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So läuft die Revanche gegen Ajax Ein junger Deutscher steht Schalke im Weg

Dribbeln kann er: Amin Younes, hier im Hinspiel mit den Schalkern Leon Goretzka und Thilo Kehrer.

Dribbeln kann er: Amin Younes, hier im Hinspiel mit den Schalkern Leon Goretzka und Thilo Kehrer.

(Foto: dpa)

Die Schalker müssen um ihrem Ruf als Eurofighter kämpfen. Nach dem 0:2 im Hinspiel des Viertelfinales bei Ajax Amsterdam wird das verdammt harte Arbeit. Angreifer Guido Burgstaller spricht gar von einem "kleinen Wunder", das nötig sei.

Worum geht’s?

Um den Einzug ins Halbfinale der Fußball-Europaliga (ab 21.05 im n-tv.de-Liveticker). Dabei ist die Situation für den FC Schalke 04 nicht einfacher geworden. Nach den Niederlagen der Dortmunder Borussia und des FC Bayern in der Champions League stellen die Gelsenkirchener den letzten Bundesligisten in einem europäischen Wettbewerb. Und es wäre doch wohl kein gutes Jahr für den deutschen Fußball, wenn nicht zumindest eine Mannschaft das Halbfinale erreicht. Offenbar aber haben selbst die Schalker Verantwortlichen keine große Hoffnung mehr. Korrigieren wir also, worum es wirklich geht: Klubchef Clemens Tönnies ist es laut "Bild"-Zeitung am Wichtigsten, "dass das Team sich nach dem Schlusspfiff für nichts entschuldigen muss, weil es alles gegeben hat". Selbst die Fans hätten verlauten lassen, dass ein Ausscheiden okay wäre, wenn man sich nur anständig präsentiert, fügt Sportdirektor Axel Schuster an. Klingt total optimistisch.

Wie ist die Ausgangslage?

Für die Schalker richtig mies. Das Hinspiel vor einer Woche in Amsterdam gewann Ajax mit 2:0 und war dabei in jeder Hinsicht überlegen. Gedanklich schneller, spielerisch cleverer, williger - es war kein gutes Spiel der Schalker. Und so spricht Stürmer Guido Burgstaller bei Sport1 gar davon, dass sein Team ein "kleines Wunder" schaffen müsse. "Wir wissen, dass Ajax Amsterdam eine Riesenqualität hat, das hat man gesehen. Aber ich glaube, wenn wir zuhause mutiger und offensiver auftreten, als in Amsterdam, dann ist einiges möglich." Bester Schalker im Hinspiel war Torwart Ralf Fährmann, der sich - es passt zu seiner persönlichen Form - angriffslustig gibt: "Wir sind Schalke, wir stehen immer wieder auf." Bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt. Und es findet sich durchaus Positives: In allen Europaliga-Heimspielen dieser Saison ist Schalke ungeschlagen. Die drei Gruppenspiele endeten mit zwei Toren Vorsprung, beide K.o.-Duelle - gegen PAOK Saloniki und Borussia Mönchengladbach - endeten allerdings 1:1. Ein Blick in die Historie zeigt zudem, dass die Duelle gegen niederländische Vereine Grund zur Hoffnung bieten: Bislang gab es drei Heimsiege - und bei allen gewann Schalke mit einem Drei-Tore-Vorsprung, was ja auch heute für ein Weiterkommen reichen würde.

Schalke - Amsterdam, 21 Uhr

Fußballclub Gelsenkirchen-Schalke 04: Fährmann - Riether, Höwedes, Nastasic, Kolasinac - Goretzka, Bentaleb - Caligiuri, Meyer, Schöpf - Burgstaller. - Trainer: Weinzierl.
Amsterdamsche Football Club Ajax: Onana - Veltman, Sanchez, de Ligt, Vier- gever - Klaassen, Schöne, Ziyech - David Neres, Dolberg, Younes. Trainer: Bosz.
Schiedsrichter: Ovidiu Hategan (Rumänien)

Wie ist Schalke drauf?

