb mit großen Fluggesellschaften vom Persischen Golf, die von hohen Subventionen ihrer Heimatregierungen profitieren, zu helfen.

US-Airlines wie Delta, United Continental und American klagen seit Jahren über den unfairen Wettbewerb, vor allem mit den Konkurrenten aus den Golfstaaten. Carrier wie Ethad, Emirates oder Quatar Airways, aber auch Turkish Airlines haben die Flughäfen in Dubai, Doha und Istanbul in den vergangenen Jahren mit staatlicher Unterstützung zu riesigen Hubs ausgebaut. Millionen Passagiere aus der ganzen Welt fliegen von hier in die USA. Allein Dubai, der weltweit verkehrsreichste Flughafen, wird dieses Jahr voraussichtlich 89 Millionen Passagiere abfertigen. Mit dem Elektronikverbot bekommt die US-amerikanische Luftfahrtbranche also endlich - über einen Umweg - die versprochene Hilfe.

Die Golf-Airlines hätten bereits seit Monaten mit einem "Vergeltungsschlag" aus Washington gerechnet, zitiert die "Washington Post" die Politikwissenschaftler Henry Farrell und Abraham Newman. Ihr Geschäft dürfte durch die Verbannung der Elektronik aus dem Handgepäck schweren Schaden nehmen. Die Airlines rechnen nicht nur mit höheren Kosten für Sicherheitschecks, sondern auch mit Flugverspätungen und Abwanderung frustrierter Kunden. Neben Emirates, Etihad, Qatar Airways und Turkish Airlines sind von dem Bann noch Royal Jordanian Airlines, Egypt Air, Saudi Arabian Airlines, Kuwait Airways und Royal Air Maroc betroffen.

Schon Trumps vorübergehendes Einreiseverbot für Muslime aus bestimmten Ländern hatte die Buchungen bei Emirates um 35 Prozent einbrechen lassen. Es wäre nicht das erste Mal, dass der US-Präsident die nationale Sicherheit vorschiebt, um Erlasse, die andere ideologische Ziele verfolgen, zu rechtfertigen. Es gebe zwar auch legitime Sicherheitsgründe hinter dieser Entscheidung, "aber Trumps eklatante anti-muslimische Rhetorik und die mangelhafte Begründung für diese neuen Beschränkungen wecken ernsthafte Bedenken", zitiert die "Washington Post" Naureen Shah von Amnesty International. 

"Reiner Aktionismus"

Sicherheitsexperten bestätigen das. Für "blanken Unsinn" und "reinen Aktionismus" hält Ralph Beisel vom deutschen Flughafenverband ADV das Elektronik-Verbot, wie er der "Süddeuschen Zeitung" sagt. Auch in den USA wird über Sinn und Zweck der Maßnahme gestritten. Nicholas Weaver vom Internationale Computer Science Institute der Universität Berkeley in Kalifornien weist im britischen "Guardian" darauf hin, dass eine Bombe im Computer genauso in der Kabine wie im Gepäckraum explodieren kann. Beim Terroranschlag auf eine russische Passagiermaschine über der Sinaihalbinsel 2015 war die Bombe unten im Frachtraum.

Auch aus anderen Gründen sind Elektrogeräte im Bauch eines Fliegers bedenklich, wie Experten feststellen: Lithium-Batterien waren zuletzt wegen Überhitzung in Brand geraten. Im Gepäckraum ist das viel gefährlicher als in der Kabine. Umgekehrt ist die Kabine deshalb aber auch nicht der sicherere Ort. Vor gut einem Jahr detonierte in Somalia ein Laptop in der Kabine, kurz nachdem die Maschine abgehoben hatte.

Außer Acht lässt das Verbot auch die Tatsache, "dass terroristische Bedrohung sich nicht an Grenzen hält", wie der Jurist Paul Schwartz, ebenfalls von der Berkley University, dem "Guardian" sagt. Für mehr Sicherheit garantieren könnte insofern wohl allenfalls ein Komplettverbot für Tablets und Laptops - ein Szenario, das man sich aber nicht sehr gut vorstellen kann. So bleibt ein Geschmäckle, dass hinter Trumps E-Bann durchaus auch andere Motive stecken könnten.

Viele Reisende werden das Verbot als Schikane empfinden. Sie dürften sich ihre Flugrouten und -gesellschaften in Zukunft genauer anschauen. Auch aus versicherungstechnischen Gründen. Denn beim Diebstahl eines Geräts kommen die Versicherungen nicht für den Schaden auf, wenn Laptop und Co. nicht im Handgepäck verstaut waren. Trump kann das egal sein. Für ihn ist es ein weiteres Häkchen hinter "America first".

Quelle: n-tv.de

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