Wirtschaft

Start-up sammelt Millionen ein 400-Dollar-Saftpresse ist komplett nutzlos

Screenshot von der Juicero-Webseite.

Screenshot von der Juicero-Webseite.

(Foto: Juicero)

Für Spott sorgt derzeit die Neuentwicklung eines kalifornischen Start-ups: Ein Küchengerät mit Internetanschluss, welches das Saftpressen auf ein neues Level heben soll. Nach dem Verkaufsstart wird jedoch klar: Die Maschine braucht kein Mensch.

Das Mastermind hinter der Saftpresse Juicero sieht sich als so etwas wie der Steve Jobs der Saft-Branche: Drei Jahre hat Unternehmer Doug Evans aus den USA an einer Maschine gearbeitet, die das Saftpressen auf eine neue Stufe heben soll: mithilfe von Mikroprozessor, Scanner und W-Lan-Anschluss. Das im Apple-Look designte High-Tech-Küchengerät verwandelt in Plastikbeuteln verpacktes und gehacktes Obst in ein frisches und gesundes Getränk.

Mit diesem Konzept sammelte Evans in Kalifornien angesiedelte Firma Juicero 120 Millionen Dollar an Investorengeldern ein - unter anderem von der Risikokapitalfirma des Internetriesen Google sowie dem renommierten Silicon-Valley-Investor Kleiner Perkins Caufield & Byer. Die Maschine wurde schließlich zu einem Preis von zunächst 699 Dollar auf den Markt gebracht, der allerdings Anfang dieses Jahres auf 399 Dollar gesenkt wurde. Hinzu kommen für die Kunden die Kosten für die lieferbaren Frucht-Beutel: fünf bis acht Dollar das Stück.

Doch schon bald nach der Markteinführung wurden einige Geldgeber stutzig, wie das Finanzportal "Bloomberg" berichtete: Zwei von ihnen erfuhren von Kunden, welche die Beutel einfach mit der Hand auspressten und fast die identische Menge Saft erhielten. "Bloomberg"-Journalisten gingen der Sache nach und ließen die Maschine gegen einen Menschen antreten. Wie ein Video des Tests belegt: die Menge des herausgepressten Saftes unterscheidet sich nur unerheblich. Allerdings soll der Mensch schneller gewesen sein als der Juicero.

Juicero verteidigt Maschine

Das Unternehmen reagierte wenig später auf den Test und verteidigte den Juicero: Die Mission des Unternehmens sei es, es dramatisch einfacher zu machen, frisches Obst und Gemüse zu konsumieren, schrieb Juicero-Chef Jeff Dunn auf dem Portal "Medium". Und dies sei "eine harte Nuss". Dunn hatte Juicero-Gründer Evans im vergangenen Herbst an der Spitze des Unternehmens abgelöst.

Zudem verwies Dunn auf die Vorzüge des Internetanschlusses, welcher den Juicero so besonders mache. Dank diesem sei es der Firma möglich, Frucht-Beutel, die etwa von einem Rückruf betroffen seien, aus der Ferne zu identifizieren und zu blockieren. "Auf diese Wiese können wir unsere Kunden in Echtzeit schützen." Zudem ermögliche die Datenverbindung, dass Kunden zum richtigen Zeitpunkt mit Nachschub versorgt werden könnten - schließlich handele es sich bei den Frucht-Beuteln um ein verderbliche Produkte.

Das Portal "Vox" kritisiert jedoch, dass Dunn in seinem Beitrag die wichtigste Frage nicht beantwortet habe: Warum Juicero nicht einfach die Saftbeutel woanders auspresse und den fertig gepressten Saft an die Kunden ausliefere?

Trotz der Häme über das nutzlose Gerät gibt es weiterhin Unterstützer des Juicero: "Es ist unbestritten, dass man die Beutel auch ohne die Maschine auspressen kann. Trotzdem bin ich weiterhin ein großer Fan", sagt etwa Investor Doug Chertok, Gründer des Kapitalgebers Vast Ventures. Er sieht in dem Unternehmen eine Plattform für den Aufbau einer neuen Art von Lieferservices für frische Lebensmitteln. Zudem merkt "Vox"-Autor Timothy B. Lee nicht zu Unrecht an, dass es in der Vergangenheit bereits einige Start-ups gab, die zunächst als nutzlos kritisiert und später dennoch große kommerzielle Erfolge wurden: darunter auch Facebook und Airbnb.

Quelle: n-tv.de

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