Wirtschaft

Der nächste Seitwärtsschritt EZB steigt in die Exit-Überlegungen ein

Dynamischer Draghi - nur durch das Auge des Fotografen.

Dynamischer Draghi - nur durch das Auge des Fotografen.

(Foto: REUTERS)

Beinahe übervorsichtig bereitet die EZB die Märkte auf ein Ende der Anleihenkäufe vor. Die aber fordern den Schritt längst. Doch die Währungshüter präsentieren zugleich ein neues Hintertürchen - für eine Ausweitung der Käufe.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will in den kommenden Wochen über einen möglichen Kurswechsel ihrer Geldpolitik entscheiden. "Wahrscheinlich wird der Großteil der Entscheidungen im Oktober getroffen", sagte EZB-Präsident Mario Draghi. Zuvor hatte die Zentralbank ihre Nullzinspolitik bestätigt und angekündigt, an ihrem Anleihekaufprogramm festzuhalten. Korrekturbedarf sahen die Währungshüter indes bei ihren Wachstums- und Inflationsprognosen.

So rechnet die EZB für das laufende Jahr mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,2 Prozent in diesem Jahr und sind damit optimistischer als bislang. Die Prognose für 2018 und 2019 wurden mit 1,8 und 1,7 Prozent bestätigt. Nach unten korrigierten die Währungshüter dagegen ihre Infaltionsprognosen. Für das kommende Jahr prognostizierte die EZB eine Teuerung von 1,2 Prozent sowie 1,5 Prozent im Jahr darauf. In beiden Fällen senkte sie ihre Erwartungen jeweils 0,1 Punkte.

Einer der Gründe für die Revision der Inflationserwartungen ist der teurere Euro. Der EZB-Rat betrachtet die rasche Aufwertung der Gemeinschaftswährung als ein Risiko für das Erreichen des mittelfristigen Inflationsziels. Die "erhöhte Volatilität des Euro" habe die Unsicherheit verstärkt und müsse beobachtet werden. "Der Wechselkurs ist kein Politikziel der EZB, aber er ist sehr wichtig für Wachstum und Inflation", sagte Draghi.

"Debatte in frühem Stadium"

Mit Blick auf das Kaufprogramm sagte der EZB-Chef weiter, dass die Währungshüter auf der jüngsten Ratssitzung bereits über die Dauer der Käufe und den monatlichen Umfang gesprochen hätten. Dabei sei es um das Für und Wider verschiedener Szenarien gegangen. Die Debatte sei noch in einem sehr frühen Stadium.

Bis mindestens Ende Dezember 2017 sollen weiter monatlich 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen fließen. Das gigantische Kaufprogramm läuft seit März 2015, bisher veranschlagtes Volumen: 2,28 Billionen Euro. Entgegen der Erwartung von Volkswirten ließ die EZB sogar weiter die Möglichkeit offen, das Volumen auszuweiten.

Ökonomen sehen EZB in der Klemme

Für Jochen Möbert von der Deutschen Bank steckt die EZB "ein bisschen in der Zwickmühle, weil sie das Programm zurückfahren will und den Euro-Kurs im Blick hat. Wahrscheinlich wird die Feinabstimmung zwischen Oktober und Dezember erfolgen und die Verlängerung des Programms womöglich länger als gedacht ausfallen, wenn der Euro nochmal steigen sollte."

Von einer Enttäuschung der Sitzung sprach Friedrich Heinemann vom ZEW. So habe es sogar noch den Hinweis auf eine mögliche Ausweitung des Kaufprogramms gegeben. "Die Euro-Aufwertung ist jedoch kein gültiges Argument gegen ein Ende der Anleihenkäufe im kommenden Jahr." Ähnlich äußerte sich der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft. "Die EZB arbeitet immer noch im Krisenmodus. Eine Krise liegt aber schon länger nicht mehr vor."

Von einem Seitwärtsschritt sprach derweil Michael Kemmer vom Bankenverband. Zugleich riet er der EZB die jüngste Wechselkursentwicklung nicht überzubewerten. "Der Euro war zuvor deutlich unterbewertet. So gesehen passt die Euro-Entwicklung zu einem allmählichen Normalisierungsprozess, dem sich auch die europäische Notenbank mit ihrer Geldpolitik in den kommenden Monaten anschließen sollte." Der Exit aus dem Kaufprogramm bleibe ein Geduldsspiel, konstatierte Jörg Zeuner von der KfW-Bankengruppe.

Quelle: n-tv.de , jwu/AFP/dpa/rts/DJ

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