Gelinde gesagt: mäßig. Allzu viel Grund für Optimismus hat die Mannschaft des längst nicht mehr unumstrittenen Trainers Markus Weinzierl zuletzt nicht geboten. In der Bundesliga fing sie sich am Sonntag eine peinliche 1:2-Niederlage gegen Fast-Sicher-Absteiger Darmstadt 98 ein. Überhaupt stehen aus den jüngsten fünf Bundesligapartien nur zwei Siege zu Buche - und immerhin ein 1:1 gegen den Lieblingsrivalen aus Dortmund. Weinzierl aber gibt sich optimistisch: "Vor zehn Tagen haben wir 4:1 gegen Wolfsburg gewonnen, davor 3:0 gegen Augsburg. Da hat es nach vorne gut ausgesehen. Wir brauchen ein frühes Tor, dann ist alles möglich." Nun gut. Immerhin gibt es, trotz großer Personalsorgen, einen Grund zur Freude: Kapitän Benedikt Höwedes kann wohl auflaufen. Nach Wadenproblemen sei das Risiko "vom Gefühl nicht so hoch", sagte Schuster. Allein schon seine Präsenz und seine Leidenschaft sind für das Team enorm wichtig. Und auch Sead Kolasinac wird voraussichtlich spielen - obwohl er nicht hundertprozentig fit ist und wegen muskulärer Probleme unter der Woche sogar bei Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München vorstellig wurde. Definitiv nicht mithelfen, das Eurofighter-Wunder zu retten, können der gesperrte Thilo Kehrer, der nicht spielberechtigte Coke, sowie die Verletzten Eric-Maxim Choupo-Moting, Breel Embolo und Adul Rahman Baba. Ausgerechnet ein Holländer könnte Schalke die Chance aufs Halbfinale wahren. Klaas-Jan Huntelaar musste gegen Darmstadt wegen einer Magen-Darm-Grippe pausieren, steht gegen seinen alten und vielleicht demnächst neuen Verein Ajax aber wieder im Kader. Doch vermutlich muss er sich zunächst mit einem Platz auf der Bank begnügen müssen. Von da aus kann auch der "Hunter" nicht zuschlagen.

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Was macht Ajax so?

Siegen und siegen und siegen. Die Amsterdamer haben einen Lauf. Schon vor dem überaus erfolgreichen Hinspiel konnte Ajax einen 5:1-Kantersieg gegen den NEC Nijmegen feiern und weil sich 5:1-Siege so schön anfühlen wiederholte man das am vergangenen Sonntag gegen den SC Heerenveen. Das Problem ist, dass  Feyenoord Rotterdam auch gewinnt. So stehen die Amsterdamer drei Spieltage vor dem Ende der Saison immer noch einen Punkt hinter dem Spitzenreiter der Eredivisie. Und am kommenden Sonntag steht die Partie beim immer noch amtierenden Meister und Tabellendritten PSV Eindhoven an. Im Gegensatz zu den Schalkern können sich die Niederländer aber über Spieler-Zuwachs freuen: Lasse Schöne war im Hinspiel gesperrt, Kasper Dolberg verletzt - beide werden in der Veltins-Arena auflaufen.

War sonst noch was?

Ein Deutscher ragte im Hinspiel in Amsterdam hervor und löste Jubelstürme bei seinem Klub sowie den Experten aus: Amin Younes. Der 23-Jährige spielte einst bei Borussia Mönchengladbach, wurde dort aber nicht gebraucht und an die Niederländer verkauft. Offenbar ein Glückslos für den in Düsseldorf geborenen Sohn eines Libanesen. Er dreht mächtig auf: In bisher 55 Liga-Spielen kommt er auf 29 Torbeteiligungen, und auch an Amsterdams erstem Viertelfinal-Einzug in einem Europacup seit 14 Jahren hatte er mit zwei Toren und drei Vorlagen großen Anteil. Gegen Schalke holte er zudem den Elfmeter zum 1:0 heraus. Younes‘ wohl prominentester Fan ist der ehemalige U21-Nationalcoach Horst Hrubesch. Als Joachim Löw vor der EM 2016 über fehlende Eins-zu-Eins-Spieler klagte, belehrte Hrubesch ihn: "Wir haben diese Dribbler. Es gibt nicht nur Sané, es gibt auch Amin Younes." Der neue DFB-Sportdirektor muss es wissen, schließlich schaffte es Deutschland mit Younes im Team immerhin bis ins U21-EM-Halbfinale 2015. Spielt Younes heute Abend und die restliche Saison weiter so überragend, könnte er noch auf den Zug zum Confed Cup in diesem Sommer aufspringen.

Quelle: n-tv.de

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