Technik

In-Ear, Bluetooth, ANC? So findet man den passenden Kopfhörer

Richtiges Hörvergnügen gibt's nur mit dem passenden Kopfhörer.

Richtiges Hörvergnügen gibt's nur mit dem passenden Kopfhörer.

(Foto: imago/allOver)

Bequem sollen sie sein, leicht und gut zu transportieren, und vor allem sollen sie gut klingen. Doch das ist noch nicht alles - um den richtigen Kopfhörer für sich zu finden, muss man mehr wissen. Diese Tipps helfen bei der Suche.

Am Anfang der Suche nach einem passenden Kopfhörer stehen entscheidende Fragen: Mit Kabel oder ohne? In-Ear, On-Ear oder Over-Ear? Noise Cancelling? Die Auswahl an Kopfhörern ist riesig. Und das ist auch gut so, denn Musikvorlieben und Einsatzszenarien sind oft grundverschieden. Wer weiß, worauf er achten muss und welche Vor- und Nachteile es gibt, wird aber sicher sein Modell finden.

Im Ohr, ...

Bei der Bauform gibt es traditionell drei Varianten. In-Ear-Kopfhörer stecken direkt im Ohr. Die Membran sitzt deshalb deutlich näher am Trommelfell und ist kleiner als bei anderen Modellen. Besonders wichtig ist bei In-Ears eine perfekte Passform, denn der Kopfhörer darf zum Beispiel beim Laufen nicht herausfallen. Hilfreich sind hier die Gummi-Aufsätze in verschiedenen Größen - welche passt, sollte man sorgfältig ausprobieren.

Die meisten liefern nur guten Klang, wenn sie richtig im Ohr sitzen, gerade Bässe klingen sonst oft dünn oder sind gar nicht zu hören. "Gute Modelle dichten den Gehörgang komplett ab und lassen keinen Schall nach draußen", erklärt Peter Knaak von der Stiftung Warentest. In-Ear-Kopfhörer sind leicht, praktisch für unterwegs oder beim Sport und deshalb weit verbreitet.

... auf dem Ohr, ...

Die größeren On-Ear-Kopfhörer liegen dagegen mit dem Polster auf dem Ohr auf, ermöglichen aber noch einen Wärmeaustausch. "Dadurch wird es am Ohr nicht zu warm und beim Hören eventuell angenehmer", so Knaak. Vor allem bei längerem Hören und hohen Temperaturen können On-Ear-Modelle von Vorteil sein. Außerdem sind sie beim Transport platzsparender. 

Aufgrund der größeren Membran haben On-Ear-Kopfhörer tendenziell ein anderes Klangbild. "Je größer die Membran, desto größer der Raumklang", erklärt Ralf Wilke vom Online-Magazin "Kopfhoerer.de". Ob am Ohr Leder-, Kunstleder- oder Textilpolster angenehmer ist, sollte jeder Hörer vorher selbst testen. On-Ears sind meist klappbar und deshalb auch hinreichend praktisch für unterwegs.

... ums Ohr herum

Over-Ear-Kopfhörer umschließen das Ohr komplett und bieten dadurch eine natürliche, passive Dämmung: Außengeräusche werden allein durch die Bauform schon etwas abgeschirmt. Der Klang ist zudem räumlicher und nicht so unmittelbar im Ohr wie bei In-Ears, was unter Umständen angenehmer sein kann. Im Idealfall umschließen sie die Ohren komplett, bei manchen Trägern drücken die Ohrpolster an den Rändern die Ohren platt - hier gilt deshalb: Anprobe empfohlen! Für unterwegs gilt: Einen On-Ear-Kopfhörer steckt man nicht mal eben in die Jackentasche, dafür sind die meisten Modelle zu sperrig.

In der Bauweise der Over-Ear-, aber auch der On-Ear-Kopfhörer gibt es noch weitere Unterscheidungen: Akustisch offen konstruierte Modelle klingen am natürlichsten. "Je mehr Luft durch den Kopfhörer kommt, desto besser ist der Klang", erklärt Knaak. Dafür schirmen sie weniger Außengeräusche ab und lassen auch Musik nach Außen durch. Der Gegenentwurf sind akustisch geschlossene Kopfhörer, die etwa in Studios verwendet werden. Als Mischform gibt es inzwischen oft auch akustisch halboffene Kopfhörer.

Bluetooth, Noise Cancelling, wasserdicht?

Über alle Bauformen hinweg wird die aktive Geräuschreduktion (Active Noise Cancelling, ANC oder einfach NC) immer beliebter, bei der mittels Gegenschall gleichmäßige Geräusche in der Umgebung verschwinden. "Mit einer elektronischen Schaltung kann der Ton bearbeitet und Außengeräusche können komplett ausgeblendet werden", erklärt Ralf Wilke. Der große Vorteil kann aber auch ein Nachteil sein: Man nimmt seine Umgebung kaum noch wahr. Im Straßenverkehr sollte man deshalb auf ANC verzichten.

Ein Trend, der ebenfalls bei allen Bauformen zu beobachten ist, sind kabellose Modelle mit Bluetooth. Das braucht allerdings Platz und kann den Nachteil haben, dass die Verbindung nicht immer stabil ist. Bluetooth-In-Ears haben oft einen kleinen Kasten am Kabel, in dem die Technik steckt, oder die Stöpsel selbst sind etwas größer. Es gibt auch komplett kabellose Modelle - hier werden nur noch zwei Stecker in die Ohren gesetzt, geladen werden sie in einer separaten Ladeschale. Kleiner Nachteil: Bluetooth-Kopfhörer brauchen natürlich Strom, genau wie Geräte mit ANC. Nutzer müssen also dafür sorgen, dass der Akku voll ist.

Nicht nur für Wassersportler beim Schwimmen oder Tauchen interessant sein können wasserfeste Kopfhörer. Dieses Feature wird künftig bei Kopfhörern immer wichtiger, prognostiziert Timm Lutter, Bereichsleiter für Verbraucherelektronik beim IT-Branchenverband Bitkom. Und: "Kabellose Kopfhörer und Noise Cancelling werden Standard", erwartet Lutter. Zudem sagt der Experte voraus, dass die Modelle noch kleiner und intelligenter werden - etwa durch personalisierte Geräuschunterdrückung oder integrierte Sensoren.

Wie ist der Sound?

Wie Kopfhörer klingen, können die Hersteller unter anderem über die Auswahl der Schallwandler und die Gestaltung der Hörkammern beeinflussen. Idealtypisch sollte ein Kopfhörer den Klang über alle Frequenzen hinweg gleich gut und ausgewogen abbilden, um das Gesamtbild beim Hören nicht zu verzerren. Experten sprechen dann oft von einem neutralen Klangbild. Es gibt auf dem Markt aber auch zahlreiche bassbetonte Kopfhörer, die tiefe Frequenzen hervorheben. Hier lohnt sich oft eine kurze Internet-Recherche nach Testberichten in Fachmagazinen.

Aber: Nichts ersetzt den persönlichen Eindruck. Falls möglich, lohnt es sich immer, einen Kopfhörer vor dem Kauf anzuprobieren und probezuhören. "Denn Kopfhörer sind unglaublich individuell", betont Peter Knaak. Das gelte sowohl für die Passform als auch für den Klang. Der Warentester rät deshalb dazu, Kopfhörer im Laden mindestens 30 Minuten zu testen. Ganz wichtig dabei: die eigene, bekannte Musik mitzubringen. "Die Vorführ-CDs im Laden klingen selbst mit einem Kofferradio toll", erklärt Knaak den Hintergrund.

Quelle: n-tv.de , jwa/dpa

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