Technik

Hände am Lenker, Handy im Blick Cobi verbindet Fahrrad und Smartphone

Von Klaus Wedekind

Das Cobi-System passt an fast jeden Fahrradlenker.

Das Cobi-System passt an fast jeden Fahrradlenker.

(Foto: kwe)

Wer auf dem Rad sein Smartphone nicht nur zum Navigieren nutzen möchte, fährt mit Cobi genau richtig. Mit dem System hat man alle wichtigen Handy-Funktionen im Griff, ohne die Hände vom Lenker nehmen zu müssen. Und das ist noch nicht alles.

Smartphone-Halterungen fürs Fahrrad gibt es wie Sand am Meer, doch das Connected-Biking System Cobi ist weit mehr als das. Mit ihm kann man das Handy über eine praktische App während der Fahrt nutzen, ohne die Hände vom Lenker zu nehmen. Es lädt das Gerät auf und hat auch einen starken Scheinwerfer integriert. n-tv.de hat sich ein Cobi-System ans Fahrrad geschraubt.

Die Installation ist relativ einfach, so lange man im Zentrum des Lenkers und entweder links oder rechts genügend Platz hat. Eventuell muss man Reflektor, Klingel und Schaltung etwas zurechtrücken, denn neben der recht großen Halterung (Hub) gehört zur Grundausstattung auch eine Daumen-Steuerung. Damit das System an jedes Fahrrad passt, liegen verschiedene Gummimanschetten bei. Befestigt wird der Hub anschließend mit Spezialschrauben und -Schlüssel, damit Diebe erst gar nicht in Versuchung geraten. Sie hätten aber auch nichts von dem Gerät, da es bei der Ersteinrichtung auf den Besitzer registriert wird und ohne Anmeldedaten nichts weiter als eine Smartphone-Halterung ist.

Auch ein iPhone 7 Plus hält die Universalhalterung sicher fest.

Auch ein iPhone 7 Plus hält die Universalhalterung sicher fest.

(Foto: kwe)

Das Smartphone sitzt fest

Im und am Hub finden Akku und Universaladapter Platz, der Smartphones in allen gängigen Größen aufnehmen kann. Für iPhones gibt's auch maßgeschneiderte Lösungen inklusive Regenschutz, die auch als Hülle am Gerät bleiben können. Ladekabel liegen bei, für Android-Geräte bisher nur mit microUSB-Stecker. Im Test kam die Universalhalterung zum Einsatz, die sicher zupackt. Man muss nur etwas darauf achten, dass beim Einsetzen keine Tasten am Handy gedrückt werden. Adapter und Akku kann man abziehen, der Rest bleibt permanent am Fahrrad. Optional gibt es auch ein passendes Rücklicht mit Steck-Halterung, das sich per Funk mit dem System verbindet.

Wenn alles installiert ist, muss der Hub mit dem Smartphone gekoppelt werden. Dazu richtet man in der Cobi-App zunächst ein Konto ein. Dann schaltet man den Hub ein und lässt die App nach dem Gerät suchen. Nach wenigen Sekunden ist die Kopplung beendet und man gibt noch den verwendeten Fahrradtyp und eventuell einige Informationen zur Fitness ein. Wahrscheinlich ist auch noch ein Update fällig. Dafür sollte man das Fahrrad möglichst dorthin bringen, wo das Smartphone WLAN-Empfang hat, um sein mobiles Datenvolumen nicht zu belasten. Updates gibt's bei Cobi öfter, da kontinuierlich neue Funktionen hinzukommen. Ist die Software des Hub aktuell, kann man loslegen.

Das Rücklicht kostet 40 Euro extra.

Das Rücklicht kostet 40 Euro extra.

(Foto: kwe)

Cobi ist ausbaufähig

Die Cobi-App ist die Zentrale, in der Geschwindigkeit, Navigation und Wetter angezeigt werden und der schnelle Zugriff auf Musik, Fitnesswerte oder ausgesuchte Kontakte möglich ist. Dabei liefert Cob bereits vernünftige Software mit, für die Navigation ist Komoot aber die bessere Wahl, das man optional einbinden kann - so oder so kann man Offline-Karten verwenden. Ansonsten stehen noch Google Fit beziehungsweise Apple Health und der Tracking-Dienst Strava zum Einbinden zur Verfügung. Weitere sollen folgen.

Vor allem für Fitness-Fans ist interessant, dass das Cobi-System auch die Werte von externen Trackern anzeigen kann, die per Bluetooth verbunden sind. Im Test klappte dies beispielsweise problemlos mit einem Pulsmesser. Während der Fahrt funktionierte auch die Bedienung per Daumen nach einer kurzen Gewöhnungszeit einwandfrei. Ein langer Druck auf den mittleren Knopf führt immer auf die Startseite, ein kurzer Druck einen Schritt zurück. Mit den anderen Tasten navigiert man durch die Auswahl oder innerhalb einer Funktion.

Die Daumensteuerung ist unkompliziert.

Die Daumensteuerung ist unkompliziert.

(Foto: kwe)

Ganz risikofrei ist die Sache aber trotz Daumensteuerung nicht, wenn man beispielsweise bei der Musikauswahl zu lange aufs Display blickt. Und wenn man Kopfhörer trägt, um zu telefonieren oder Navi-Anweisungen und Musik zu hören, sollte man darauf achten, dass man die Umgebungsgeräusche noch wahrnehmen kann.

Kleiner Akku, schlaues Licht

Der Akku hält gut einen Tagesausflug durch, wenn er nicht gleichzeitig ein Smartphone laden muss. Zieht das Handy Saft, geht es mit den 2900 Milliamperestunden der Batterie schnell zu Ende. Es ist also ratsam, immer mit geladenem Smartphone zu starten. Der Cobi-Akku nimmt sehr gemächlich Strom auf, man sollte dafür eine Nacht einplanen, die Brotzeitpause reicht dafür sicher nicht.

Die mechanische Klingel bleibt besser am Lenker, denn die elektrische Bimmel des Cobi ist viel zu leise. Lauter ist die Alarmanlage. Ist sie aktiviert, macht sie Lärm und das Licht blinkt, sobald an dem Fahrrad Hand angelegt wird.

Stark ist das Frontlicht, das in drei verschiedenen Stärken leuchtet. Es passt sich dabei automatisch an das Umgebungslicht an, was im großen und ganzen gut funktioniert. Im Zweifel sollte man aber besser manuell hochschalten. In der stärksten Stufe ist der Scheinwerfer sehr hell, auch tagsüber für Autofahrer gut sichtbar und leuchtet einen weiten Bereich aus. Ist das Cobi-Rücklicht montiert, macht es die Anpassungen mit und leuchtet beim Abbremsen heller.

Gelungen, aber teuer

Alles in allem ist Cobi ein gelungenes System für smarte Biker. Halterung und Licht sind prima, die App übersichtlich und einfach zu bedienen. Gut ist auch, dass sich externe Sensoren problemlos einbinden lassen. Was zusätzliche Dienste angeht, ist die Auswahl allerdings noch sehr knapp. Vor allem aber wäre ein Akku mit deutlich größerer Kapazität wünschenswert, damit man nicht nur über die Runden kommt, sondern am Ziel auch noch ein geladenes Smartphone hat. Und die Preise sind ganz schön happig: Ohne Licht kostet ein Set aus Hub mit Daumen-Controller plus wahlweise iPhone- oder Universalhalterung 250 Euro. Inklusive Frontstrahler sind 300 Euro fällig, mit Rücklicht sogar 340 Euro.

Quelle: n-tv.de

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