Fußball

Dicke Egos von Robben und CR7 Was ist los bei euch, Jungs?

Von Anja Rau

Arjen Robben hat sich nicht im Griff - und verweigert seinem Trainer Carlo Ancelotti den Handschlag.

Arjen Robben hat sich nicht im Griff - und verweigert seinem Trainer Carlo Ancelotti den Handschlag.

(Foto: imago/Norbert Schmidt)

Handschlag verweigern, den Trainer anpöbeln - Arjen Robben und Cristiano Ronaldo erlauben sich das. So eine Auswechslung ist aber auch eine Provokation! Überhaupt ist so mancher Ausfall bei den "Großen" des Fußballs längst Tradition.

Sie betteln ja direkt um eine Extraportion Aufmerksamkeit - bitte, hier ist sie, dabei haben Arjen Robben und Cristiano Ronaldo das doch gar nicht nötig! Viel Lärm um nichts - das leisteten sie sich am Wochenende. Ihre beiden Klubs, der FC Bayern und Real Madrid, stehen auf Platz eins ihrer Liga-Tabellen. Beide Mannschaften führten, als ihnen zugemutet wurde, auf der Bank Platz zu nehmen. Offenbar steht ihnen ihr Ego im Wege. So müssen sich Stars nicht benehmen.

Arjen Robben war beim Spiel gegen Borussia Mönchengladbach in der 85. Minute beim Stand von 1:0 von seinem Trainer Carlo Ancelotti ausgewechselt worden. Er verweigerte den Handschlag und stapfte zur Bank. Dort feixten Franck Ribéry und Jerôme Boateng über sein Verhalten, Ancelotti verteidigt ihn anschließend: "Es ist klar, dass er sauer war. So war ich als Spieler auch. Man ist nie glücklich, wenn der Trainer einen rausnimmt und man gut gespielt hat – wie Robben heute", sagt er bei Sky. Angeblich soll Robbens schlechte Laune aber nichts mit seiner Auswechslung zu tun haben.

Cristiano Ronaldo hatte sich bereits häufiger mit seinem Trainer Zinedine Zidane in den Haaren.

Cristiano Ronaldo hatte sich bereits häufiger mit seinem Trainer Zinedine Zidane in den Haaren.

(Foto: imago/BPI)

Vielmehr geht es, wie seine Mitspieler ihn in Schutz nehmen, um eine Spielszene, sieben Minuten vor seiner Auswechslung. Robert Lewandowski hatte einen Ball nicht weitergeleitet. Für seinen Ärger wird er von seinen Kollegen sogar gelobt. Thomas Müller etwa meinte: "Wir brauchen Leute, die viele Titel auf der Autogrammkarte haben und immer noch Emotionen zeigen." Fraglich ist allerdings, wie weit diese Emotionen gehen dürfen. Eine läppische vergebene Chance sollte einen Weltklasse-Spieler wie Robben doch eigentlich nicht so auf die Palme bringen, dass er noch etliche Zeit später beleidigt ist. Das wirft schließlich auch kein gutes Licht auf die Harmonie der Spieler.

Cristiano Ronaldo bepöbelt Zinédine Zidane

Deutlich fragwürdiger hat sich am Wochenende allerdings ein anderer Weltstar benommen: Cristiano Ronaldo. Auch er wurde beim Spiel seiner Königlichen aus Madrid gegen Athletic Bilbao ausgewechselt - und das schien ihm gar nicht zu passen. Laut eines Lippenlesers, den die spanische Zeitung "El Mundo" engagiert hatte, pöbelte er seinen Trainer Zinedine Zidane an: "Warum ich? Verpiss dich!"

