Technik

JBL-Konkurrenz für Bose und Co. Everest Elite 750NC bietet Ruhe nach Maß

Kein Understatement: Der JBL Everest Elite 750NC steht zu seinem Namen.

Kein Understatement: Der JBL Everest Elite 750NC steht zu seinem Namen.

(Foto: jwa)

Der Everest Elite 750NC macht Boses QuietComfort 35 Konkurrenz. JBLs Neuer hat mehr drauf als der Referenz-Kopfhörer. Doch kann er Boses Klassenbesten auch im Praxiseinsatz schlagen?

Ein Kopfhörer, der nicht nur Musik spielt, sondern zugleich die Umgebung ausblendet, ist längst zum Must-Have geworden für alle, die viel unterwegs sind und Wert auf hochwertige Beschallung und ein bisschen Ruhe legen. Günstige Modelle sind schon für 100 Euro zu haben, hochwertigere Exemplare kosten 300 Euro und mehr. In der Kategorie, in der Boses QuietComfort-Reihe quasi den Standard setzt, fühlt sich auch JBLs Everest Elite 750NC Zuhause. n-tv.de hat den ambitionierten Kopfhörer aufgesetzt und ausprobiert.

Auffälliges Design

Beim Design setzt JBL auf einen hohen Wiedererkennungswert. Zwar sind die Ohrmuscheln des Over-Ear-Modells selbst nicht besonders groß oder dick, doch der oben gepolsterte Kopfbügel läuft in zwei dicke Knubbel aus, die links und rechts die Ohrmuscheln an den Kopf andrücken. Auf beiden Seiten prangt groß und silbrig schimmernd das JBL-Logo, immerhin farblich angepasst ans metallic-graue Gehäuse. Das sieht nicht schlecht aus, aber eben auch nicht gerade zurückhaltend. Der Kopfhörer steht an beiden Seiten rund 5 Zentimeter vom Kopf ab - das muss man mögen.

Der Tragekomfort ist dagegen hoch, die Ohrmuscheln liegen sicher, aber ohne zu hohen Anpressdruck an, auch längeres Tragen wird nicht unbequem. Der Kopfhörer dämpft Umgebungsgeräusche passiv ab, mit dem Einschalten wird auch die aktive Geräuschunterdrückung (NC, Noise Cancelling) aktiviert. Tiefe Frequenzen werden zuverlässig herausgefiltert, Zugfahrten und Flüge dadurch deutlich erträglicher. Wer den Kopfhörer zwar mit Bluetooth, aber ohne NC betreiben will, kann das in der App (gratis für iOS und Android) einstellen. 

Adaptives NC

Im Test konnte die Geräuschunterdrückung überzeugen, wenn auch JBL hier nicht ganz so effektiv ist wie die Konkurrenz, zum Beispiel AKGs ohraufliegender N60 NC Wireless. Trotzdem, laute Gespräche im Zugabteil verschwanden dank NC und gutem Sound fast vollständig. Pluspunkt: Die aktive NC lässt bei Bedarf Umgebungsgeräusche durch (das adaptive NC nennt JBL "Ambient Awareness"). Am Kopfhörer selbst lässt sich das mit einer Sondertaste steuern, zur Auswahl stehen die Modi "Niedrig" und "Hoch". Über die JBL-App lässt sich auch eine Mittelstufe einstellen.

In seiner Transportbox ist der JBL Everest Elite 750NC gut aufgehoben.

In seiner Transportbox ist der JBL Everest Elite 750NC gut aufgehoben.

(Foto: jwa)

Am Smartphone oder Tablet können Nutzer auch den Klang verfeinern, zur Auswahl stehen ein paar Presets (Jazz, Vocal und Bass) sowie ein 10-Band-Equalizer. Das ist aber nicht unbedingt nötig, denn der Sound weiß in seiner Grundeinstellung zu gefallen. Mitten und Höhen sind detailliert, wenn auch nicht ganz so kristallklar wie bei anderen Modellen derselben Preisklasse, die Bässe sind akzentuiert, aber nicht überbetont. Mitunter klingen sie etwas schwach, dann hilft aber der Equalizer.

Minuspunkte

Großer Nachteil: der deutliche Unterschied im Klangbild zwischen NC-Modus und passiver Wiedergabe oder ausgeschaltetem NC. Wenn der Akku nach rund 15 Stunden Spielzeit leer ist (20 Stunden ohne NC) oder man aus anderen Gründen das Kabel verwendet und den Kopfhörer passiv betreibt, klingt er völlig anders als mit eingeschaltetem NC. Das gleiche gilt, wenn man per App die NC ausschaltet. Klar: Das darf eigentlich nicht sein. Bässe treten in den Hintergrund, Mitten und Höhen klingen deutlich lauter und auch eine Spur schärfer im Ohr. Auch die maximale Lautstärke ist bei passiver Wiedergabe mit Kabel höher. So deutlich waren die Unterschiede bisher bei keinem anderen Testmodell von n-tv.de. Möglicherweise könnte aber ein Software-Update die eklatanten Unterschiede ausbügeln.

Ebenfalls von Nachteil ist die Anordnung der Bedienungstasten am rechten Ohrhörer. Sie sind zwar so dezent platziert, dass sie kaum auffallen, doch ist es schwer, mit dem Finger auf Anhieb die richtige Taste zu erwischen - das nervt etwas, denn gerade die Sonder-Taste für die Einblendung der Umgebungsgeräusche sollte man im Idealfall schnell und zielsicher erwischen können, zum Beispiel um Durchsagen im Zug oder Flieger auch mitzubekommen.

So hinterlässt der JBL Everest Elite 750NC einen durchwachsenen Eindruck: Die Verarbeitungsqualität ist gut, der Sound ordentlich, und die Transportbox macht auch einen guten Eindruck. In seiner Preiskategorie kann er aber nur durch das adaptive Noise-Cancelling überzeugen - das gibt‘s jedoch zum Beispiel beim Libratone Q Adapt On-Ear schon fast zum halben Preis. Ein echtes Design-Wunder ist der Kopfhörer mit seinen weit abstehenden Ohrmuscheln auch nicht, auch wenn das natürlich wie immer Geschmackssache ist.

Quelle: n-tv.de

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