Wirtschaft

Mehr Gewinn, weniger Risiko Deutsche Bank verdient überraschend gut

"Sind überzeugt, dass die Früchte unserer Arbeit (...) sichtbarer werden": Deutsche-Bank-Chef John Cryan.

"Sind überzeugt, dass die Früchte unserer Arbeit (...) sichtbarer werden": Deutsche-Bank-Chef John Cryan.

(Foto: AP)

Das dritte Quartal kann sich sehen lassen: Die Eckdaten der Deutschen Bank liegen teils deutlich über den Erwartungen. Chef Cryan spricht von den "Früchten unserer Arbeit". Bis kommenden Sommer soll Deutschlands neue Nummer fünf entstehen.

Die Deutsche Bank hat im Sommer trotz erwartungsgemäß rückläufiger Erträge vor allem im Investmentbanking und eines mauen Handelsgeschäfts insgesamt deutlich mehr verdient als vor Jahresfrist.

Wie das größte deutsche Finanzinstitut am Morgen mitteilte, stieg das Vorsteuerergebnis im dritten Quartal im Jahresvergleich um 51 Prozent auf 933 Millionen Euro. Damit übertraf die Bank die Erwartungen am Markt deutlich. Im Vorfeld befragte Analysten hatten im Schnitt mit 586 Millionen Euro gerechnet. Unter dem Strich stand ein Nettoergebnis von 649 Millionen Euro - mehr als doppelt so viel wie im dritten Quartal des Vorjahres. Die Prognosen hatten hier im Schnitt bei 281 Millionen Euro gelegen.

Vorstandschef John Cryan zeigte sich zufrieden: "Wir sind überzeugt, dass die Früchte unserer Arbeit in den kommenden Quartalen und Jahren Schritt für Schritt sichtbarer werden", sagte der Brite. Die Frankfurter Großbank profitierte unter anderem von niedrigeren Kosten und einer reduzierten Risikovorsorge.

Das Ergebnis nach Steuern und Dritten stieg im Zeitraum von Juli bis September von 256 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf aktuell 647 Millionen Euro. Analysten hatten hier mit einem unveränderten Ergebnis gerechnet. Die Risikovorsorge ging im gleichen Zeitraum um 44 Prozent auf 184 Millionen Euro zurück. Gleichzeitig sanken die Erträge von 7,5 Milliarden Euro auf 6,78 Milliarden Euro. Im Vorfeld befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang in dieser Größenordnung gerechnet.

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Ein Grund für die schwächere Ertragslage waren die deutlich gesunkenen Einnahmen im Handelsgeschäft, insbesondere mit festverzinslichen Produkten. Das hatte sich bereits angedeutet, nachdem die großen US-Banken deutlich rückläufige Handelseinnahmen gemeldet hatten.

Deutschlands neue Nummer fünf

Bei der Re-Integration der Postbank in den Konzern sieht die Deutsche Bank das Ziel dagegen bereits in greifbarer Nähe. Es sei geplant, das Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank und die Postbank bis spätestens Ende des zweiten Quartals, also Mitte kommenden Jahres, rechtlich zu verschmelzen, teilte die Deutsche Bank mit. Durch den Zusammenschluss entsteht die für sich genommen fünftgrößte deutsche Bank - mit mehr als 20 Millionen Kunden.

Durch die Integration will Deutsche-Bank-Chef Cryan ab 2022 jährliche Synergien im Umfang von rund 900 Millionen Euro freisetzen. Um dieses Ziel zu erreichen werden zusätzlich zum bisherigen Abbau weitere Jobs wegfallen und noch mehr Filialen dichtgemacht - wie viele verriet die Bank noch nicht.

Kündigungsschutz bis 2021

Klar ist aber schon jetzt, dass betriebsbedingte Kündigungen für vier Jahre, bis 2021, ausgeschlossen sein werden. Das sieht eine Vereinbarung mit den Gewerkschaften vor. Derzeit arbeiten bei der Postbank 17.000 Menschen und in der Privat- und Firmenkundensparte der Deutschen Bank 13.000 Mitarbeiter.

Die Deutsche Bank hatte Anfang des Jahres beschlossen, die Postbank, die fast zwei Jahre zum Verkauf stand, keinen Käufer fand und mit viel Aufwand und Geld vom Mutterhaus entflochten worden war, doch wieder komplett im Konzern aufgehen zu lassen.

Cryan will dadurch eine unangefochtene Stellung auf dem deutschen Heimatmarkt erreichen. Der Schritt ist ein wichtiger Pfeiler der im März verkündeten neuen Strategie der Bank, zu der auch der Umbau der Investmentbank und der Teilbörsengang der Vermögensverwaltung gehören.

Quelle: n-tv.de , mmo/DJ/rts

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