Technik

Taste sucht Funktion Galaxy S8 ist klasse, aber noch nicht fertig

Das Display des Galaxy S8 ist auch im hellen Tageslicht gut ablesbar.

Das Display des Galaxy S8 ist auch im hellen Tageslicht gut ablesbar.

(Foto: kwe)

Das Galaxy S8 ist eigentlich das aktuell beste Smartphone. Es sieht klasse aus und bietet vom prächtigen Display bis zur lichtstarken Kamera hervorragende Technik. Aber eine noch weitgehend überflüssige Taste trübt den starken Eindruck.

Im Test glänzt das Galaxy S8 in allen Disziplinen und in einigen Bereichen stellt das Smartphone neue Bestleistungen auf. Aber Samsung war zu ehrgeizig und hat sich mit seinem eigenen digitalen Assistenten "Bixby" übernommen. Das neue Flaggschiff läuft deshalb unvollkommen vom Stapel, deutsche Nutzer dürfen erst Ende des Jahres eine Nachbesserung erwarten. Ein Patzer, der so unnötig und ärgerlich ist wie die zusätzliche Taste an der Seite. Trotzdem ist das Galaxy S8 das aktuell beste Smartphone.

Samsung bietet das Gerät in zwei Größen an: Das S8 hat ein 5,8 Zoll großes, an den Seiten gebogenes Display, der Bildschirm des S8+ misst 6,2 Zoll. Ansonsten sind die wasserdichten Smartphones bis auf unterschiedliche Akku-Kapazitäten baugleich. Im Test kam hauptsächlich das kleinere Modell zum Einsatz, dessen Batterie 3000 Milliamperestunden fasst, beim größeren sind es 3500 Milliamperestunden.

Das Galaxy S8 hat eine hervorragende Kamera auf der Rückseite.

Das Galaxy S8 hat eine hervorragende Kamera auf der Rückseite.

(Foto: kwe)

Trotz der enormen Display-Maße ist vor allem das kleinere S8 noch sehr handlich, weil Samsung den physischen Home-Button abgeschafft und den Fingerabdrucksensor auf der Rückseite platziert hat. So nimmt das Display bis auf schmale Streifen oben und unten fast die gesamte Front ein. Die neuen Geräte sind daher kaum größer als die S7-Geräte, deren Bildschirme 5,1 und 5,5 Zoll messen. Gewachsen sind die Smartphones vor allem in der Länge, weil Samsung das Seitenverhältnis der Displays auf 18,5:9 gestreckt hat. Außerdem sind die Seiten des S8-Duos nicht so kantig wie beim S7 Edge, sondern gehen rund in die Glasflächen von Vorder- und Rückseite über. Optisch und haptisch sind die Geräte ein Genuss, sie sind aber auch technisch ein Leckerbissen.

Herausragend gutes Display

An erster Stelle ist hier das Super-AMOLED-Display zu nennen, das noch besser ist als der bereits herausragend gute Bildschirm des Galaxy S7. Farben, Kontraste und Leuchtkraft sind fantastisch. Das sehen auch die Experten von "Displaymate" so, die bisher kein besseres Gerät in ihren Laboren hatten und zum ersten Mal die Note A+ vergaben. Das neue Seitenverhältnis können allerdings wie beim LG-G6-Bildschirm bisher nur wenige Apps ausnutzen. So dienen meistens die virtuellen Steuer-Tasten mit einem Balken unterlegt als Platzfüller. Der eingeblendete Home-Button reagiert auf einen festeren Druck auch haptisch, Funktionen dafür fehlen allerdings noch.

Galaxy S8: Technische Daten
  • System: Android 7.0
  • Display S8: 5,8 Zoll, AMOLED, QHD+ (2960 x 1440 Pixel, 570 ppi)
  • Display S8+: 6,2 Zoll, AMOLED, QHD (2960 x 1440 Pixel, 529 ppi)
  • Prozessor: Exynos 8895, 8 Kerne, max. 2,3 GHz)
  • Arbeitsspeicher: 4 GB
  • Interner Speicher: 64 GB + microSD
  • Kamera: 12 MP f/1.7, OIS
  • Frontkamera: 8 MP, f/1.7, AF
  • WLAN ac, Bluetooth 5.0
  • Akku: 3000/3500 mAh
  • Maße S8: 148,9 x 68,1 x 8,0 mm, 155 g
  • Maße S8+: 159,5 x 73,4 x 8,1 mm, 173 g
  • Sensoren: Bewegung, Näherung, Lage, Umgebungslicht, Kompass, Luftdruck, Fingerabdruck, Puls, Iris-Scanner, Druck-Sensor

In Deutschland treibt Samsungs eigener 8-Kern-Chip Exynos 8895 das Galaxy S8 an, der auf 4 Gigabyte Arbeitsspeicher zugreifen kann. Damit gehört das Gerät zu den stärksten Smartphones, kann aber unter anderem im Antutu-Benchmark das iPhone 7 Plus nicht vom Thron stürzen. Das spielt allerdings kaum eine Rolle, denn das S8 ist pfeilschnell und auch für rechenintensive Anwendungen wie VR-Spiele bestens ausgestattet. Außerdem ist es wichtiger, die zu Verfügung stehenden Leistungsreserven effizient einzusetzen, als in Benchmarks zu glänzen. Und hier zeigt das S8 echte Stärke: Selbst bei voller Auflösung (QHD+) hat sich der Akku im Test als ausdauernd erwiesen. In der Regel fiel der Füllstand auch bei intensiver Nutzung bis zum Abend nicht unter 25 Prozent. Reduziert man die Auflösung in den Einstellungen auf Full HD, ist noch ein bisschen mehr drin. Mit 64 Gigabyte ist der interne Speicher üppig bemessen, wer mehr Platz für Fotos und Videos benötigt, kann microSD-Karten einstecken.

