Fußball

"Auf Leihbasis zum Injury FC" England feiert teure Twitterperle Mendy

Twitter-Original und Klasse-Kicker: Benjamin Mendy.

Twitter-Original und Klasse-Kicker: Benjamin Mendy.

(Foto: imago/VI Images)

Der französische Fußballprofi Benjamin Mendy ist seit dieser Saison in England beschäftigt - und hat sich schon als Social-Media-König etabliert. So schmerzfrei wie Man Citys Verteidiger muss man erstmal sein, meint unser Kolumnist.

Die Transfers, die Manchester City im Sommer getätigt hat, waren ziemlich erstaunlich, aus drei Gründen. Grund eins: Der Fußball-Klub hat so viel Geld ausgegeben wie kein anderer Verein der Premier League. Grund zwei: Er hat das Geld nicht wie üblich in Mittelfelddribbler und Angreifer investiert. Also in die Abteilungen, die dafür zuständig sind, den Sinn des Spiels zu erfüllen: nämlich Tore zu schießen. Sondern vor allem in die Sektionen, die das Gegenteil bezwecken sollen, es kamen ein Torwart und mehrere Abwehrspieler. Und Grund drei: der teuerste Einkauf ist gar nicht auf dem Platz am wertvollsten – sondern an seinem Handy.

Der Linksverteidiger Benjamin Mendy hat seinen Arbeitsplatz gerade erst vom AS Monaco nach Manchester verlegt, für angeblich fast 60 Millionen Euro, doch er hat sich schon jetzt als Social-Media-König der Liga etabliert, und er wird in dieser Saison vor allem in dieser Rolle im Einsatz sein, weil er sich das Kreuzband gerissen hat und bis ins Frühjahr ausfällt. Kein anderer Profi twittert so offensichtlich echt, so lustig, auch so selbstironisch wie der 23 Jahre junge Franzose.

Hendrik Buchheister, Jahrgang 1986, ist freier Journalist, schreibt nicht nur über Fußball und berichtet seit dieser Saison aus Manchester über das sportliche Geschehen in England. Just ist sein Buch "Choreo - Kunstwerke aus deutschen Fußball-Fankurven" erschienen.

Hendrik Buchheister, Jahrgang 1986, ist freier Journalist, schreibt nicht nur über Fußball und berichtet seit dieser Saison aus Manchester über das sportliche Geschehen in England. Just ist sein Buch "Choreo - Kunstwerke aus deutschen Fußball-Fankurven" erschienen.

(Foto: Verena Knemeyer)

Er unterscheidet sich herrlich von den vielen Profis, die ihre digitalen Kanäle vor allem dazu nutzen, die neusten Modelle ihres Schuh-Herstellers zu bewerben. Die sich zu wandelnden Werbeflächen degradieren und nicht einmal mehr den Eindruck erwecken wollen, dass das, was sie in die Welt versenden (oder von ihren Agenten versenden lassen), noch irgendwas mit ihnen zu tun hätte. Mendy beweist, dass es auch als Profi in der Premier League noch möglich ist, sich wie ein Mensch zu verhalten. Wie ein sehr reicher, sehr privilegierter Mensch natürlich. Aber immerhin: wie ein Mensch.

So schmerzfrei muss man erstmal sein...

Der Umgang mit seiner Verletzung, erlitten vor einem Monat in der Liga gegen Crystal Palace, ist dafür die perfekte Studie. Als er neulich über Twitter gefragt wurde, ob er zufrieden sei mit seiner Bewertung in einem neuen Fußball-Computerspiel, antwortet er: auf Krücken vielleicht. Haha. Als klar war, dass er länger ausfallen würde, verzichtete er dankenswerter Weise auf einen pathetischen Hashtag, sondern schrieb, dass er sich für ein paar Monate auf Leihbasis dem "Injury FC" anschließen werden, dem Verletzten-Fußballklub sozusagen. Auch lustig.

Und kurz vor seiner Operation verschickte er ein Video, das ihn im blauen Patientenkittel und mit grüner Kopfhaube zeigte. Erstaunlich. Einer der teuersten Fußballer des Planeten lässt den Planeten daran teilhaben, wie er in einem lächerlichen Aufzug in den OP-Saal geschoben wird. So viel Distanz zu sich selbst muss man erstmal haben. Oder, was natürlich komisch klingt im Zusammenhang mit seiner Verletzung: so schmerzfrei muss man erstmal sein.

Dass Mendy im Moment nicht mitspielen kann, bedeutet natürlich nicht, dass er nicht an den Partien von Manchester City teilhaben würde. Er twittert vom Krankenbett wie viele Fans vom heimischen Sofa oder aus der Stammkneipe twittern würden. Er ist der vermutlich teuerste Livetickerer der Welt. Als City-Torwart Ederson in der vergangenen Woche in der Champions League gegen Neapel einen Elfmeter hielt, verschickte er ein Bild einer Mauer. Als Ederson später ein Tor kassierte, durch einen zweiten Elfmeter, schickte Mendy ein Update, ein Bild einer Mauer mit einem ballrunden Loch. Wegen seines Humors sieht man sogar darüber hinweg, dass er wie jeder handelsübliche Profi - und jeder handelsübliche Teenager – zur inflationären Verwendung von Bros und Lols und Smileys neigt. Die jungen Leute halt. 

Es ist ja hoch erfreulich, dass ein Fußballer die Leichtigkeit behält, dass er ein Scherzbold bleibt, obwohl er verletzt ist. Obwohl er monatelang nicht machen kann, was er am liebsten macht, nämlich Fußball spielen. Obwohl er wegen der Schnelllebigkeit des Geschäfts in jeder Sekunde darum fürchten muss, dass sich, wenn er wieder gesund ist, ein anderer Spieler auf seiner Position etabliert hat. Im Grunde ist Mendy ein Vorbild im Umgang mit Rückschlägen, mit schwierigen Situationen. Im Umgang mit Twitter ist er das sowieso.

Quelle: n-tv.de

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