Technik

Groß, scharf, schick Honor 8 Pro macht auf iPhone 7 Plus

Von Johannes Wallat

Edles kühles Blau: Das Honor 8 Pro sieht sehr schick aus.

Edles kühles Blau: Das Honor 8 Pro sieht sehr schick aus.

(Foto: jwa)

Das Honor 8 Pro ist ein großes und schickes Smartphone. Es macht dem großen iPhone Konkurrenz, ist viel billiger und zeigt im Test seine Stärke. Hat es auch Macken?

Huawei und seine Tochter Honor haben es in relativ kurzer Zeit geschafft, sich vom Billig-Image zu befreien und mit guten und günstigen Smartphones zu zeigen, dass Premium nicht superteuer sein muss. Das Honor 8 Pro ist ein weiteres Beispiel dafür: Das Metallgehäuse ist sehr schlank und fasst sich toll an, das Display ist groß, hell und fast randlos, die Dual-Kamera ist flach ins Gehäuse eingefasst - und der Preis ist niedriger als bei der Konkurrenz. 

Optisch nah am iPhone

Ist das Honor 8 Pro damit ein Super-Smartphone? Das hängt vor allem davon ab, was man erwartet. Zuerst einmal ist es sehr groß: Das Display misst 5,7 Zoll, das ist schon weit in der Phablet-Kategorie, wo die Grenzen zwischen Handy und Tablet verschwimmen. Dass es trotzdem noch bedienbar bleibt, liegt an der guten Ausnutzung des vorhandenen Platzes.

Optisch ähnelt es mit den Kunststoffstreifen oben und unten und dem an den Seiten leicht gerundeten Metallgehäuse dem iPhone 7 Plus. Dass die Flanken abgeflacht sind, fällt kaum auf. Dort, wo beim iPhone der Apfel sitzt, ist beim Honor 8 Plus aber der Finger-Scanner, der wie immer bei Huawei und Honor sehr schnell und zuverlässig arbeitet.

Mit VR-Brille

Technisch gesehen ist das Honor 8 Plus eine Mischung aus den letzten Modellen aus eigenem Hause. Das Display ist aber schärfer als bei den Vorgängern: Erstmals setzt Honor auf eine superscharfe 2K-Auflösung mit 1440 x 2560 Pixeln. Die hohe Pixeldichte von 515 ppi braucht das 8 Plus aber auch, denn im Karton gibt es noch eine kleine Überraschung: eine VR-Brille zum Selberbasteln - die aber kaum mehr als ein nettes Gimmick ist.

Das Honor 8 Pro (links) neben dem Huawei P10.

Das Honor 8 Pro (links) neben dem Huawei P10.

(Foto: jwa)

Wer sein Handy schon einmal in eine VR-Brille gesteckt hat, weiß, dass die Auflösung nicht hoch genug sein kann, denn durch die Linsen der Brille blickt man wie durch eine Lupe aufs Display. Eine vorinstallierte VR-App gibt es ebenfalls, Jaunt VR ist beim Honor 8 Plus das Tor in die Virtuelle Realität. Mit Googles VR-Plattform Daydream ist das Smartphone aber nicht kompatibel.

Starke Hardware, clevere Software

Im Honor 8 Plus steckt bekannte Hardware, die die Chinesen schon zuvor verwendet haben: Der starke Kirin-960-Prozessor taktet auch im Mate 9 und im P10. Reichlich Arbeitsspeicher ist auch an Bord, satte 6 Gigabyte RAM hat das Phablet zur Verfügung. Das sind High-End-Werte. In Benchmark-Tests schneidet das Gerät zwar nicht ganz so gut ab wie die Konkurrenten von Apple, Samsung und Co., vor allem bei grafikintensiven Anwendungen. Das ist aber kein Problem, denn die theoretisch schwächere Leistung fällt in der Praxis nicht auf.

Technische Daten
  • System: Android 7, EMUI 5.1
  • Display: 5,7 Zoll, LCD, 1440 x 2560 Pixel (515 ppi)
  • Prozessor: Kirin 960, max. 2,4 GHz
  • Arbeitsspeicher: 6 GB
  • Interner Speicher: 64 GB + microSD
  • Kamera: 12 MP Dual-Kamera
  • Frontkamera: 8 MP
  • Akku: 4000 mAh
  • Fingerabdruck-Scanner
  • Infrarot-Blaster
  • LTE, WLAN ac, Bluetooth 4.2
  • USB-C
  • Maße: 157 x 77,5 x 6,97 mm
  • Gewicht: 184 g

Unter der Haube hat Huawei ein paar Anpassungen vorgenommen, die die Leistung verbessern sollen. Der intelligente Arbeitsspeicher "Ultra Memory" konnte im Test seine Überlegenheit noch nicht beweisen, aber die "Ultra Response" zur Verbesserung der Touch-Eingabe war spürbar - im direkten Vergleich wirkte das Huawei P10 fast schon träge.

Clever gelöst hat Huawei einige typische Nutzungsprobleme im Alltag: Durch seitliches Wischen über die Navigationstasten wird der Bildschirm für die Einhandbedienung verkleinert und der Fingerabdruck-Scanner kann auch als Auslöser für Selfies, zum Herunterziehen der Benachrichtigungsleiste oder zum Blättern durch die Galerie genutzt werden.

Das Honor 8 Pro wird per USB-C geladen.

Das Honor 8 Pro wird per USB-C geladen.

(Foto: jwa)

Nützlich ist auch der Huawei-Dienst Phone Clone, mit dem man recht stressfrei den Inhalt seines alten Smartphones auf das neue Gerät übertragen kann. Apropos Klon: Apps wie Whatsapp und Facebook können in doppelter Ausführung genutzt werden, das ist zum Beispiel nützlich, wenn man zwei SIM-Karten benutzt.

Dual-Kamera ohne Leica

Hobby-Fotografen können beim Honor 8 Plus die Doppel-Linse nutzen, die schon von anderen Huawei-Modellen bekannt ist. Das Leica-Branding fehlt hier zwar, doch die Sensoren sind laut "Androidpit" die gleichen wie im Huawei P9. Ein Schwarzweiß-Sensor sorgt für Helligkeitsinformationen, ein weiterer Sensor liefert das Farbbild. Heraus kommen Bilder mit mehr Kontrast und höherer Schärfe. Nur die App ist etwas anders aufgebaut als beim P10 - der Profi-Modus ist zum Beispiel nicht direkt per Aufwärtswisch aus dem Sucherbild erreichbar.

Video

Extra-Effekte wie die "große Blende" bietet die Kamera ebenfalls. Der Unschärfe-Effekt wird aber von der Software berechnet und zeigt sich in der Praxis anfällig für Fehler und Ungenauigkeiten - man sollte ihn also vorsichtig einsetzen und bei jedem Motiv prüfen, ob er geeignet ist und das Ergebnis gut gelingt. Immerhin: Man kann auch im Nachhinein die virtuelle Blende wieder schließen, um Ungenauigkeiten zu kaschieren.

Die Fotos von Front- und Rückkamera sind ansehnlich, bei wenig natürlichem Licht oder im Kunstlicht nimmt das Bildrauschen aber deutlich zu. Schuld sind hier die relativ kleinen Sensoren und die im Vergleich zu anderen Spitzen-Smartphones kleineren Bildpunkte, die weniger Licht aufnehmen können. Passend zur hohen Displayschärfe filmt das Honor 8 Pro auch Videos in scharfer 4K-Auflösung. Die werden mit dem h.265-Codec gespeichert, der für eine bessere Kompression bei höherer Bildqualität sorgt.

Dicker Akku

Die Akkuleistung war bei Honor schon immer ein wichtiger Punkt: Das Unternehmen ging an den Start mit dem Ziel, ein junges Publikum zu bedienen, das Handys intensiv als Lifestyle-Gadget nutzt und daher einen dicken Akku braucht. Die Kapazität des Honor-8-Pro-Akkus ist mit 4000 Milliamperestunden recht üppig. Im Mate 9 steckt ein ebenso großer Akku und das hat sich bereits als Dauerläufer erwiesen. Das 8 Pro hält aber nicht ganz so lange durch, denn das scharfe Display schluckt mehr Strom. Durch einen intensiven Nutzungstag kommt das Phablet aber locker, am Abend bleiben stets noch mindestens 20 bis 30 Prozent Ladung über.

Damit ist das jüngste Smartphone des chinesischen Giganten ein starkes Gerät, das nicht nur der Konkurrenz Angst machen könnte: Auch im eigenen Portfolio hat Huawei Handys, denen das Honor 8 Pro Käufer abwirbt. Mate 9 und P10 Plus sind recht nah dran am XXL-Honor, das mit 550 Euro zwar nicht spottbillig, aber doch günstig ist. Ein Problem dürfte das für die Chinesen aber nicht sein. Denn so langsam haben sie für wirklich jeden Anspruch und Geldbeutel ein passendes Gerät - ob Huawei oder Honor draufsteht, ist wohl egal.

Quelle: n-tv.de

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