Fußball

Peter Crouch parodiert sich Giraffenmann beherrscht Ball und Komik

Staksig und ungelenk - sein Auftreten ist Peter Crouchs Markenzeichen.

Staksig und ungelenk - sein Auftreten ist Peter Crouchs Markenzeichen.

(Foto: imago/PA Images)

Peter Crouch symbolisiert das staksige, ungelenke, international erfolglose England - und macht sich einen Spaß daraus. Mit 36 Jahren hat er immer noch Ambitionen, bewundert unser Kolumnist.

Gerade war wieder Zeit für die Nominierungen. Englands Nationaltrainer Gareth Southgate hat den Kader für die Testspiele gegen Deutschland und Brasilien berufen - und es sind alle Spieler-Kategorien vertreten. Er lud die gestandenen Kräfte ein, ein paar Neulinge, deren Namen auf der anderen Seite des Ärmelkanals eher unbekannt sein dürften, und auch einen Rückkehrer. Zum ersten Mal seit 2014 wurde Ashley Young von Manchester United wieder mit einer Einladung bedacht.

Peter Crouch wurde nicht nominiert, dabei wäre auch er ein guter Rückkehrer gewesen, er hatte doch neulich erst offensiv eine Bewerbung formuliert. Er hoffe, dass er sich bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Russland einbringen könne, sagte er, nachdem er seinen Klub Stoke City Ende September zu einem 2:1-Erfolg gegen den FC Southampton geschossen hatte. Dann lachte er.

Hendrik Buchheister, Jahrgang 1986, ist freier Journalist, schreibt nicht nur über Fußball und berichtet seit dieser Saison aus Manchester über das sportliche Geschehen in England. Just ist sein Buch "Choreo - Kunstwerke aus deutschen Fußball-Fankurven" erschienen.

Hendrik Buchheister, Jahrgang 1986, ist freier Journalist, schreibt nicht nur über Fußball und berichtet seit dieser Saison aus Manchester über das sportliche Geschehen in England. Just ist sein Buch "Choreo - Kunstwerke aus deutschen Fußball-Fankurven" erschienen.

(Foto: Verena Knemeyer)

Über sich selbst Witze zu machen ist eine Kunst, die im Milliardenbetrieb Profifußball nur wenige Protagonisten beherrschen, aber Crouch, ehemals unter anderem bei Tottenham, Portsmouth und Liverpool beschäftigt, ist in dieser Disziplin hoch begabt. Einen Klassiker schuf er 2007, als er in einem Interview angab, dass er, wäre er nicht Fußballer geworden, wohl Jungfrau geblieben wäre. Dafür wurde er zum witzigsten Mann im britischen Sport gewählt.

Ein Jubel als Parodie

Im Sommer setzte er aus dem Urlaub auf Sardinien bei Twitter ein Foto ab, auf dem er mit zwei Giraffen zu sehen war. Dazu schrieb er, dass es immer schön sei, Zeit mit der Familie zu verbringen. Als Englands U17-Nationalmannschaft gerade in Indien den nächsten Weltmeistertitel für den Fußball-Nachwuchs des Landes holte, beschwerte sich Crouch, dass die Jugend keine Achtung mehr vor Tradition habe. Bei WM-Turnieren erfolgreich sein, das sei nicht besonders englisch.

Crouch, dieser mehr als zwei Meter große und sehr komische Giraffenmann, ist tatsächlich das Sinnbild des staksigen, ungelenken und international erfolglosen Englands. Es gibt eine Szene von ihm von der Weltmeisterschaft 2006, in der er einen Seitfallzieher versucht und den Ball nur mit dem Schienbein trifft, das Spielgerät geht weit am Tor vorbei. Beim gleichen Turnier gelang ihm ein Tor gegen Trinidad und Tobago, er stieg in die Luft und köpfte den Ball ins Netz. In der Wiederholung war zu erkennen, dass er sich dabei an den Rastazöpfen seines Gegenspielers festgehalten hatte. Solcher Tricks mussten sich die Engländer bedienen, selbst gegen Mannschaften, die auf der Fußball-Weltkarte keine Bedeutung haben. Crouch hat allerdings nie versucht, besser und eleganter zu wirken, als er ist. Sein berühmter Roboter-Jubel ist eine Parodie auf sich selbst und auf seinen eigenartigen Bewegungsablauf.

Crouch hat noch nicht genug

Umso erstaunlicher ist es, dass Crouch immer noch spielt, auch im Alter von 36 Jahren - und dass er immer noch Tore schießt. Beim 2:2 von Stoke City am Wochenende gegen Leicester gelang ihm sein dritter Treffer in dieser Saison, alle erzielte er als Einwechselspieler. Es ist schon lustig, dass es im hoch technisierten, zur Wissenschaft erhobenen Fußball der Moderne eine funktionierende Strategie ist, einfach einen zwei Meter großen Komiker ins Spiel zu bringen.

Die "Times" hat gerade eine interessante Statistik veröffentlicht, die Crouchs Status als Inventar der Premier League illustriert. Knapp 57 Prozent seiner Tore schoss er vor seinem 30. Geburtstag, aber immerhin auch mehr als 43 Prozent danach. Er hat sein fußballerisches Lebenswerk gleichmäßig verteilt - und er hat dieses Werk noch nicht fertiggestellt. Gerade hat er sich über seine Rolle als Reservist beklagt und angegeben, dass er gerne öfter von Anfang an spielen würde. Er lachte danach nicht. Er meinte das tatsächlich ernst.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema