Wirtschaft

Abschied vom Freihandel? Trump prüft Schritte gegen Stahlimporte

Angriff auf die Stahlbranche: Außen- und Wirtschaftsministerium in Berlin werfen den USA vor, falsch gerechnet zu haben.

Angriff auf die Stahlbranche: Außen- und Wirtschaftsministerium in Berlin werfen den USA vor, falsch gerechnet zu haben.

(Foto: REUTERS)

US-Präsident Trump macht ernst mit "Amerika zuerst". Ausländische Stahlhersteller bekommen das nun zu spüren. Der Vorwurf , die ausländische Konkurrenz arbeite mit unfairen Kampfpreisen, ist allerdings schon älter als Trumps Regierung.

US-Präsident Donald Trump holt laut Insidern zu einem weiteren Schlag gegen Stahlimporte aus. Der Präsident lasse prüfen, ob sie die nationale Sicherheit der USA beeinträchtigen, kündigten zwei Regierungsvertreter an. Trump werde im Beisein von Vertretern der amerikanischen Stahlindustrie eine entsprechende Anweisung unterzeichnen. Anleger beobachten diese Entwicklungen mit Sorge. Die Aktien der deutschen Branchengrößen Thyssenkrupp und Salzgitter sowie vom Weltmarktführer ArcelorMittal gerieten daraufhin deutlich unter Druck.

Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann gab sich unterdessen wegen der in den USA erlassenen Strafzölle kämpferisch. "Wir werden keine Tonne in die USA liefern, die mit diesem Zoll belegt sein wird", sagte er der "Wirtschaftswoche".

Trump will im Zuge seiner "America first"-Politik die heimischen Hüttenwerke stärken. Der Vorwurf lautet, die Unternehmen hätten Waren unterhalb der Herstellungskosten verkauft. Er will die durch angeblich "unfairen Handel" vom Ausland "gestohlenen" Fabriken und Arbeitsplätze zurück nach Amerika zu holen.

Die nun geplante Anweisung basiere auf einem US-Gesetz, das Einfuhrbeschränkungen aus Gründen der nationalen Sicherheit erlaubt, wie die Regierungsvertreter erklärten. Beim Stahl könne dies wegen besonderer Legierungen, etwa für die Panzerung von Schiffen, zutreffen. Der Vorgang richte sich nicht gegen ein bestimmtes Land, sondern sei "produktbezogen".

Salzgitter: "absurde" Vorwürfe

Erst kürzlich hatten die USA europäische Stahlunternehmen ins Visier genommen. Die US-Regierung wirft den deutschen Unternehmen Salzgitter und Dillinger Hütte sowie weiteren europäischen Konzernen Preisdumping vor. Salzgitter muss demnach für Lieferungen von Grobblech in den USA Strafzölle von 22,9 Prozent zahlen. Bei der Dillinger Hütte sind es 5,38 Prozent des Warenwerts, andere sollen bis zu 148 Prozent zahlen, heißt es.

Salzgitter-Chef Fuhrmann hält dagegen: Die Vorwürfe seien "absurd" und "willkürlich", sagte er der "Wirtschaftswoche". Der US-Markt für Großrohre, die aus Grobblech geschmiedet werden, sei derzeit ohnehin nicht sehr ergiebig. "Das Thema wird keine Blutspur in unserer Bilanz hinterlassen."

Die Bundesregierung hat sich hinter die Unternehmen gestellt. Die EU-Kommission wird womöglich Mitte Mai entscheiden, wie sie gegen die Strafzölle der USA vorgeht. Sie könnte den Fall vor die Welthandelsorganisation (WTO) bringen.

Deutschland und die EU setzen sich in dem Stahlstreit dafür ein, dass die US-Regierung bei der Berechnung der Anti-Dumping-Raten die geltenden WTO-Regeln anwendet. WTO-widrige Berechnungsmethoden könnten zu höheren Zahlungsverpflichtungen und zu massiven Benachteiligungen im internationalen Wettbewerb führen.

Nicht Trumps Idee

Die Strafzölle gegen Stahlhersteller sind derweil älter als die Trump-Administration. Handelsminister Wilbur Ross macht sich genau genommen nur eine Steilvorlage aus der Obama-Ära zunutze. Drei US-Hersteller reichten schon im April 2016 beim US-Handelsministerium, dem Department of Commerce (DOC), Klage gegen die ausländische Konkurrenz ein, weil diese angeblich Grobbleche zu unfairen Billigpreisen in die USA einführten.

Seither läuft das Verfahren. Ende vergangenen Jahres zeichnete sich dann plötzlich ab, dass Stahlhersteller aus aller Welt mit Strafzöllen belegt werden könnten. Die Bombe platzte, als das DOC am 30. März die Liste der Unternehmen und die geforderten Zölle veröffentlichte.

Thyssenkrupp- und Salzgitter-Aktien verloren am Donnerstag zeitweise jeweils über zwei Prozent. Händlern zufolge spielte bei den Kursverlusten von Salzgitter allerdings auch eine Herunterstufung durch Jefferies eine Rolle. Darüber hinaus drückt auch die Furcht vor einer sinkenden Nachfrage und einem Stahl-Überangebot in China seit Tagen auf die Stimmung im Sektor.

Quelle: n-tv.de , ddi/rts

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