Wirtschaft

Lebensretter in Afrika Start-up liefert Blut mit Drohnen aus

Zipline liefert die Blutkonserven rund um die Uhr aus.

Zipline liefert die Blutkonserven rund um die Uhr aus.

(Foto: Zipline)

Während große Konzerne noch an Warenlieferungen per Drohne tüfteln, ist ein kalifornisches Start-up in Afrika bereits mit einem etwas anderen Service aktiv. Statt Konsumgütern schickt die Firma Zipline in Ruanda Blutkonserven durch die Lüfte.

Die Warenlieferung per Drohne ist in aller Munde. Zahlreiche große Unternehmen probieren sich derzeit daran: Amazon, die Deutsche Post und Google-Mutter Alphabet sind die bekanntesten. Doch während diese noch an ihren Konzepten tüfteln, sorgt ein Start-up in Ostafrika bereits mit einem voll funktionsfähigen Service für Furore. Anders als die Konkurrenz hat das Unternehmen Zipline jedoch keine Konsumgüter im Angebot, sondern menschliches Blut.

Seit vergangenem Oktober fliegen die Drohnen des kalifornischen Unternehmens über Ruanda. Von einem zentralen Lager aus starten sie ihre Flüge zu medizinischen Einrichtungen. Ärzte in Kliniken können per SMS oder WhatsApp das dringend benötigte Blut anfordern. Mitarbeiter von Zipline holen die gewünschten Blutkonserven aus dem Kühlschrank und laden sie in eine Drohne, die per Katapult gestartet wird.

Zwischen fünf und 40 Minuten benötigt das batteriebetriebene Fluggerät bis zum Ziel. In einem Land wie Ruanda mit vergleichsweise schlecht ausgebauter Infrastruktur würde eine Lieferung mit dem Auto bis zu einige Stunden dauern. Eine Minute vor dem Eintreffen der Drohne erhalten die Mitarbeiter der angeflogenen Klinik eine Benachrichtigung, und die Drohne lässt wenig später aus etwa zehn Metern Höhe das Blutkonserven-Paket mit einem Fallschirm an einem vorgegebenen Ort zu Boden gleiten. Danach kehrt sie zu ihrer Basis zurück.

100 Stundenkilometer schnell

Im Unterschied zu den Drohnen anderer Betreiber, wie etwa der Deutschen Post, verwendet Zipline keine Quadro- oder Multikopter, sondern Fluggeräte mit starren Flügeln. Dies erlaubt höhere Fluggeschwindigkeiten von bis zu 110 Kilometern pro Stunde, einen größeren Einsatzradius und Flüge bei fast allen Wetterbedingungen. Die Drohnen können Pakete mit einem Gewicht von bis zu 1,5 Kilogramm maximal 75 Kilometer weit transportieren.

Gestapelte Drohnen des Unternehmens Zipline.

Gestapelte Drohnen des Unternehmens Zipline.

(Foto: Zipline)

Zipline-Chef Keller Rinaudo sagte dem Magazin "Quartz", dass sein Unternehmen in Ruanda bereits mehr als 1400 Flüge mit einer Gesamtlänge von fast 100.000 Kilometern absolviert und dabei mehr als 2600 Blutkonserven ausgeliefert habe.

Dank der vergleichsweise schnellen Lieferung seien bereits Leben gerettet worden: So beschreibt die 23-jährige Alice Mutimiutugye in einem Video des Unternehmens, dass sie wegen einer starken Schwellung im Bauch, ausgelöst durch einen Malariainfekt, eine Klinik aufsuchen musste. Während der Operation habe sie eine Menge Blut verloren - eine von einer Zipline-Drohne gelieferte Blutkonserve habe ihr jedoch das Leben gerettet.

Das Konzept funktioniert in Ruanda bereits so zuverlässig, dass Zipline seinen Service demnächst auch im Nachbarland Tansania anbieten will. Im Frühjahr 2018 soll das System dort installiert und einsatzbereit sein. Zipline plant 2000 Lieferungen pro Tag an über 1000 medizinische Einrichtungen im ganzen Land. Mehr als 100 Drohnen in vier Auslieferzentren sind geplant. Sie sollen nicht nur Blutkonserven, sondern auch Medikamente und medizinische Utensilien transportieren.

Aus etwa 10 Metern Höhe lässt die Drohne das Paket mit der Blutkonserve zur Erde gleiten.

Aus etwa 10 Metern Höhe lässt die Drohne das Paket mit der Blutkonserve zur Erde gleiten.

(Foto: Zipline)

Auch aus vielen anderen Ländern in Ostafrika, dem Mittleren Osten und auch Europa gebe es Interessen an dem Service, sagt Rinaudo. Denn: "Dies sind keine Probleme Ruandas, das sind globale Probleme."

"Annähernd rentabel"

In Ruanda und Tansania arbeitet Zipline im Auftrag der jeweiligen Regierungen. Das Engagement sei für das Unternehmen pro Auslieferung bereits annähernd rentabel, so der Zipline-Chef. Und das müsse es auch sein, schließlich stünden dem Start-up im Unterschied zu großen Konzernen keine fast unbegrenzten Geldmittel zur Verfügung.

Andernorts in Afrika gibt es bereits weitere, allerdings nicht-kommerzielle Versuche, Drohnen für lebensrettende Zwecke einzusetzen: In Malawi testet das UN-Kinderhilfswerk Unicef ebenfalls, wie Drohnen zum Transport von Hilfsgütern, Blutkonserven und Medikamenten in abgelegene Gebiete eingesetzt werden können.

Und den unbemannten Flugobjekten wird noch mehr zugetraut: Auf der Ostseeinsel Usedom will das Deutsche Rote Kreuz eine Rettungsdrohne testen, die Schwimmhilfen zu in Not geratenen Menschen transportieren soll. Wissenschaftler aus Ulm und Schweiz wollen mit Drohnen Landminen ausfindig machen - und so Menschenleben retten.

Quelle: n-tv.de

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