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Chancenlos in der Königsklasse? Warum es für die Premier League nicht reicht

Und, wie sieht's bei Euch aus? Jürgen Klopp und Josep Guardiola.

Und, wie sieht's bei Euch aus? Jürgen Klopp und Josep Guardiola.

(Foto: dpa)

England startet in der Champions League mit so vielen Teams wie noch nie. Doch die Chance, dass eines von ihnen den Titel holt, ist gering. So paradox das klingt: Das liegt an der Stärke der Premier League, glaubt unser Autor.

Um das Selbstvertrauen von Eden Hazard muss man sich keine Sorgen machen. "Ich habe die Premier League gewonnen, ich habe den Titel in Frankreich geholt, ich habe Pokale gewonnen. Aber große Spieler wollen die Champions League gewinnen. Jetzt ist die Zeit dafür", sagt der offensive Mittelfeldmann des FC Chelsea. Sein Klub war der bislang letzte Vertreter aus England, der den Silberpokal mit den großen Henkeln erbeuten konnte. 2012 war das, die Fans des FC Bayern werden sich erinnern. Stichwort: Finale dahoam. Das war vor Hazards Zeit. Chelseas Helden damals hießen Ashley Cole, Frank Lampard und Didier Drogba.

Wenn die Fußball-Champions-League heute in eine neue Ausgabe startet, dann ist das Interesse in England besonders groß. Denn zum ersten Mal überhaupt nehmen fünf Vertreter aus der Premier League an dem Wettbewerb teil. Grund dafür ist Manchester Uniteds Sieg in der Europa League in der vergangenen Saison, der dem Klub das Startrecht brachte, obwohl er in der Liga nur Sechster geworden war und die Zulassung eigentlich verpasst hatte. Wegen der breiten Briten-Front sind viele Beobachter der gleichen Meinung wie Chelsea-Profi Hazard.

Hendrik Buchheister, Jahrgang 1986, ist freier Journalist, schreibt gut, gerne, aber nicht nur über Fußball - und berichtet seit dieser Saison aus Manchester über das sportliche Geschehen in England. Im Oktober erscheint sein Buch "Choreo" über Fan-Choreografien im deutschen Fußball.

Hendrik Buchheister, Jahrgang 1986, ist freier Journalist, schreibt gut, gerne, aber nicht nur über Fußball - und berichtet seit dieser Saison aus Manchester über das sportliche Geschehen in England. Im Oktober erscheint sein Buch "Choreo" über Fan-Choreografien im deutschen Fußball.

(Foto: Verena Knemeyer)

Sie finden, dass es mal wieder Zeit wäre für den Triumph eines englischen Teams nach Jahren spanischer Dominanz. Doch Masse bedeutet nicht gleich Klasse. Die Chancen sind eher gering, dass eine Mannschaft aus der Premier League die Champions League gewinnt. Das liegt an den Mannschaften selbst - und an der Stärke der englischen Liga. Mehr zu diesem Paradoxon später. Zuerst zu den einzelnen Teams: Meister Chelsea hat es zuletzt nicht geschafft, Erfolg zu konservieren. Dem Titelgewinn vor zwei Jahren folgte eine miserable Saison. Trainer José Mourinho musste gehen. Am Ende wurde das Team Zehnter. Der aktuelle Übungsleiter Antonio Conte will verhindern, dass sich Geschichte wiederholt. Doch seine internationale Bilanz ist dürftig. Außerdem gelang es dem Klub nicht, sich auf dem Transfermarkt wie gewünscht zu verstärken. Fernando Llorente entschied sich für Tottenham Hotspur, Alex Oxlade-Chamberlain für Liverpool, Ross Barkley für einen Verbleib beim FC Everton.

Mourinhos Manchester gewinnt an Qualität

Tottenham hat es doppelt schwer. Die Mannschaft muss gegen einen Fluch kämpfen. Sie bestreitet ihre Heimspiele in dieser Saison im Wembley-Stadion und kann dort nicht gewinnen. In der vergangenen Spielzeit gab es in fünf Partien in der heiligen Arena drei Niederlagen, in dieser Saison gelang in den ersten beiden Heimspielen noch kein Sieg. Der Klub hat mit dem Umzug seine Heimstärke verloren. Außerdem lässt die Gruppe mit Real Madrid und Borussia Dortmund ein Aus schon in der Vorrunde befürchten.

Manchester City hat zwar großflächig investiert, doch das Team ist immer noch dabei, sich an das System und die Anforderungen von Trainer Josep Guardiola zu gewöhnen. Auf das 5:0 gegen den FC Liverpool am Wochenende im Etihad Stadium sollte sich die Mannschaft nicht zu viel einbilden. Mehr als eine Halbzeit spielte sie in Überzahl.

Trifft für Manchester United: Romelu Lukaku.

Trifft für Manchester United: Romelu Lukaku.

(Foto: REUTERS)

Bei Jürgen Klopps Liverpool liegen die Probleme in der Defensive, wie bei dem Debakel gegen City nicht zum ersten Mal zu besichtigen war. Der Klub hat es in der Transferphase verpasst, die Abwehr entscheidend zu stärken. Wunschkandidat Virgil van Dijk vom FC Southampton war nicht zu bekommen, einen Plan B hatte der Verein offenkundig nicht. So furios Liverpools Offensive ist, so brüchig ist die Verteidigung. Internationalen Ansprüchen genügt sie nicht.

Am weitesten könnte es von den englischen Vertretern Manchester United bringen. Das Team hat enorm an Qualität gewonnen durch die Verpflichtung von Mittelfeldspieler Nemanja Matic und Torjäger Romelu Lukaku. Außerdem haben Paul Pogba und Henrich Mchitajran in den ersten Wochen der neuen Saison angedeutet, dass sie nach einem Jahr der Eingewöhnung bereit zu großen Taten sind. Mit dem Triumph in der Europa League hat die Mannschaft bewiesen, dass sie unter Trainer José Mourinho internationale Titel gewinnen kann. Zum Sieg in der Champions League dürfte es aber auch für United nicht reichen.

Die englischen Klubs sind weit davon entfernt, die Königsklasse zu dominieren wie noch vor einem Jahrzehnt, als zwischen 2007 und 2009 dreimal nacheinander drei der vier Halbfinalisten aus der Premier League kamen. Das liegt auch an der Liga selbst. Während die spanischen Giganten aus Barcelona und Madrid den nationalen Alltag weitgehend mühelos bewältigen und sich auf den Europapokal konzentrieren können, ist in England die Qualität an der Spitze der Liga dichter. Fünf bis sechs Mannschaften konkurrieren um den Titel. Sie können es sich nicht erlauben, Kraft für den internationalen Wettbewerb zu sparen.

Was eigentlich die Stärke der Premier League ist, wird in der Champions League zum Problem.

Quelle: n-tv.de

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