Fußball

Eklat nach Kollegenschelte Warum Mehmet Scholl nicht mehr tragbar war

(Foto: imago/Camera 4)

Erst stehen die Zeichen auf Versöhnung - doch nun trennen sich die ARD und ihr Fußball-Experte Mehmet Scholl. Und das ist gut so. Warum? Weil es nicht mehr passt, spätestens nach seiner Weigerung, über Doping zu sprechen.

Der geneigte Zuschauer hatte sich ja schon gefragt, wie das in Zukunft zusammenpassen sollte: Eine Redaktion, die investigativ zum Thema Doping im Sport recherchiert, aufdeckt und aufklärt. Und ein Experte, der das alles für überflüssig hält und sich weigert, darüber zu sprechen, weil er lieber den Erfolg der deutschen Fußballer beim Confed Cup in Russland feiert. Das just an dem Tag, an dem die ARD über Doping im russischen Fußball berichtete. Deshalb ist es nur konsequent, dass die ARD und Mehmet Scholl sich nun nach neun Jahren trennen.

Dabei hatte es erst so ausgesehen, als hätten sie sich geeinigt. Axel Balkausky, der beim öffentlich-rechtlichen Senderverbund die Sportberichterstattung koordiniert, versicherte noch am Dienstag, er habe Scholl deutlich vermittelt, dass die Redaktionen für den Inhalt zuständig seien, die Experten für die Meinung. Und dass die redaktionelle Hoheit unantastbar sei. Es gelte aber weiterhin: "Mehmet ist uns sehr wichtig." Der ehemalige Nationalspieler hatte am 28. Juni, am Tag des ersten Halbfinales beim Confed Cup, gefordert, den Bericht nicht zu senden, in dem Wada-Sonderermittler Richard McLaren im Interview mit der ARD sagte, dass auch der Fußball Teil des staatlich gelenkten Doping-Betrugssystems in Russland war: "Ich möchte, dass die Story für diesen schönen Tag draußen bleibt." Blieb sie aber nicht. Also erschien Scholl weder an diesem noch am Tag danach an seinem Arbeitsplatz. Der Eklat war perfekt.

"Überhaupt keine Relevanz"

Und zwar ganz unabhängig davon, dass Scholl seit jeher ein Mann mit starkem Hang zu zweifelhaften Kommentaren mit Tendenz ins Geschmacklose war. Bei der EM 2012 sagte er über den deutschen Angreifer Mario Gomez: "Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss." Scholl und Gomez standen damals übrigens beide in Diensten des FC Bayern. Vor einem Jahr riet Experte Scholl dem DFB-Chefscout Urs Siegenthaler nach dem EM-Viertelfinale gegen Italien, er möge "morgens liegen bleiben, die anderen zum Training gehen lassen und nicht mit irgendwelchen Ideen kommen". Viel Kritik gab es nun auch beim Confed Cup. "Vielleicht kommt Cristiano Ronaldo ja wirklich in den Knast. Dann mache ich mir Sorgen, dass er als Miss September endet", hatte er beim Eröffnungsspiel gesagt. Für die einen war's ein lockerer Spruch, andere empfanden das als sexistisch und homophob. Dass er aber nun seine Kollegen diskreditierte, war nicht klug.

Die ARD wiegelte zwar erst ab und Scholl schwieg, bis er am Wochenende in seiner Radiosendung den Versuch unternahm, sein Verhalten zu erklären. Zwar versicherte er: Doping ist das Schlimmste für den Sport, das macht den auch Sport kaputt, das macht den Sportler kaputt, das macht die Glaubwürdigkeit kaputt." Es sagte aber auch, das Thema habe zu diesem Termin im Programm absolut nichts zu suchen gehabt. Dabei griff er, ohne Namen zu nennen, direkt die beim WDR angesiedelte Dopingredaktion um den Journalisten Hajo Seppelt an. Die sei allein darauf bedacht, negative Themen auf die Tagesordnung zu setzten: "Das war für mich einfach so eine Art, wie man zeigen will, wie wir journalistisch an die Arbeit gehen, wie wir Dinge aufdecken, die in dem Moment überhaupt keine Relevanz hatten."

Auch wenn bisher unklar ist, ob die ARD Scholls Vertrag gekündigt hat oder ob der selbst das Handtuch geworfen hat; und auch wenn die Frage im Raum steht, was in den nur 48 Stunden nach der angeblichen Versöhnung am Dienstag geschehen ist - es dürfte sich am Ende die Erkenntnis durchgesetzt haben, dass ein Experte, der die Arbeit der eigenen Redaktion derart geringschätzt und in diesem einen Fall gar sabotierte, keiner ist, der bleiben sollte. Ganz einfach, weil es nicht zusammenpasst.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema