Fußball

Kein Bayern-Herausforderer mehr Tuchel macht den BVB gewöhnlich

BVB-Trainer Thomas Tuchel war mit seiner Borussia in München chancenlos - und nahm das klaglos hin.

BVB-Trainer Thomas Tuchel war mit seiner Borussia in München chancenlos - und nahm das klaglos hin.

(Foto: imago/Thomas Frey)

Egal, wie dominant der FC Bayern auch war, der BVB reiste stets nach München um Punkte zu holen. Das war einmal. Der Rekordmeister ist der Borussia mittlerweile weit enteilt. Das jedoch nehmen die Dortmunder erstaunlich gelassen und selbstbewusst hin.

Egal wo BVB-Trainer Thomas Tuchel an diesem Samstagabend in der Münchener Arena stehen blieb, egal mit wem er sprach, er sagte sinngemäß immer das Gleiche: "Es fällt mir gar nicht schwer, das Ergebnis zu akzeptieren. Alles andere als diese Dominanz und dieses Ergebnis hätten mich überrascht." Man kann diesen beiden Sätzen die verschiedensten Interpretationen aufzwängen. Eines aber bleibt als kleinster gemeinsamer Nenner: Borussia Dortmund war im Topspiel des 28. Spieltags der Fußball-Bundesliga beim phasenweise desaströsen 1:4 gegen den FC Bayern absolut chancenlos – und der Trainer fand das offenbar nicht mal schlimm.

Es gibt sehr viele Mannschaften, wie etwa zuletzt der FC Augsburg, die reisen nach München, weil sie es laut Spielplan und Liga-Regularien halt machen müssen. Sie versuchen dann dort, so wirkt es, erst gar nicht an der Sensation zu arbeiten, sondern die 90 Minuten einfach nur zu überstehen. Möglichst, ohne sich dabei lächerlich zu machen. Das gelingt mal ganz gut, manchmal geht es aber auch fürchterlich schief. Der FC Augsburg verlor 0:6. Bayern-Opfer eben.

Dezimiert, aber mit Topqualität

Eine Mannschaft wollte sich in den vergangenen Jahren aber nie in diese Opferrolle pressen lassen. Es war der BVB. Er holte sich zwar mitunter auch seine Klatsche ab, wie beim 1:5 in der Vorsaison. Aber er reiste stets nach München um Punkte zu holen. Das scheint sich nun zu ändern.

Freilich wäre es ein Leichtes darauf zu verweisen, wie Tuchel es dann auch tat, dass die Dortmunder in München personell arg geschwächt angetreten waren. Neben den Langzeitverletzten Mario Götze und Marco Reus fehlten auch der formstarke Shinji Kagawa, Julian Weigl, Lukasz Piszczek und André Schürrle. Ob ihr Mitwirken allerdings wirklich etwas grundlegend an den Kraftverhältnissen auf dem Rasen geändert hätte? Nun, daran wollte selbst Tuchel nicht so recht glauben.

Zumal die schwarzgelbe Elf ja entgegen aller Betonungen und präventiven Quasi-Entschuldigungen doch viel mehr war als bloß eine bessere A-Jugend. Schließlich stand unter anderem mit Sokratis, mit Weltmeister Matthias Ginter, mit Europameister Raphael Guerreiro, mit dem hoch geschätzten Gonzalo Castro, mit dem spanischen Wunsch-Verteidiger Marc Bartra, mit den international gierig beäugten Super-Talenten Ousmane Dembélé und Christian Pulisic sowie Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang immer noch extrem große Qualität auf dem Platz.

"Das absolut höchste Niveau"

Dennoch sagte Tuchel halb bewundernd, halb entschuldigend: "Bayern bietet das absolut höchste Niveau. Das ist vergleichbar mit einem Auswärtsspiel bei Real Madrid oder dem FC Barcelona. Wir bräuchten dafür unsere Top-Mannschaft in einer top Verfassung in diesem Jahr des Umbruchs. Unterm Strich können wir dieses Spiel sofort abhaken."

Das mit dem Abhaken ist indes so eine Sache. Es ist ein bisschen zu leicht für eine Mannschaft, die den FC Bayern noch in der Hinrunde leidenschaftlich mit 1:0 besiegt hatte, die unbedingt auf direktem Weg in die Champions League einziehen will aber in der Liga nach dem 28. Spieltag nur Vierter ist, die sich am Dienstagabend (20.45 Uhr im n-tv.de-Liveticker) in eben jener Königsklasse eine gute Ausgangsposition für das Viertelfinal-Rückspiel gegen den AS Monaco erarbeiten und die den Talente-Weg freiwillig und bereitwillig gehen will – und viel beachtet auch geht.

Exklusive BVB-Sicht

Denn in den ersten 20 Minuten, bis zum völlig überraschenden Anschlusstreffer durch Guerreiro, war der BVB vom FC Bayern nahezu überrannt worden. Abgesehen vom ersten frühen Warnschuss durch Dembélé brachten die Borussen kaum etwas zu Stande, was den Möglichkeiten der aufgebotenen Elf gerecht geworden wäre. Was sie in ihrer Interpretation des Spiels überraschenderweise gänzlich anders sahen: "Wir hatten die erste Chance, in der ersten Halbzeit wären die Bayern zu schlagen gewesen", urteilte Keeper Roman Bürki, während Tuchel ebenfalls einigermaßen exklusiv analysierte: "Der Spielverlauf war gegen uns. Wir haben top zehn Minuten gespielt, aber es stand 2:0 für Bayern."

Dieses Ergebnis hatten die Münchener aber nicht nur den drei entfesselt aufspielenden Torschützen Franck Ribéry (3.), Robert Lewandowski (10.,68./Elfmeter) und Arjen Robben (49,) zu verdanken, sondern auch der Dortmunder Mannschaft. Die tat sich bei allem Bemühen lange Zeit sehr schwer, vor allem die nötige Leidenschaft und Aggressivität für ein solches Topspiel aufzubringen. Ganz anders als ihr Trainer, der bei jedem Ballbesitz anleitete, bei jedem Gegenangriff organisierte und bei jedem Flüchtigkeitsfehler tobte. Wohlwissend, dass die Mannschaft ihr Potenzial nicht auf den Platz brachte. Wohlwissend, dass der Umbruch im vergangenen Sommer die Mannschaft doch ein Stück gewöhnlicher gemacht hat. Deswegen war er offiziell auch nicht enttäuscht, wie er immer wieder betonte. Egal, mit wem er sprach.

Quelle: n-tv.de

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