Fußball

Bekiffte Touristen in Amsterdam Schalker taumeln, Trainer Weinzierl ist ratlos

Von Stefan Giannakoulis, Amsterdam

"Wir sind heute auf einen Gegner getroffen, der besser war", lautete die kurze, aber treffende Analyse von Schalke-Trainer Markus Weinzierl nach dem Spiel.

"Wir sind heute auf einen Gegner getroffen, der besser war", lautete die kurze, aber treffende Analyse von Schalke-Trainer Markus Weinzierl nach dem Spiel.

(Foto: dpa)

Sie wollen das Märchen von den Eurofightern fortschreiben. Doch völlig überforderte Schalker Fußballer kassieren bei Ajax eine Niederlage, die ihnen nicht nur die Chance aufs Halbfinale verhagelt. Dabei haben sie noch Glück.

Sie hatten sich viel vorgenommen in diesem Jubiläumsjahr. Der Titel soll es sein, das wäre so schön, das wünschen sich nicht nur die Fans. Und dann, am Donnerstagabend, als es darauf ankam, waren sie da: Sie spielten extremes Pressing und den Gegner nahezu an die Wand; sie kombinierten und ließen den Ball laufen, dass es eine Freude war. Am Ende gewann der Amsterdamsche Football Club Ajax dieses Hinspiel im Viertelfinale der Europaliga gegen den FC Schalke 04 mit 2:0 (1:0). Es könnte also klappen mit dem 71. Titel, genau 100 Jahre nach dem ersten, als der Klub 1917 den niederländischen Pokal gewann. In der Meisterschaft ist auch noch alles drin, vier Spieltage vor dem Ende der Saison liegt Spitzenreiter Feyenoord nur noch einen Punkt vor Ajax. Vielleicht werden es im Jubiläumsjahr auch zwei Titel.

Und die Schalker? Sie haben ja ebenfalls in den vergangenen Wochen durchaus häufiger, vielleicht zu oft, auf ein Jubiläum verwiesen und den Mythos der Eurofighter beschworen, mithin jene Mannschaft aus Gelsenkirchen, der vor 20 Jahren, 1997 also, den Uefa-Cup gewann. Sie taten das in dem Ansinnen, diesen sensationellen Sieg mit der Mannschaft von 2017 zu wiederholen. Oder zumindest an die Möglichkeit zu glauben - auch, um die nach einem katastrophalen Start mäßige Saison in der Bundesliga zu übertünchen. Danach sieht es jetzt allerdings nicht aus, auch wenn am nächsten Donnerstag, am 20. April, die zweite Partie ansteht. Manager Christian Heidel gab zwar zu bedenken, man habe "ja oft erlebt, dass das Hinspiel einseitig läuft und das Rückspiel anders".

"Auf einen Gegner getroffen, der besser war"

Aber auch er wusste: Wenn es nach diesem für die Schalker so bitteren Abend in der mit ihren 50.000 Plätzen ausverkauften und äußerst stimmungsvollen Arena zu Amsterdam eine gute Nachricht für seine Mannschaft gab, dann die, dass sie sich glücklich schätzen kann, nicht mit 0:4 oder gar 0:5 verloren zu haben. Verdient wäre es allemal gewesen, doch Torwart Ralf Fährmann tat, was er konnte - und das war viel.  Elf Torschüsse wehrte er in teils in spektakulärer Manier ab. Wie die Datenerfasser von Opta wissen, ist das ein Rekord für diese Saison in der Europaliga. "Ralle hat heute einen Riesenbeitrag geleistet, dass wir nur 0:2 verloren haben", sagte ein sichtlich bedienter Kapitän Benedikt Höwedes.

Amsterdams Trainer Peter Bosz hatte also die Einschätzung keineswegs exklusiv, als er sagte: "Wir hätten drei oder vier Mal sicher treffen müssen." So aber blieb es bei den beiden Toren des 24 Jahre alten Kapitäns Davy Klaassen, der nach 23 Minuten per Foulelfmeter und dann noch einmal sieben Minuten nach der Pause traf. Ansonsten aber war er mit der zeitweise grandiosen Darbietung seiner im Schnitt 22 Jahre jungen Mannschaft sehr zufrieden: "Wir hatten keine Angst vor dem Gegner und haben richtig gut Fußball gespielt." Die Aussicht aufs Rückspiel trübte Bosz dann allerdings etwas zu sehr ein: "Die Chancen stehen jetzt 51:49 für uns." Allemal "een prima uitgangspositie", wie der Niederländer sagt. Sein Kollege Markus Weinzierl mochte dann auch hinterher nicht lange drumherum reden. "Wir haben heute kein gutes Spiel gemacht, haben nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten." Was sollte er auch sagen als Trainer einer Mannschaft, die an diesem Abend keine war. Seine Spieler irrten über den Rasen wie die vielen Touristen, die vor Ostern nach Amsterdam gekommen sind, bekifft - oder auch nicht - über die Fahrradwege taumeln und sich dann wundern, warum alle hier so laut klingeln und so schnell sind. "Haben uns im Zweikampf nicht so gewehrt, wie wir das hätten tun sollen." Kurzum: "Wir sind heute auf einen Gegner getroffen, der besser war. Wir haben uns von der individuelle Qualität beeindrucken lassen."

Und auf die Frage, ob denn für die Gelsenkirchener nach dieser desolaten Vorstellung das Ergebnis noch das Beste sei, antwortete Weinzierl: "Da haben sie Recht." Das klang nicht so, als glaube er an die große Wende in einer Woche in Gelsenkirchen. Er konstatierte zwar: "Wir müssen das Spiel schnell aufarbeiten und im Rückspiel eine klare Leistungssteigerung zeigen." Aber er machte nicht den Eindruck, als habe er einen Plan, wie das klappen soll. Von den Eurofightern hat hinterher übrigens niemand mehr gesprochen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema