Wirtschaft

Zerschlagung oder Fracht-Flieger Was die Investoren mit Air Berlin vorhaben

Hauptstadt-Airline im Sinkflug: Die Tage von Air Berlin als selbständiger Fluggesellschaft mit eigenem Streckennetz dürften gezählt sein.

Hauptstadt-Airline im Sinkflug: Die Tage von Air Berlin als selbständiger Fluggesellschaft mit eigenem Streckennetz dürften gezählt sein.

(Foto: picture alliance / Jörg Carstens)

Air Berlin, Deutschlands zweitgrößte Fluglinie ist pleite - und dennoch gefragt. Viele Investoren haben Interesse an dem Luftfahrtkonzern oder Teilen davon angekündigt. Ein Überblick über die potenziellen Käufer und ihre Pläne:

Lufthansa:

Eine Gesamtübernahme von Air Berlin durch die größte deutsche Fluglinie ist zwar ausgeschlossen, doch Lufthansa hofft, bis zu 90 der 140 Air-Berlin-Flieger samt Besatzung übernehmen zu können. Für die Lufthansa käme dies gerade zur richtigen Zeit. Der Konzern könnte damit die eigene Billigtochter Eurowings auf einen Schlag zu einem der großen Player auf dem innereuropäischen Markt machen und im Wettbewerb vor allem gegenüber dem aggressiven Konkurrenten Ryanair besser positionieren. Derzeit fliegen schon 38 Air-Berlin-Maschinen samt Crew im Rahmen eines Leasing-Deals für Eurowings.

Die Pläne der Lufthansa sind bereits weit gediehen: Am Wochenende einigte sich der Konzern mit der Gewerkschaft Ufo auf Konditionen, zu denen die Air-Berlin-Crews künftig bei Eurowings arbeiten könnten. Auch viele deutsche Politiker favorisieren einen Deal mit der Lufthansa, weisen aber immer wieder darauf hin, dass der Platzhirsch insbesondere einige der innerdeutschen Air-Berlin-Verbindungen an einen anderen Konkurrenten abgeben müsste, um keine marktbeherrschende Stellung zu bekommen. Welche Summe Lufthansa zu zahlen bereit ist, ist bislang nicht bekannt.

Hans Rudolf Wöhrl

Als einziger Interessent hat der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl bislang einen konkreten möglichen Kaufpreis genannt. Bis zu 500 Millionen Euro ist der Investor bereit zu zahlen - und zwar für die gesamte Airline. Wöhrls Plan sieht seinen eigenen Angaben zufolge vor, Air-Berlin-Maschinen und Besatzungen hauptsächlich im Auftrag anderer Linien fliegen zu lassen, so wie dies heute teils schon in Kooperation mit der Lufthansa geschieht. In den USA gibt es einige Gesellschaften, die mit diesem Geschäftsmodell erfolgreich sind.

Zwar bliebe Air Berlin so als eigenständiges Unternehmen erhalten und auch der Markenname soll nicht ganz verschwinden, argumentiert Wöhrl und stellt damit in Aussicht, mehr der 8500 Arbeitsplätze erhalten zu können als bei einer Aufteilung der Air-Berlin-Maschinen unter verschiedenen Konkurrenten. Die Flüge würden nach Wöhrls Vorstellung unter der Flugnummer des jeweiligen Partners durchgeführt, mit dem Zusatz "Operated by Air Berlin". Teile der heutigen Verwaltung - etwa eine komplette eigene Marketingabteilung - bräuchte auch Wöhrl für sein Modell nicht.

Wöhrl, der bereits die Fluggesellschaften DBA und LTU sanierte, will für den Air-Berlin-Kauf Partner gewinnen. Dazu habe er bei den anderen Interessenten wie Lufthansa vorgesprochen, hieß es. Allerdings sagt Wöhrl, er können den Kauf auch mit Hilfe anderer Investoren stemmen.

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Zeitfracht

Zeitfracht ist ein Logistikdienstleister aus Berlin. Laut Geschäftsführer Wolfram Simons will das Unternehmen Air Berlin ebenfalls als Ganzes übernehmen. Ohne die hohen Schulden, denen sich Air Berlin im Insolvenzverfahren weitgehend entledigen könnte, hält Simons die Fluggesellschaft für überlebensfähig.

Anders als die meisten anderen Interessenten sieht Zeitfracht Wachstumschancen für Air Berlin hauptsächlich im Frachtgeschäft. "Während die ganze Welt von dem Passagiergeschäft spricht, haben wir uns überlegt, wir schauen mal beim Thema Cargo-Geschäft ein bisschen näher hin", sagte Zeitfracht-Geschäftsführer Simons. Welche Chancen das vergleichsweise kleine Berliner Familienunternehmen im Bieterverfahren um Air Berlin hat, ist jedoch unklar.

Easyjet

Zwischenzeitlich hatte es geheißen, Lufthansa und Easyjet könnte die Air-Berlin-Konkursmasse unter sich aufteilen. Doch während die Lufthansa ihre Pläne inzwischen vorantrieb, äußerte sich die britische Billiglinie bislang nicht konkret zu einem möglichen Angebot für Air Berlin.

Condor

Die Fluglinie Condor hat gemeinsam mit ihrem Mutterkonzern, dem britischen Tourismusriesen Thomas Cook, ihr Interesse an Air Berlin bekundet. Man stehe "für eine aktive Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin bereit", hieß es. Detailliertere Angaben zu einem möglichen Angebot machte das Unternehmen allerdings nicht.

Niki Lauda

Ex-Formel-1-Pilot Niki Lauda hatte seine eigene Fluglinie Niki 2011 an Air Berlin verkauft. Nun erwägt der Pilot, sie aus der Konkursmasse der Muttergesellschaft zurückzukaufen. Anders als das Gesamtunternehmen gilt Niki mit seinem Fokus auf Ferienverbindungen als profitabel. Derzeit lässt Lauda die Geschäftszahlen von Air Berlin genau prüfen, um zu entscheiden, ob und welches Gebot er abgeben wird.

Utz Claassen

Laut dem "Handelsblatt" hat der Investor und ehemalige Chef des Energiekonzerns EnBW, Utz Classen, bereits die Geschäftsbücher von Air Berlin prüfen lassen. Sein Ziel sei nach eigenen Angaben, so viele Arbeitsplätze zu retten wie möglich. Ob er für die Fluglinie im Ganzen oder für Teile bieten will, und welche Pläne er für die Zukunft des Unternehmen hat, erklärte Claassen bislang nicht. Es gebe jedoch "immer irgendwo restrukturierungswillige und -fähige Investoren", sagte er dem "Handelsblatt".

Ryanair

Mit einem großen, öffentlichen Knall hat Ryanair-Chef Michael O'Leary sein zwischenzeitlich in Aussicht gestelltes Angebot für Air Berlin wieder zurückgezogen. Seine Begründung: Die Insolvenz und der Bieterprozess seien ein "abgekartetes Spiel" der deutschen Politik und der Lufthansa, um letzterer die Air-Berlin-Flotte zu günstigen Konditionen zuzuschanzen. O'Leary forderte zudem deutsche und europäische Kartellbehörden auf, den Vorgang und vor allem den Überbrückungskredit der staatlichen KfW-Bank für Air Berlin zu untersuchen.

Allerdings waren diese Umstände alle bereits bekannt, als O'Leary nur wenige Tage zuvor sein Interesse für die Übernahme von Teilen und auch der gesamten Air Berlin öffentlich gemacht hatte. Das nährte bei manchen Beobachtern den Verdacht, dass O'Leary gar nicht ernsthaft mitbieten, sondern mit dem als Eklat inszenierten Rückzieher seinem Ärger über die politische Unterstüzung für Lufthansa im Bieterprozess Luft machen wollte.

Alexander Skora

Auch Alexander Skora hat sein Interesse an einer Übernahme von Air Berlin inzwischen wieder zurückgezogen. Zwischenzeitlich war berichtet worden, der Berliner Unternehmer lasse bereits die Bücher von Air Berlin prüfen. Eigenen Angaben zufolge hatte Skora ein Konsortium aus israelischen, amerikanischen und kanadischen Unternehmen für ein mögliches Gebot für Air Berlin gebildet. Doch später gab er Investor zu Protokoll, nach Gesprächen mit Branchenkennern habe er sich entschieden, lieber die Finger von Air Berlin zu lassen.  

Quelle: n-tv.de , mbo/dpa/AFP/rts/DJ

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