Vor einer Woche feierte RB Leipzig noch einen Kantersieg gegen Eintracht Frankfurt, schoss die Adler mit einer 6:0-Packung zurück an den Main. Nach einem 1:0 in der Champions League gegen PSV Eindhoven unter Woche keimte in Leipzig die Hoffnung, das Team von Martin Demichelis habe sich nach einem schwachen Saisonstart gefangen. Der FC Bayern hat dieses zarte Pflänzchen in FC-Bayern-Manier am Samstagabend gnadenlos zertrampelt.
Das 6:1 offenbarte einen eklatanten Klassenunterschied. Ein RB-Sprecher sprach zu Beginn der anschließenden Pressekonferenz sogar von einem 0:6 und unterschlug den Ehrentreffer der Gäste durch Andrija Maksimovic in der Nachspielzeit - es blieb schlichtweg nichts Positives aus Leipziger Sicht. Der Frust bei dem ambitionierten Klub, der sich selbst so gerne als erster Bayern-Herausforderer sieht, sitzt tief.
"Es war ein komplettes Versagen von uns in allen Bereichen", schimpfte Sportchef Marcel Schäfer. Trainer Demichelis, früher Bayern-Profi, assistierte: "Du kannst hier in der Allianz Arena verlieren, das wissen wir, das weiß jeder. Aber nicht so! Das Wichtigste ist, unseren Fans 'Entschuldigung' zu sagen, die hierhergefahren oder geflogen sind."
Leipzigs Torwart der mit Abstand beste Bulle
Die Demontage kommt zur Unzeit. Schon am kommenden Mittwoch geht es in der Champions League weiter - bei niemand geringerem als Real Madrid um die Offensivstars Kylian Mbappé und Vinicius Jr. Demichelis wünscht, dass sich seine Spieler einmal "blitzdingsen" wie die "Men in Black" - sprich: einmal den Reset-Knopf drücken. "Von dem Spiel heute gibt es nicht viele gute Dinge mitzunehmen", erkannte der Argentinier: "Deswegen müssen wir alles, was wir heute hier gemacht haben, so schnell wie möglich vergessen."

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Die Leipziger ließen sich in München von den im Vorfeld leicht kriselnden Bayern von Beginn an total überrollen. Schon nach wenigen Sekunden gab Stürmerstar Harry Kane seinen ersten Schuss aufs Tor ab, nach zwölf Minuten klingelte es erstmals. Der zuletzt formschwache Luis Diaz eröffnete den Torreigen und traf später weitere zweimal (47./69.). Auch Michael Olise (34.), in der Königsklasse von Viking Stavanger noch entnervt mit Rot geflogen, netzte, Kane sowieso (53.), und sogar Sechser Aleksandar Pavlovic trug sich in die Torschützenliste ein.
Bezeichnend aus RB-Sicht: Torwart Maarten Vandevoordt machte ein starkes Spiel und vereitelte etliche weitere Gegentore. "Wir waren in allen Bereichen einfach komplett unterlegen, wir waren in allen Bereichen chancenlos. Wir hatten einen außergewöhnlich schlechten Tag heute und die Bayern auch noch einen guten. Dementsprechend muss man sagen, waren wir mit den sechs Toren dann einfach noch gut bedient", resümierte Sportchef Schäfer. Er kündigte mit Blick auf das Spiel in Madrid eine schonungslose Analyse an. "Heute haben wir gesehen, was eine Lehrstunde für uns war, was es bedeutet, wirklich teilweise auf Weltklasseniveau oder auf Topniveau zu agieren. Und da haben wir sehr, sehr, sehr viel Arbeit vor uns."

