Fußball

"You'll Never Walk Alone" Fans trotzen dem Wahnsinn etwas Gutes ab

Ein Kommentar von Stefan Giannakoulis

Niemals alleine: Fans am Mittwochmorgen vor dem Trainingsgelände der Dortmunder Borussia.

Niemals alleine: Fans am Mittwochmorgen vor dem Trainingsgelände der Dortmunder Borussia.

(Foto: dpa)

Die Solidarität der Fans ist keine Heldentat - sie ist einfach schön. Nach dem Anschlag auf den Bus der Dortmunder Fußballer bleibt die Erkenntnis, dass es neben der schlechten auch eine gute Nachricht gibt.

Dieses "You'll Never Walk Alone" ist mittlerweile so abgedroschen, dass man es kaum noch hören mag. Dieses "You'll Never Walk Alone" hat selten zuvor so gut gepasst wie nach dem Anschlag auf den Bus der Dortmunder Fußballer am Dienstagabend. Wenn es an dieser schlechten Nachricht irgendetwas Gutes gibt, dann ist es die Erkenntnis, dass sich die Fans des BVB und die Fans der AS Monaco in diesen schweren Stunden tatsächlich nicht alleine gelassen haben. Dieser Trost muss kein schwacher sein.

Um es ganz klar zu sagen: Das alles ist eine ganz große Scheiße. Es geht doch um Fußball und um die Freude an diesem großartigen Sport. Die mehr als 60.000 Menschen waren ins Westfalenstadion gekommen, um sich ein Spiel in der Champions League anzuschauen. Wer auch immer die drei Sprengsätze deponiert, gezündet, einen Polizisten und den Dortmunder Spieler Marc Bartra verletzt und seine Kollegen in Angst und Schrecken versetzt hat - er möge für den Rest seines Lebens alleine bleiben. Und erkennen, dass er nichts, gar nichts erreicht hat.

Keine Heldentat, einfach schön

Die Solidarität der Fans ist keine Heldentat, es geht nicht darum, ins Gefühlige abzugleiten und zutiefst menschliche Reaktionen zu überhöhen. Es geht darum, festzuhalten, dass sie in Dortmund diese Krisensituation wirklich gut gemeistert haben. Stadionsprecher Nobert Dickel hielt die Zuschauer stets auf dem Laufenden und sorgte so für Ruhe. Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer, erklärte die Lage auf dem Rasen. Das war professionell, das war gut. Die Fans reagierten ruhig, besonnen und, ja, solidarisch.

Das zeigte sich vor allem bei der Aktion, die Fans unter dem Hashtag #bedforawayfans bei Twitter starteten. Menschen aus Dortmund und der Region boten den Fans der Gäste an, bei ihnen zu übernachten. Und wenig später liefen dann die ersten Bilder ein, auf denen Menschen in schwarz-gelben und Menschen in rot-weißen Trikots gemeinsam am Tisch sitzen, gemeinsam essen, trinken - und fröhlich in die Kamera schauen. Sie lächeln gegen die Gewalt, sie setzen dem Wahnsinn eine im wahren Sinne des Wortes entwaffnende Normalität entgegen. Sie lassen sich nicht alleine.

Das wird auch heute im Westfalenstadion zu spüren sein, wenn es ab viertel vor sieben wieder um Fußball gehen soll. Wir dürfen uns alle darauf freuen, dass sie in Dortmund wieder singen: "You'll Never Walk Alone!" Und es tatsächlich auch so meinen.

Quelle: n-tv.de

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