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DFB-Langweiler gibt Löw Hinweise Gündogan ist Deutschlands Papierflieger

Bei seiner Rückkehr dynamisch: Ilkay Gündogan (l.)

Bei seiner Rückkehr dynamisch: Ilkay Gündogan (l.)

(Foto: imago/Chai v.d. Laage)

Der deutsche Testspiel-November ist seit jeher grau, so auch im Wembleystadion. So frustrierend solche Spiele sein mögen, so sehr bringen sie das Kader-Casting von Fußball-Bundestrainer Joachim Löw weiter.

Um kurz vor 23 Uhr englischer Zeit war maximale Ruhe eingekehrt im an diesem Freitagabend ohnehin nicht besonders lauten Wembleystadion. Zwei Ordner mit Müllpieksern waren auf dem Rasen in aller britischen Unaufgeregtheit bemüht, jene geschätzte 87 Papierflieger einzusammeln, die es in der zweiten Halbzeit nicht von den Tribünen auf den Rasen, sondern nur knapp an oder deutlich hinter die Spielfeldbegrenzungslinien geschafft hatten. Zwei weitere Ordner schoben ebenfalls noch Dienst. Sie mähten das Grün. Warum sie das taten? Es ist ihr Job. Notwendig war's allerdings nicht, denn zarter, respektvoller und viel höflicher als in der Vergangenheit gingen Engländer und Deutsche beim über 90 Minuten immer mauer werdenden 0:0 vor 81.382 Zuschauern miteinander um. Ein denkwürdiger Klassiker? Sicher nicht.

Ein "klasse Testspiel" aber allemal. So empfand es zumindest Bundestrainer Joachim Löw. Das ist eine durchaus interessante Einschätzung. Er war bemüht, seiner Botschaft mit etwas mehr Kraft in der Stimme Nachdruck zu verleihen. Nachdem seine Sätze zuvor extrem routiniert und monoton-belanglos verhallt waren. So habe es seine Elf in der ersten Halbzeit gegen die jungen Engländer "schon auch gut gemacht", aber "beide Mannschaften haben auch Wert darauf gelegt, gut organisiert zu sein und nicht in Konter zu laufen." Nach der großen Erkenntnis im ausgerufenen härtesten deutschen Fußballer-Casting für die angepeilte Titelverteidigung im kommenden Jahr bei der Weltmeisterschaft in Russland klingt das indes nicht.

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Was bringt so ein Spiel?

Es ist aber auch keine alarmierende Nachricht, dass ein Testspiel zum Jahresausklang - ein zweites gibt's noch am Dienstag in Köln gegen Frankreich (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) - nicht das große Ganze im deutschen Kader durcheinandermischt. Denn so war es in den vergangenen Jahren, in denen die Nationalmannschaft bei Turnieren durchaus erfolgreich spielte, ja auch nicht. Weder 2012 beim 0:0 gegen die Niederlande, noch ein Jahr später beim 1:1 in Italien oder aber dem 1:0-Erfolg in England. 2014 gewann die DFB-Elf zwar mit 1:0 in Spanien, 2015 unterlag sie dagegen in Paris beim vom IS-Terror überschatteten Spiel mit 0:2 in Frankreich. Im vergangenen Jahr gab es dann ein ganz schnell wieder vergessenes 0:0 in Italien und nun halt das von zwei Rumpftrüppchen erspielte nächste torlose Remis.

Was also bringt so ein Spiel? Nun, es liefert eben doch Erkenntnisse. Kleine halt. Nuancen vielleicht sogar nur. Die aber dann, wenn der endgültige Kader für die ganz großen Liveshows zwischen St. Petersburg und Sotschi nominiert wird, in die Gesamtrechnung eingehen. Ein wohlwollendes Häkchen im Notizbuch des Bundestrainers darf etwa Ilkay Gündogan verbuchen. Der war nach erneuter, ewiger Verletztenmisere erstmals seit ziemlich genau einem Jahr wieder Teil des Teams - und sofort ihr Anführer, ihr Taktgeber, ihr Bessermacher. Was auch an der Abwesenheit von Mittelfeldchef Toni Kroos lag, aber noch viel mehr an Gündogans Ideen, seinen Zuspielen.

Löw hatte den Spielmacher von Manchester City bei dessen Comeback direkt zurück in die erste Elf beordert. Auf die Sechserposition im zentralen Mittelfeld. Dorthin, wo sich der 27-Jährige am wohlsten fühlt, wo er seine strategischen Fähigkeiten am effektivsten für die Mannschaft ausspielen kann. Sein Gefühl für den Raum, sein Talent, mit einem Pass das Maximum an Gefahr zu kreieren. Wie beispielsweise in der 23. Minute, als er Timo Werner überragend im Vollsprint bediente, der allerdings ebenso wie sein City-Kollege Leroy Sané und Julian Draxler binnen Sekunden den erfolgreichen Torabschluss verweigerte.

"Ich bin glücklich, dass ich spielen durfte", erklärte Gündogan später. "Es hat gut getan, aber mir fehlt noch etwas der Rhythmus." Den vermisste der nun wieder routiniert-monotone Bundestrainer generell im deutschen Spiel. "Wir hätten eigentlich im Umschaltspiel nach vorne noch besser agieren können." Kritik an Gündogan? Eher nicht. Denn neben dem ewig wuseligen Sané und dem souveränen Abwehrchef Mats Hummels war er der auffälligste Deutsche. Auffällig wie die Papierflieger von Wembley - ob sie nun auf dem Spielfeld landeten, oder auch nicht. Aber es ist ja auch erst November.

Quelle: n-tv.de

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