Nicht der erste Ausbruch des Weltfußballers. Beim Spiel gegen UD Las Palmas im September wurde der Portugiese erstmals seit sieben Jahren ausgewechselt. Auf der Bank ließ er seiner Wut darüber freien Lauf. Auch hier identifizierte ein Lippenleser seine Worte: "Hurensohn" und "Verdammte Scheiße".  Wäre Zidane noch Spieler, hätte er vielleicht mit einem Kopfstoß geantwortet - wie im WM-Finale 2006. Doch mittlerweile ist der Franzose reifer geworden und reagierte deshalb, wie auch vor einem halben Jahr, recht gelassen. "Manchmal muss auch er raus", so der Trainer über die Auswechslung und ließ den Rest gänzlich unkommentiert. Damals hieß es: "Jeder Spieler, der ausgewechselt wird, ist sauer." Konsequenzen gab es keine - zumindest keine, die an die Öffentlichkeit gelangten.

Ein kurzer Blick in die Historie: Auch Jürgen Klinsmann hatte einst eine Auswechslung ordentlich in Rage versetzt. So sehr, dass er beim Spiel gegen Freiburg im Mai 1997 in eine Werbetonne trat - das Bild ging in die Annalen der Fußballgeschichte ein. Später gab er sich geläutert - das Ganze ist immerhin auch schon 20 Jahre her.

Jürgen Klinsmanns legendärer Tritt.

Jürgen Klinsmanns legendärer Tritt.

Borussia Dortmund bestraft Aubameyang

Dass nicht jedes Gehabe eines Spielers einfach so vom Verein hingenommen wird, beweist indes Borussia Dortmund. Im November vergangenen Jahres verzichtete Thomas Tuchel beim Champions-League-Spiel gegen Sporting Lissabon auf seinen Top-Torjäger. Pierre-Emerick Aubameyang hatte zuvor mit einem Kurz-Trip mit Freunden nach Mailand für Aufregung gesorgt. Das Ganze kam heraus, weil ein Freund ein Foto bei Instagram postete.  Zudem soll er anschließend zu spät zu einem Treffen der Mannschaft gekommen sein.

Jetzt mag man argumentieren, dass es relativ leicht war, in diesem Spiel auf Aubameyang zu verzichten. Schließlich war ein Weiterkommen in der Königsklasse bereits nahezu sicher. Und ob Tuchel auch bei einem Spiel Spitz auf Knopf auf den Gabuner verzichtet hätte, kann so nicht geklärt werden. Doch immerhin gab es eine Reaktion, wurde sogar der Topstar der Mannschaft in seine Schranken gewiesen.

Carlo Ancelotti muss sich nach dem Ausbruch Robbens übrigens nicht zum ersten Mal mit einem Spieler auseinandersetzen, der seine Gefühle nicht im Griff hat. Für sein übergroßes Ego ist der Schwede Zlatan Ibrahimovic bekannt. Und der hat bei Paris St. Germain auch unter dem Italiener gespielt - manchmal offenbar eher mit ihm.

Denn Ibrahimovics Wort galt, glaubt man Berichten, und nicht etwa Ancelottis. Ob er an Gott glaube, soll der Stürmer seinen Trainer einmal gefragt haben. Als dieser bejahte, antwortete der Schwede: "Sehr gut, also glaubst du an mich." Beim FC Barcelona wiederum betitelte er die Ansprachen Pep Guardiolas als "Scheiße für Fortgeschrittene" - und weiter: "Wir brauchen den Philosophen nicht, der Zwerg (Messi) und ich reichen vollkommen." Und auch in der schwedischen Nationalmannschaft soll er sich beständig danebenbenommen haben, wie sein ehemaliger Mitspieler Anders Svensson kürzlich berichtete. Auch hier ließen ihn die Trainer und Verbandsverantwortlichen gewähren. Besonders förderlich soll das für die Mannschaft laut Svensson freilich nicht gewesen sein. Und daran kann sich ja kaum ein Verein ein Beispiel nehmen wollen. Denn auch viel Lärm um nichts muss erstmal wieder verstummen.

Quelle: n-tv.de

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