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Schön und anspruchsvoll "The Last Guardian" - ein wundervolles Spiel

Von Klaus Wedekind

"The Last Guardian" spielt in einer fantastischen Ruinen-Landschaft.

"The Last Guardian" spielt in einer fantastischen Ruinen-Landschaft.

(Foto: Sony Interactice Entertainment)

Viele Jahre nach der ersten Ankündigungen erscheint am 7. Dezember endlich "The Last Guardian" für die Playstation 4. n-tv.de hat es bereits spielen dürfen und ist ziemlich begeistert.

Als Sony "The Last Guardian" bei der Messe E3 im vergangenen Jahr in Los Angeles ankündigte, hatte das Spiel schon eine lange Geschichte hinter sich, von der viele glaubten, dass sie kein Happy End mehr finden würde. 2009 wurde der inoffizielle Nachfolger der erfolgreichen Playstation-2-Titel "Ico" und "Shadow of the Colossus" erneut unter Regie des japanischen Meister-Entwicklers Fumito Ueda ins Rennen geschickt, doch aus der geplanten Veröffentlichung 2011 wurde nichts. Oft verschwinden solche Projekte still und heimlich in der Versenkung, doch "The Last Guardian" ereilte dieses Schicksal nicht. Am 7. Dezember kommt es jetzt nach sieben Jahren doch noch auf den Markt. n-tv.de durfte es vorab spielen.

Spiel für Herz und Verstand

"The Last Guardian" ist kein typischer Blockbuster, der wie großes Hollywood-Action-Kino daherkommt. Es ist ein typisch japanisches Spiel, das kunstvoll Herz und Verstand des Spielers anspricht. Die Grafik hat einen ganz eigenen Stil, der an Gemälde aus der Heimat der Entwickler erinnert und das Spiel ist über weite Strecken hinweg selbst ein Kunstwerk. Typisch ist auch, dass "The Last Guardian" fast komplett ohne Worte auskommt, nur ab und zu erzählt der Protagonist als alter Mann im Rückblick über seine Erlebnisse. Und um die Handlung zu erklären, sind auch nur wenige Worte nötig:

"Trico" und der Junge fassen Vertrauen zueinander.

"Trico" und der Junge fassen Vertrauen zueinander.

(Foto: Sony Interactice Entertainment)

Ein Junge wacht am ganzen Körper mit seltsamen Zeichen tätowiert neben einer riesigen, gefiederten  Kreatur auf, die wie eine Mischung aus Greif und Raubkatze aussieht. Als er den ersten Schreck überwunden hat, zieht er dem Tier Speere aus dem Körper und befreit es von seinen Fesseln. Nachdem er dem "Trico" genannten Geschöpf auch noch etwas zu Essen besorgt, fasst es Vertrauen zu dem Jungen und die beiden gehen gemeinsam auf die Flucht. Die beiden suchen sich durch eine phantastische Ruinen-Stadt ihren Weg, der über schwindelerregend hohe Türme offenbar immer nach oben aus einer gigantischen Vertiefung heraus führt. Dabei stellen sich ihnen seltsame Stein-Krieger in den Weg und "Trico" wird immer wieder durch Glas-Objekte aufgehalten, die an überdimensionale Traumfänger erinnern.

Kein dröger KI-Partner

Um alle Hindernisse und Gegner zu überwinden, müssen der Junge und das Fabelwesen einander vertrauen und zusammenarbeiten. Die Koordination übernimmt der Spieler in Form des kleinen Jungen, der dem Tier durch Zeichen Anweisungen geben kann. "Trico" verhält sich dabei aber nicht wie so manche dröge KI, sondern störrisch und misstrauisch wie man es von einem Tier erwarten darf. Ähnlich gekonnt haben die Entwickler seine Bewegungen umgesetzt. Und während das Abenteuer fortschreitet, wachsen nicht nur die beiden Protagonisten näher zusammen, auch der Spieler schließt die beiden immer tiefer ins Herz. Was Stimmung und Poesie betrifft, ist "The Last Guardian" überragend.

Die Ruinen sind ziemlich morsch.

Die Ruinen sind ziemlich morsch.

(Foto: Sony Interactice Entertainment)

Die Rätsel, die der Spieler lösen muss, um die beiden aus ihrer Gefangenschaft zu befreien, haben es ebenfalls in sich. Neben aller Schönheit ist "The Last Guardian" auch eine Herausforderung an den Verstand. Manchmal möchte man laut jubeln, wenn sich endlich ein Tor hebt, ein Schild fällt oder "Trico" mit dem Jungen auf dem Rücken zum befreienden Sprung ansetzt.

Großes Abenteuer mit wenigen Problemchen

Etwas störend sind anfangs die etwas störrische Steuerung und die eigenwillige Kamera. Aber man gewöhnt sich daran und wenn etwas schiefgeht, sind die Speicherpunkte mehr als fair gesetzt. Nerviger ist eigentlich, dass immer Controller-Grafiken eingeblendet werden. Sie zeigen, wie man Bewegungen ausführt, obwohl nur wenige Optionen zu merken sind. Ein Update wäre hier willkommen, das es ermöglicht, ohne Einblendungen zu spielen.

Alles in allem ist "The Last Guardian" aber ein wundervolles Spiel, das fast alle hohen Erwartungen erfüllt. Wer mal wieder ein großes, bildgewaltiges  Abenteuer ohne Geballer, aber mit viel Gefühl erleben möchte, liegt hier goldrichtig.

Quelle: n-tv.de

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