Fußball

Euro-Lämmchen oder Eurofighter? Schalke bietet Ajax Kampf und Tränen

Bitteres Aus für die "Eurofighter 2017".

Bitteres Aus für die "Eurofighter 2017".

(Foto: picture alliance / Ina Fassbende)

Der FC Schalke 04 drängt Amsterdam an die Klippe, doch Ajax fällt nicht. Das Rückspiel des Viertelfinales in der Europaliga gewinnen die Schalker zwar, letztlich reichen 120 dramatische Minuten aber nicht zum Weiterkommen.

So dramatisch können Träume im Fußball zerplatzen. In diesem Fall der Traum des FC Schalke 04 vom Halbfinale der Europaliga. Dabei war das "kleine Wunder", von dem Angreifer Guido Burgstaller vor dem Rückspiel des Viertelfinales gegen Ajax Amsterdam gesprochen hatte, an diesem Donnerstagabend schon fast wahr geworden. Mit drei Toren Vorsprung hätten die Schalker gewinnen müssen. Mit 3:0 führten sie in der Verlängerung. Doch dann trafen Nick Viergever und der junge Deutsche Amin Younes für Ajax zum 3:2. Schalkes Träume waren endgültig zerplatzt.

"Ich habe einen kurzen Moment nicht mehr daran geglaubt", sagte der 23 Jahre alte Younes nach dem Spiel. "Unglaublich, wie wir zurückgekommen sind, ich bin unglaublich stolz auf die Mannschaft. Jetzt will ich auch ins Finale." Schalke hatte bis zur Pause der Verlängerung genau die drei Tore geliefert, die sie zum Einzug ins Halbfinale benötigt hätten. "Wir haben es heute sehr, sehr gut gemacht. Das Weiterkommen haben wir in der letzten Woche verbockt", erklärte so auch Torhüter Ralf Fährmann. Das miserable Hinspiel (0:2) war letztlich eine zu große Hypothek. Von der furchtbaren Lethargie der vergangenen Woche allerdings war von Beginn an nichts zu sehen. Die Schalker hatten angekündigt, zu kämpfen - und sie kämpften. "Ich kann den Spielern nur ein Kompliment für eine gute Leistung machen", sagte Trainer Markus Weinzierl. "Wir haben sehr viel Moral gezeigt. Wenn du so toll fightest und dann doch ausscheidest, ist das einfach brutal bitter."

Schalke - Amsterdem 3:2 (2:0, 0:0) n.V.

Tore: 1:0 Goretzka (53.), 2:0 Burgstaller (56.), 3:0 Caligiuri  (101.), 3:1 Viergever (111.), 3:2 Younes (120.)
FC Schalke 04: Fährmann - Riether (112.  Avdijaj), Höwedes, Nastasic, Kolasinac - Stambouli (53. Huntelaar),  Bentaleb - Caligiuri, Goretzka (84. Geis), Meyer -  Burgstaller. - Trainer: Weinzierl
Ajax Amsterdam: Onana - Veltman, Sanchez, de Ligt, Viergever -   Ziyech, Schöne (73. van de Beek), Klaassen - Kluivert (61. Dolberg),  Traore (82. Tete), Younes. - Trainer: Bosz
Schiedsrichter: Hategan (Rumänien)
Zuschauer: 53.701
Schüsse: 18:19 Ecken: 4:10
Ballbesitz: 55:45% Zweikämpfe: 117:108

"Mit zehn Mann Charakter bewiesen"

Nach nicht einmal einer Minute hatte Leon Goretzka die erste Chance, der Ball trudelte nur knapp am Tor vorbei. Meyer legte nach 111 Sekunden nach, kam dem Tor noch näher - Pfosten. Es entwickelte sich ein munteres Spiel, auch Ajax griff an - vor allem über links. Über Younes, dessen Gegenspieler, Sascha Riether, so seine Probleme mit der quirligen Art des 23-Jährigen hatte. Der 34-jährige Oldie in Schalkes Startelf hatte seit Dezember 2016 nicht gespielt und musste nun die Aufgaben des gesperrten Thilo Kehrers übernehmen. "Ich habe mich gefreut, gerade bei so einem besonderen Spiel."

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In der Halbzeitpause prophezeite Kehrer im Sky-Interview zwei Tore, die er in der zweiten Hälfte von seiner Mannschaft sehen wird. Und er sollte recht behalten. In der 53. Minute traf Goretzka nach Zusammenspiel mit Burgstaller zum 1:0, Burgstaller erhöhte nach einer Flanke von Sead Kolasinac nur drei Minuten später zum 2:0. Das Wunder von Schalke war zum Greifen nah. Zumal Ajax ab der 80. Minute aufgrund der Ampelkarte für Joel Veltman nur noch zu zehnt spielte. "Wir haben zwar nicht unser bestes Spiel gezeigt, aber trotzdem unser Ziel erreicht - und das am Ende sogar in Unterzahl. Meine Mannschaft hat mit zehn Mann Charakter bewiesen", erklärte Ajax-Trainer Peter Bosz.

Charakter bewiesen zunächst weiterhin auch die Schalker. Daniel Caligiuri brachte in der 100. Minute die Massen in der Veltins-Arena zum Kochen, als er den nötigen Torvorsprung für den Einzug ins Halbfinale herstellte. Erinnerungen an Zeiten der Eurofighter wurden wach. Doch Ajax hatte offenbar keine Lust auf alte Zeiten. Ihre Zeit ist jetzt, denn Viergever (111.) und schließlich Younes schossen Ajax ins Halbfinale.  

"Ajax fährt als glücklicher Verlierer nach Hause“, konstatierte Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes. "Das ist unglaublich bitter und enttäuschend. Der Fußballgott ist nicht immer gerecht. Wir haben hier lange Zeit einen wunderbaren Europapokal-Abend erlebt, und dann macht Ajax aus keiner Chance entscheidende Treffer. Es sollte einfach nicht sein."

Und Torschütze Caligiuri ergänzte: "Wir haben alles gegeben und können uns keinen Vorwurf machen." Doch, einen kleinen schon. "In Amsterdam waren wir die Euro-Lämmchen, heute waren wir die Eurofighter", bringt es Riether auf den Punkt. Für Schalke und für den deutschen Fußball insgesamt - denn nun ist keine Bundesliga-Mannschaft in einem europäischen Halbfinale vertreten.

Quelle: n-tv.de

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