Kamera auf Top-Niveau

Wie beim Display ist es Samsung auch bei der Kamera gelungen, die sehr gute Leistung des Galaxy S7 nochmal zu verbessern. Die Unterschiede sind nicht gravierend, aber das S8 nimmt sichtbar bessere Fotos und Videos auf als der Vorgänger - vor allem bei schwierigen Lichtverhältnissen. Hier lässt Samsungs neues Flaggschiff auch das iPhone 7 Plus hinter sich, dessen Bilder allerdings manchmal etwas natürlicher wirken. Außerdem arbeitet Apples optischer Bildstabilisator ein bisschen besser. Am ehesten ist die Qualität der S8-Kamera mit der des Google Pixel zu vergleichen, das immerhin bei DxOMark auf Platz 1 gelistet ist. Prima sind auch die Bilder, die die 8-Megapixel-Kamera auf der Vorderseite mit Autofokus und Blende f/1.7 liefert.

Die Kamera macht kontrastreiche Bilder mit leuchtenden Farben.

Die Kamera macht kontrastreiche Bilder mit leuchtenden Farben.

(Foto: kwe)

Neben der Frontkamera sitzt ein Iris-Scanner, der erstaunlich schnell und zuverlässig arbeitet, auch wenn das Licht etwas schwächer ist. Müsste man das Gerät nicht erst aufwecken und dann über das Display wischen, könnte man es so nicht nur sehr sicher, sondern auch bequem entsperren. So ist dafür der praktischste Weg der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite. Zwar ist er dort direkt neben der Kamera etwas unglücklich platziert, doch nach ein paar Tagen findet der Finger den Sensor auch dort schnell und meistens ohne das Kamera-Glas zu verschmieren. Trotzdem wäre er tiefer und mittig besser aufgehoben gewesen. Der Iris-Scanner ist übrigens nicht mit der Gesichtserkennung der Frontkamera zu verwechseln. Diese Methode ist und war nie sehr sicher. Berichte, die Gesichtserkennung des S8 könne mit Fotos überlistet werden, sind daher weder überraschend noch aufregend neu.

Eine angenehme Überraschung sind die beigelegten In-Ear-Kopfhörer von AKG. Sie liefern einen wesentlich besseren Klang als Ohrhörer, die üblicherweise Smartphones beigelegt werden. Es gibt deutliche Bässe und klar definierte Mitten und Höhen. Außerdem sitzen die Stöpsel fest und dicht, ohne auf Dauer zu drücken.

"Bixby"ist eine Konkurrenz zu Googles Assistenten.

"Bixby"ist eine Konkurrenz zu Googles Assistenten.

(Foto: kwe)

Bixby versteht noch kein Deutsch

Der sehr starke Eindruck des Galaxy S8 wird nur durch den Fehlstart des digitalen Assistenten "Bixby" gestört. Eigentlich soll er auf Knopfdruck bereit stehen, die Bedienung des Geräts vereinfachen und dem Nutzer Zusatzinformationen liefern. Dazu soll er nicht nur getippte Anweisungen, sondern auch gesprochene Kommandos und Fragen verstehen. Doch bietet "Bixby" bisher lediglich ein paar Info-Tafeln, wenn man seinen Extra-Knopf unter der Lautstärke-Wippe drückt. Außerdem liefert er Wissenswertes oder Angebote zu Sehenswürdigkeiten und Produkten, die mit der Kamera anvisiert werden.

Außer Koreanisch versteht der Assistent bisher noch keine Sprache, Englisch vielleicht bald und Deutsch frühestens im kommenden Herbst. Ob "Bixby" dann seinen Extra-Knopf wert ist, muss sich erst noch herausstellen. Denn auf neuen Android-Geräten steht ohnehin der Google Assistant zur Verfügung, der bereits Deutsch versteht. Man findet ihn auch auf dem S8, wenn man den Home-Button länger drückt. Und Googles digitales Helferlein lässt sich auch ohne Taste mit dem Kommando "Okay Google" starten, wenn das Smartphone nicht in Reichweite ist.

Samsung sollte die Taste freigeben

Vielleicht wird "Bixby" tatsächlich noch so gut wie von Samsung angekündigt. Bis dahin befindet sich an dem Gerät aber eine überflüssige Taste, die Nutzer auch nicht mit anderen Funktionen belegen dürfen. Das sollte Samsung unbedingt ändern. Denn selbst wenn der Assistent einwandfrei arbeitet, würden S8-Käufer vielleicht lieber auf seine Dienste verzichten und über seine Taste beispielsweise die Kamera starten.

Trotz des "Bixby"-Fehlstarts ist das Galaxy S8 ein hervorragendes Smartphone und lässt die Konkurrenz hinter sich. Allerdings verkauft Samsung Geräte, die noch nicht fertig sind, und mit 800 und 900 Euro sind sie nicht gerade günstig. Käufer sollten daher vielleicht noch etwas abwarten, bis Samsung wenigstens die freie Belegung der zusätzlichen Taste ermöglicht. In zwei, drei Monaten dürften die Smartphones außerdem etwas preiswerter erhältlich sein.

Quelle: n-tv.de

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