Wirtschaft

Digitalisierung in Deutschland Merkel bestaunt Cebit-Neuheiten

"Mit Japan haben wir einen Freund, der sich dieses hohe Tempo zu Nutzen macht": Angela Merkel und Shinzo Abe (v.l.) in Hannover.

"Mit Japan haben wir einen Freund, der sich dieses hohe Tempo zu Nutzen macht": Angela Merkel und Shinzo Abe (v.l.) in Hannover.

(Foto: REUTERS)

Der digitale Aufbruch könnte das Leben in Deutschland auf allen Ebenen verändern: Auf der Cebit in Hannover führt die Branche der Kanzlerin vor, wie sich Experten die neue Welt von Wirtschaft, Arbeit und Konsum vorstellen.

Mit ihrem traditionellen Rundgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel durch die Messehallen hat in Hannover die Technologiemesse Cebit für Besucher begonnen. Zum Start des Branchentreffens rief die CDU-Politikerin die IT-Unternehmen dazu auf, die vom digitalen Wandel verunsicherten Teile der Bevölkerung nicht zu vernachlässigen.

Es gehe um "Millionen von Menschen, die zum Teil noch nicht wissen, was sie erwartet", sagte Merkel. Sie in das neue Zeitalter der Digitalisierung mitzunehmen werde die Politik nicht allein schaffen, sagte sie an die Adresse der Industrie gerichtet.

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Bei der Masse der Verbraucher und Unternehmen in Deutschland ist die Digitalisierung aber offenbar längst angekommen. Eine große Mehrheit von 86 Prozent sei von ihrer Notwendigkeit überzeugt, ergab eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Sie glaubten, dass Deutschland nur so in wichtigen Branchen seine starke Stellung auf dem Weltmarkt verteidigen könne.

"Digitale Transformation"

Eine Mehrheit von 56 Prozent der Bürger erwartet demnach, dass der Wohlstand in Deutschland durch die Digitalisierung zunehmen werde, zugleich gehen aber 33 Prozent vom Gegenteil aus. Auf der Cebit in Hannover dreht sich in dieser Woche alles um die "digitale Transformation" in Unternehmen und die Chancen, die sie für den Standort Deutschland eröffnet.

Als Hemmschuh für den digitalen Wandel könnte sich die Lage am Arbeitsmarkt erweisen. Der Mangel an IT-Fachkräften in Deutschland hat sich nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) zuletzt weiter zugespitzt. "Im vergangenen Jahr beklagte nur etwa jeder fünfte Befragte, dass IT-Fachkräfte für große Unternehmen schlecht oder sehr schlecht verfügbar sind - nun sieht es schon fast jeder Dritte so", sagte der zuständige VDI-Manager Dieter Westerkamp in Hannover.

Bei einer neuen Studie zum Thema Digitalisierung stellte sich dabei heraus, dass das Problem anders als früher neben kleinen und mittleren nun auch große Unternehmen betrifft. Nach Berechnungen des VDI gab es im vergangenen Jahr in Deutschland insgesamt 28.800 unbesetzte Stellen für Informatiker. Viele Experten rechnen demnach mit einer Verschärfung dieses Engpasses. Damit drohe sich der Trend zu verstetigen, dass IT-Dienstleistungen in Standorte im Ausland verlagert oder aus dem Unternehmen herausgelöst werden.

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Die größte Herausforderung beim digitalen Wandel besteht zudem für viele Betriebe nicht so sehr in der technologischen Beherrschbarkeit der Prozesse, sondern der Entwicklung und Umsetzung geeigneter neuer Geschäftsmodelle. International habe Deutschland dabei einen deutlichen Nachholbedarf, warnte der VDI. "Wir müssen viel mehr in digitalen Geschäftsmodellen denken", forderte Westerkamp.

Japan setzt auf Zusammenarbeit

"Die Digitalisierung beeinflusst unsere Wirtschaft so stark wie kaum etwas anderes", heißt es in Merkels Grußwort zur diesjährigen Cebit. "Die Analyse riesiger Datenmengen ermöglicht neue Geschäftsmodelle und Produkte, die auf Kundenwünsche genau zugeschnitten sind." Die Digitalisierung sei eine Tür in eine andere Welt des Wirtschaftens, Arbeitens und Konsumierens.

Die Kanzlerin hatte die Messe am Vorabend zusammen mit dem Premierminister des diesjährigen Cebit-Partnerlandes Japan, Shinzo Abe, offiziell eröffnet. Im Konferenz-Programm zu Wochenbeginn wird unter anderem EU-Kommissar Andrus Ansip zu einem Gespräch erwartet.

Japans Premier Abe betonte zum Messeauftakt die Bedeutung, die der Handelspartner in Asien der digitale Wandel beimisst. "Kooperation und Zusammenarbeit schaffen neue Werte, und das ist eine neue Ära", sagte der japanische Regierungschef.

Deutschlands Freund in Asien

Europa sei allzu oft langsam bei der Digitalisierung, räumte Merkel ein. "28 Mitgliedstaaten müssen sich natürlich einbringen", erklärte sie. "Aber wir spüren, dass auf der Welt das Tempo hoch ist und mit Japan haben wir einen Freund, der sich dieses hohe Tempo zu Nutzen macht.

Die bis zum 24. März dauernde IT-Leistungsschau will in diesem Jahr besonders den digitalen Wandel mit konkreten Beispielen anfassbar und erlebbar machen. Die einstige Publikumsmesse wurde zuletzt auf das Fachpublikum ausgerichtet. Sie will in diesem Jahr neue Technologien wie Roboter, künstliche Intelligenz oder Drohnen in konkreten Anwendungsbeispielen präsentieren. Zu der fünftägigen Veranstaltung mit über 3000 Ausstellern aus 70 Ländern werden in diesem Jahr rund 200.000 Besucher erwartet.

Quelle: n-tv.de , mmo/dpa

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