Wirtschaft

Insolvenzen bei Töchtern Solarworld will weiter produzieren

In Arnstadt bangen gut 800 Beschäftigte um ihren Job - das Land will helfen.

In Arnstadt bangen gut 800 Beschäftigte um ihren Job - das Land will helfen.

(Foto: picture alliance / Arifoto Ug/Mi)

Der Solarkonzern Solarworld ist pleite. Inzwischen haben auch die Töchter in Sachsen und Thüringen Insolvenz eingereicht. Der eingesetzte Verwalter will die Produktion nun so wenig wie möglich beschränken.

Solarworld-Insolvenzverwalter Horst Piepenburg will die Produktion bei dem Bonner Solarkonzern nicht ins Stocken geraten lassen. "Den Geschäftsbetrieb so reibungslos wie möglich aufrechtzuerhalten ist jetzt von wesentlicher Bedeutung", teilte der Düsseldorfer Rechtsanwalt mit. Der 63-Jährige lenkt seit Freitag als Sanierer die Geschicke des ehemaligen Aushängeschildes der deutschen Solarindustrie. Zu den Aussichten für eine Rettung von Solarworld hielt sich Piepenburg nach einer Belegschaftsversammlung in Bonn bedeckt. Er wolle sich "zügig mit der Lage des Unternehmens auseinandersetzen".

Zunächst geht es darum, dafür zu sorgen, dass die gut Beschäftigten in der Bonner Zentrale, im sächsischen Freiberg und im thüringischen Arnstadt für die drei Monate von Mai bis Juli Insolvenzgeld erhalten. Das entlastet die Kasse des überschuldeten Konzerns. Die Arbeitsagentur bekommt das Geld später aus der Insolvenzmasse zurück. Solarworld-Chef und -Firmengründer Frank Asbeck sagte Piepenburg "tatkräftige Unterstützung" zu. Er hatte den Glauben an eine Sanierung des Unternehmens verloren und war am Freitag zum Insolvenzrichter gegangen. Nach der Solarworld AG meldeten auch vier deutsche Tochtergesellschaften Insolvenz an.

Tiefensee sichert Hilfe des Lande zu

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee sicherte bei einem Besuch des erst vor einigen Jahren eröffneten Werks in Arnstadt die Unterstützung des Landes zu. In der Stadt beschäftigt Solarworld derzeit noch 814 Mitarbeiter. Das Werk sichert laut Tiefensee zudem Hunderte Arbeitsplätze bei Zulieferern. Die Produktion müsse möglichst weiter laufen, sagte Tiefensee. Es sei mit Blick auf eine Zukunftslösung und die Investorensuche wichtig, einen produzierenden Standort zu haben.

Das Unternehmen macht für sein Scheitern vor allem Dumping-Angebote aus China verantwortlich, die den Marktpreis in den Keller gedrückt hätten. Deutschlandweit beschäftigt Solarworld rund 2600 Menschen in der Bonner Zentrale, in Arnstadt und in Freiberg (Sachsen). Hinzu kommt ein großer Standort in den USA. Der für viele Anleger und Mitarbeiter überraschende Insolvenzantrag für die Unternehmensmutter beschäftigt auch die Finanzaufsicht Bafin. Es werde geprüft, ob die Anleger rechtzeitig über drohende Risiken informiert worden seien, sagte eine Bafin-Sprecherin.

Bundesweit bekannter Sanierer

Piepenburg ist einer der bekanntesten Sanierungsexperten in Deutschland. Er war bundesweit bekannt geworden, als er 2002 den insolventen Maschinen- und Anlagenbauer Babcock Borsig als Vorstandschef sanierte. Zuletzt war der Anwalt 2013 bei der Pleite des Immobilienkonzerns IVG in Erscheinung getreten, wo er als Sachwalter dem Vorstandschef zur Seite gestellt wurde. Die gleiche Funktion hatte er auch beim Holzverarbeiter Pfleiderer.

Beim Handelskonzern Arcandor war Piepenburg als Sanierer gerufen worden, warf jedoch nach wenigen Wochen das Handtuch. Bei Solarworld trifft Piepenburg auf seinen Kollegen Hans-Gerd Jauch. Der Arcandor-Insolvenzverwalter berät Asbeck seit Jahren bei der Sanierung.

2013 hatte Solarworld angesichts von einer Milliarde Schulden schon einmal vor dem Abgrund gestanden. Damals rettete Asbeck den Konzern, indem er sich mit den Gläubigern auf einen Schuldenverzicht verständigte und frisches Kapital von einem Investor aus Katar holte. Asbeck gehören noch 21 Prozent an Solarworld. Die Anleger haben noch Hoffnung auf Rettung. Die Solarworld-Aktie schloss am Freitag mit 1,39 Euro elf Prozent fester.

Quelle: n-tv.de , jwu/rts/dpa

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