Wirtschaft

Milliardär sorgt für Ärger Peking will Herrn Guo

Von Jan Gänger

Guo Wengui beim Workout.

Guo Wengui beim Workout.

(Foto: Twitter: @KwokMiles)

Guo Wengui ist unter anderem chinesischer Immobilien-Tycoon und Mitglied im bekanntesten Golf-Club des US-Präsidenten. In seiner Heimat wird ihm Korruption vorgeworfen. Jetzt wendet sich Peking an Interpol, um ihn in den USA verhaften zu lassen.

Vor Kurzem hat US-Präsident Donald Trump Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in seinem Golf-Club Mar-a-Lago empfangen. Nun sorgt ein chinesisches Mitglied des exklusiven Resorts für Gesprächsstoff: Guo Wengui. Peking hat ihn bei Interpol auf die Fahndungsliste setzen lassen und will ihn ausgeliefert sehen. Der Vorwurf: Korruption.

Guo ist ein chinesischer Immobilien-Tycoon, der sich vor zwei Jahren in die USA abgesetzt hat. Hintergrund war ein Streit um eine der größten Finanzmaklerfirmen Chinas, der einen veritablen Korruptionsskandal verursachte. Er führte zu mehreren Festnahmen. Guo hatte sich in dem Streit mit Verwandten eines pensionierten ehemaligen Mitglieds der Parteispitze angelegt.

Seitdem er in den USA ist, gibt der 50-Jährige immer wieder Interviews, in denen er Chinas Machtelite mit Korruptionsvorwürfen überzieht. Die "New York Times" geht davon aus, dass zumindest an einigen der Vorwürfe durchaus etwas dran sein könnte.

Der Antrag bei Interpol kam wenige Stunden, bevor der Auslandssender "Voice of America" ein langes Live-Interview mit Guo ausstrahlte. Guo hatte angekündigt, in Sachen Korruptionsvorwürfe gegen Mitglieder der Parteispitze eine "nukleare Bombe" zu zünden. Doch dazu kam es nicht.

"Selbstmord eines korrupten Offiziellen"

Das auf drei Stunden angesetzte Interview wurde nach etwas über einer Stunde abrupt beendet. Über die Gründe gibt es zwei Versionen. Die eine lautet: Die chinesische Regierung habe Druck ausgeübt und das Interview als eine Einmischung in innere Angelegenheiten bezeichnet. Zudem sei angedroht worden, Journalisten des staatlichen Auslandssenders keine Visa mehr zu erteilen.

Die andere Version kommt von "Voice of America": Demnach sollte die Live-Übertragung des Interviews nach einer Stunde enden. Die knackigsten Vorwürfe sollten danach in einem etwa zweistündigen Gespräch aufgezeichnet werden. Vor der Ausstrahlung sollten Reporter diese überprüfen und die Betroffenen Gelegenheit bekommen, Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen. Versehentlich sei das Live-Interview länger als eine Stunde gelaufen. Und als der Fehler bemerkt wurde, habe man es sofort beendet.

Dagegen führt Guo das Ende der Live-Übertragung auf chinesischen Einfluss zurück und schickte eine Warnung in Richtung Volksrepublik: "Das ist der Selbstmord eines durch und durch korrupten Offiziellen, der Angst davor hat, dass ich seine Verbrechen öffentlich mache", twitterte er.

Wie dem auch sei, der Schritt gegen Guo passt in den vom chinesischen Präsidenten postulierten Kampf gegen Korruption. Mittlerweile ist auch der Finanzsektor dran - und damit sind die Interessen von Chinas einflussreichsten Familien berührt. Es kommt zu Verhaftungen, vorübergehend verschwinden Menschen. Kritiker werfen Xi vor, den Kampf gegen Korruption auch zum Kaltstellen von politischen Gegnern zu nutzen.

Vizebürgermeister durch Sex-Tape gestürzt

Und Guo? Er ist eine durchaus schillernde Figur. Auf seinem Twitter-Account zeigt er sich gerne beim Workout - offenbar in seinem mit viel Geld eingerichteten Penthouse an der Fifth Avenue in New York, das er 2015 durch eine Strohfirma für 67,5 Millionen Dollar gekauft hat.

Zwischen solchen Fotos finden sich beispielsweise Angriffe auf die Chefredakteurin des angesehenen Wirtschaftsmagazins "Caixin", Hu Shuli. Das Blatt hatte berichtet, dass Guo und ein in Ungnade gefallener ehemaliger Top-Mitarbeiter des Sicherheitsministeriums, Ma Jian, hinter dem Sex-Tape stecken, das zum Sturz eines Vizebürgermeister Pekings, Liu Zhihua, geführt habe. Hintergrund war ein Streit um ein Immobilienprojekt in Chinas Hauptstadt im Rahmen der Olympischen Spiele 2008. Liu und Ma sind derzeit im Gefängnis.

Guo, der sich auch Kwok Miles nennt, behauptet nun, er sei kein chinesischer Staatsbürger mehr. Dafür besitze er elf andere Staatsbürgerschaften, sagt er. Das ist den Behörden der Volksrepublik egal. Sie werfen ihm vor, er habe Ma mit umgerechnet 8,7 Millionen Dollar bestochen. Dieser wird in chinesischen Medien als Guos politischer Patron bezeichnet. Guo sagt, er habe Ma nicht geschmiert. Außerdem sei er in ständigem Kontakt mit dem FBI und habe deshalb keine Angst verhaftet zu werden.

Doch nicht nur in China, auch in den USA droht Guo mittlerweile Ärger. Ein US-Hedgefonds hat ihn auf 88 Millionen Dollar verklagt. Dabei handelt es sich um Geld, das sich eine Firma von Guo geliehen hatte - plus Zinsen. Guo hatte versprochen für die Schulden geradezustehen und sagt nun, er könne leider nicht zahlen. Denn Peking habe seine Vermögenswerte in China eingefroren.

Davon lässt sich der Fonds nicht beeindrucken. Er scheint es auf das luxuriöse Apartment in New York abgesehen zu haben, um die Schulden einzutreiben. Guo postete vor zwei Tagen auf Twitter ein Foto beim Workout - wohl im besagten Penthouse – und teilt mit, es gehe ihm gut. Einer seiner Anwälte sagt derweil, er wisse nicht, wo sich Guo aufhalte. Er gehe aber davon aus, dass er nicht in den USA sei.

Quelle: n-tv.de


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