Fußball

FC Bayern im Alleingang erlegt Ronaldo inszeniert sich als Weltfußballer

So sieht königliche Überzeugung aus: Cristiano Ronaldo und Marcelo.

So sieht königliche Überzeugung aus: Cristiano Ronaldo und Marcelo.

(Foto: imago/VI Images)

Cristiano Ronaldo zerlegt auch im Viertelfinal-Rückspiel der Fußball-Champions-League den FC Bayern. Dass zwei seiner drei Tore nicht hätten zählen dürfen, ist ihm egal. Er feiert sich und sein Real. Und er hat eine Bitte an die Fans.

Marcelo hätte es freilich auch selbst machen können. Der Weg war frei. Der überragend gute Brasilianer allein vor Bayern-Keeper Manuel Neuer. Aber Marcelo machte es nicht selbst. Er legte quer. Denn dort stand - noch ein wenig freier, wenn auch im (nicht geahndeten) Abseits - Cristiano Ronaldo. Der königliche Superstar der königlichen Superstars von Real Madrid. Der Mann, der, wie könnte es auch anders sein, in dieser 109. Minute des Viertelfinal-Rückspiels in der Champions-League gegen den FC Bayern München das endgültig entscheidende 3:2 machte, der dadurch seinen unfassbaren 100. Treffer in der Königsklasse feierte, der damit sein fünftes Tor in den beiden K.o.-Duellen gegen den deutschen Rekordmeister schoss und der einmal mehr klarmachte, dass er nach wie vor die größte Attraktion im Weltfußball ist. Ob man ihn nun mag oder nicht.

Cristiano Ronaldo jedenfalls fand, dass er sich selbst und man ihn an diesem Abend durchaus feiern dürfte. Er tat das gewohnt extrovertiert mit seinem Vorlagen-Buddy Marcelo an der Eckfahne: Linker Arm nach vorne, rechter Arm nach vorne. beide Arme überkreuzt zum Kopf, dann springen, die Arme nach unten und breitbeinig landen. Ein Fingerzeig auf sich und wohl auch auf das Real-Logo, pushende Gesten ins Publikum. Überzeugender kann man seine eigene Überzeugung optisch kaum ausdrücken. Wen interessiert es da schon, dass zwei seiner Tore beim 4:2-Erfolg (0:0, 1:2), nämlich die entscheidenden zum 2:2 und 3:2 wegen Abseits eigentlich nicht hätten zählen dürfen. Nun die Bayern, klar, die zogen folglich verbal auch tüchtig über den Schiedsrichter her und waren spanischen Berichten zufolge mit den aufgebrachten Stars Thiago, Robert Lewandowski und Gelb-Rot-Sünder Arturo Vidal sogar bereit die Kabine des Herrn Kassai zu stürmen. Was die Polizei wohl verhinderte und der Klub später dementierte.

Video

Nun, sei's drum. Für Ronaldo bloß irrelevante Nebenschauplätze. Der zigfache Weltfußballer befand nach seiner Fünf-Tore-Gala aus Hin- (2:1) und Rückspiel, dass "es keinen Zweifel gibt, dass Real Madrid besser war." Und dieses Real Madrid, klar, das war in den 210 plus X Minuten gegen die Münchner vor allem er. "Es war schwer, noch großartiger zu sein ... und er war es: Don Cristiano Ronaldo", feierte die Zeitung "AS" entsprechend überschwänglich, während ihn die "Marca" zum "König von Europa" erhob und beinahe schon triumphierend anerkannte: "Cristiano Ronaldo zeigt erneut, dass die Champions League sein Wettbewerb ist."

"Wir sind glücklich, Ronaldo zu haben"

Mitleid mit dem FC Bayern, Verständnis gar für dessen Wut? Nun, die brachte nur das Blatt "Sport" auf. Die Zeitung allerdings steht eben auch dem FC Barcelona nah und pflegt eine offene Abneigung gegen die Madrilenen und vor allem gegen deren Superstar: "Madrid kommt durch einen Skandal weiter. Cristiano erzielt sein zweites Tor aus eklatanter Abseitsposition in der Verlängerung." Mit dem vermeintlichen Skandal wollten sich die "Königlichen" indes nicht lange aufhalten. Coach Zinedine Zidane erklärte: "Wir haben gegen ein Topteam gespielt und es war sehr eng. Wir haben gekämpft und am Ende können wir glücklich sein, dass wir im Halbfinale stehen Natürlich kann ich den Ärger der Bayern verstehen, aber am Ende sind wir verdient weitergekommen. Wir sind glücklich, Ronaldo zu haben. Er macht den Unterschied aus."

Diese nette Wertschätzung nahm der Superstar nur allzu gerne entgegen. Vor allem weil es zuletzt immer häufiger Kritik an den Leistungen des Europameisters gegeben hatte - die häufiger nur noch gewöhnlich oder gut, nicht aber mehr herausragend waren. In der spanischen Presse sah man das so. Die eigenen, im Stadion zunehmend ihren Unmut äußernden Fans ebenfalls. Und auch Fußball-Experten. "Ich habe den absoluten Hunger bei ihm nicht mehr gesehen", urteilte beispielsweise der ehemalige deutsche Real-Spieler Bernd Schuster jüngst in einem Interview mit der "Welt" und schob nach: "Früher konnte er 4:0 führen, und er wollte trotzdem unbedingt noch zwei Tore schießen. Er war darin regelrecht aggressiv. Und noch ein Tor, wenigstens ein Elfmeter. Das ist vorbei."

Nun, diese These hat Ronaldo mit seinem Rückspiel-Hattrick zumindest vorübergehend so deutlich widerlegt wie nur möglich. Und konnte sich danach einen kleinen Hieb in Richtung eigener Anhänger nicht verkneifen: "Ich möchte die Fans im Bernabeu bitten, mich niemals auszupfeifen. Ich gebe immer mein Bestes. Die Mannschaft war gut, wir haben gut gespielt". Und, natürlich, "bin ich zufrieden mit meinen Toren." Abseits? Ach, bitte. Ronaldo hat sich in den Duellen mit dem FC Bayern im internationalen Fußball zurückgemeldet. Inszeniert wie ein Weltfußballer. Phasenweise auch wieder gespielt wie einer.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema