Wirtschaft

Priorität nach Referendum Türkei will lahmende Wirtschaft ankurbeln

Leerer Strand in Antalya - die Türkei leidet unter einem Rückgang der Touristenzahlen.

Leerer Strand in Antalya - die Türkei leidet unter einem Rückgang der Touristenzahlen.

(Foto: dpa)

Die Türkei leidet unter einer Tourismus-Flaute und grassierender Inflation. Nach der Abstimmung über eine Verfassungsänderung will Ankara als erstes die Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Wie das erreicht werden soll, verrät Finanzminister Agbal.

Nach dem Verfassungsreferendum will die türkische Regierung die wegen der politischen Unsicherheiten lahmende Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Finanzminister Naci Agbal sagte, Priorität werde der Kampf gegen Inflation und Arbeitslosigkeit haben. "Die Wirtschaft wird an erster Stelle der Prioritätenliste stehen", sagte Agbal. Der Staat wolle seinen Einfluss in der türkischen Wirtschaft allerdings nicht ausbauen, sondern dem privaten Sektor durch Reformen neuen Schub verpassen.

Nach dem gescheiterten Putsch im vergangenen Sommer und mehreren Anschlägen hat sich die Konjunktur abgekühlt. So weichen etwa westeuropäische Touristen auf andere Ziele aus. Im März war die Inflationsrate mit 11,29 Prozent auf dem höchsten Stand seit achteinhalb Jahren geklettert, weil die chronische Schwäche der türkischen Lira die Verbraucherpreise anheizte.

Naci Agbal, Finanzminister der Türkei.

Naci Agbal, Finanzminister der Türkei.

(Foto: REUTERS)

Deutsche Industrie hofft auf Stabilität

Führende deutsche Wirtschaftsvertreter reagierten besorgt auf das Abstimmungsergebnis. Am Sonntag hatten 51,4 Prozent der Türken für eine Verfassungsänderung gestimmt, mit der die Macht beim Präsidenten konzentriert wird. "Mit dem Ergebnis des Referendums entfernt sich die Türkei weiter von der EU – ihrem wichtigsten Absatzmarkt", klagte der Präsident des Außenhandelsverbandes Anton Börner. Sein Kollege vom Industrieverband BDI, Dieter Kempf, sagte: "Das Ergebnis besorgt mich." Die Türkei entferne sich damit weiter von den europäischen Grundwerten.

"Für die deutsche Wirtschaft ist wichtig, dass sich die Lage in der Türkei stabilisiert und dass verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen gewährleistet werden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. Die Türkei zählt mit einem Handelsvolumen von gut 37 Milliarden Euro im vergangenen Jahr zu den 20 größten Handelspartnern Deutschlands. In dem Land arbeiten mehr als 6800 deutsche Firmen mit Niederlassungen oder Tochterunternehmen. Für die Türkei ist Deutschland der wichtigste Handelspartner.

Quelle: n-tv.de , kst/rts

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