Wirtschaft

Kryptowährungen gegen Sanktionen Nordkoreas Hacker knacken Bitcoin-Börsen

Berichten zufolge soll Nordkoreas Militär eine große, gut ausgerüstete Cybertruppe unterhalten, die neben Spionage und Gegenspionage auch in kriminelle Aktivitäten verwickelt ist.

Berichten zufolge soll Nordkoreas Militär eine große, gut ausgerüstete Cybertruppe unterhalten, die neben Spionage und Gegenspionage auch in kriminelle Aktivitäten verwickelt ist.

(Foto: imago/Kyodo News)

Bitcoin ist anonym und jeder staatlichen Aufsicht entzogen. Das macht ihn zur idealen Lösung für Nordkorea, um die Sanktionen zu umgehen. Den inzwischen hohen Preis für die Kryptowährung will das Regime aber nicht zahlen.

Nordkorea versucht angesichts der immer schärferen Wirtschaftssanktionen offenbar, sich eine neue Devisenquelle zu erschließen: Kryptowährungen. Einem Bericht des IT-Sicherheitsdienstleisters FireEye zufolge haben nordkoreanische Hacker bereits mehrfach Börsen für Kryptowährungen etwa in Südkorea angegriffen und offenbar Bitcoin im Wert von mehreren Millionen Dollar erbeutet. Auch eine Hackerattacke auf eine englischsprachige Bitcoin-Nachrichtenseite schreiben die Sicherheitsexperten Nordkorea zu - möglicherweise um IP-Adressen und Informationen über Besucher der Seite als potenzielle Angriffsziele zu sammeln.

Die von FireEye identifizierte Hackergruppe hinter den Diebstählen wurde in der Vergangenheit unter anderem für Angriffe auf Südkoreas Atomindustrie und die japanischen Sony Filmstudios verantwortlich gemacht. Auch in diesen Fällen hatten die Behörden Nordkorea als Drahtzieher beschuldigt.

Dass sich das Regime in Pjöngjang nun für die boomenden Kryptowährungen interessiert überrascht die Experten nicht. Der Wert von Bitcoin hat sich seit Jahrenbeginn mehr als vervierfacht. Die Anonymität und das Fehlen jeglicher staatlicher Aufsicht machen die Währungen zu idealen Werkzeugen für Geldwäsche und das Umgehen internationaler Finanzkontrollen. Zugleich wird es für Nordkorea angesichts der internationalen Sanktionen immer schwieriger, auf legalem Weg Devisen zu beschaffen. Jüngst beschloss etwa der UN-Sicherheitsrat Maßnahmen gegen Nordkoreas Textilindustrie, eine der letzten nennenswerten Exportbranchen des Landes.

"Unserer Ansicht nach sind die Sanktionen definitiv ein Antrieb für diese Art von Aktivitäten", sagte der FireEye-Experte Luke McNamara dem Finanznachrichtendienst Bloomberg über Nordkoreas Bitcoin-Hacks. "Sie sehen es offenbar als eine sehr kostengünstige Lösung, um Devisen ins Land zu bringen." McNamara schließt nicht aus, dass es über die nachgewiesenen Angriffe auf die südkoreanischen Börsen hinaus bereits weitere Bitcoin-Diebstähle gegeben hat. Er rechnet in jedem Fall damit, dass es weitere geben wird. "Je mehr Geld in die Plattformen für Kryptowährungen fließt, und je mehr Leute Bitcoin und Etherum kaufen, desto größere Ziele werden die Börsen für diese Gruppe", sagt McNamara.

Mit den Bitcoinbörsen hat das nordkoreanische Regime ein neues Angriffsziel gefunden. Dass das Land tief in Wirtschaftskriminalität verstrickt ist, ist allerdings bereits seit Jahren bekannt. Unter anderem mit Versicherungsbetrug, Fälschung ausländischer Währungen, Gold- und Waffenschmuggel sollen es Kim Jong Uns Devisenbeschaffer schon probiert haben. Auch bei einigen der spektakulärsten Cyberraubzüge der vergangenen Jahre führen die Spuren nach Nordkorea. So steckten offenbar Hacker des Regimes hinter dem versuchten Diebstahl von einer Milliarde Dollar von der Zentralbank von Bangladesch. 81 Millionen Dollar davon sind bis heute verschwunden. Auch haben Sicherheitsexperten festgestellt, dass Lösegeldzahlungen aus WannaCry-Angriffen auf Hunderttausende Computer weltweit im vergangenen Mai und Juni über mehrere Ecken schließlich nach Nordkorea geflossen sind.

Quelle: n-tv.de , mbo

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