Fußball

BVB zerlegt, Real im Visier Die Bayern werden zum FC Robben

Von Tobias Nordmann, München

Arjen Robben gibt in der entscheidenden Phase der Saison die Richtung beim FC Bayern München vor.

Arjen Robben gibt in der entscheidenden Phase der Saison die Richtung beim FC Bayern München vor.

(Foto: dpa)

Spielfreudig, kraftvoll und von sich total überzeugt zerlegt der FC Bayern in der Fußball-Bundesliga den BVB. Den Flow wollen die Münchener mitnehmen ins Champions-League-Duell mit Madrid. Dort setzen sie vor allem auf ihren Königsklassen-Comebacker.

Arjen Robben hatte sich jede Menge Zeit gelassen, ehe er die Kabine des FC Bayern verließ und zum Mannschaftsbus schlenderte. Wohlwissend, dass er auf diesem kurzen Weg noch einen Marathon vor sich haben würde. Er würde viel erzählen müssen. Über sich. Über den FC Bayern. Über den BVB. Und über die Königlichen aus Madrid. Weil es für einen Samstagabend aber schon einigermaßen spät war, hatte der Niederländer eine, wie er fand, gute Idee. Er rief alle Mann, die mit ihm sprechen wollten, zusammen und erklärte, einfach etwas lauter zu reden. So, dass ihn jeder hören könne. So, dass er sich nicht wiederholen müsse. Vielleicht auch so, dass seine Botschaft noch ein bisschen eindringlicher daherkam. Sie lautete: "Ich habe das Gefühl, dass wir bereit sind für Real."

Es hätte diesen intimen Zirkel in den Katakomben der Münchner Arena gar nicht gebraucht, um das Robben'sche Gefühl als großen Erkenntnisgewinn zu verbuchen. Denn in den zuvor absolvierten 90 Minuten im Topspiel des 28. Spieltags der Fußball-Bundesliga hatten die Bayern gegen eine böse eingeschüchterte Borussia aus Dortmund eine so beeindruckende Leistung gezeigt, die selbst bei den in ihrem Selbstvertrauen so unerschütterlich daherkommenden Königlichen aus Spaniens Hauptstadt beim Gedanken an ihren Champions-League-Auftritt am Mittwoch in München (20.45 Uhr im n-tv.de-Liveticker) Herzrasen verursachen wird.

Fit, wenn's zählt

Als Angstmacher Nr. 1 für die schwarzgelbe Jugendbande aus Dortmund und damit auch für die Männer von Real-Coach Zinedine Zidane hatte sich dabei Robben hervorgetan. Beim 4:1-Sieg gegen den BVB hatte er kurz nach der Pause mit dem dritten Tor der Bayern endgültig alle Zweifel an einem zweiten Malheur in der englischen Woche ausgeräumt. Das erste war den Münchenern zuvor am Dienstagabend beim 45-minütigen Schwächeanfall gegen 1899 Hoffenheim (0:1) passiert. So etwas, hatte der ehrgeizige Niederländer anschließend gemahnt, dürfe nicht noch einmal geschehen.

Und bevor auch nur der leiseste Verdacht an einem abermals fahrigen Saison-Endspurt der Bayern aufkommen konnte, nahm sich Robben der Sache an. Assistiert von seinem seit Jahren genialen Flügel-Pendant auf links, Franck Ribéry (3.), sowie Robert Lewandowski (10.,68./Foulelfmeter), die die übrigen Tore erzielten. Und während Lewandowski, der mit seinem Saison-Treffern 25 und 26 in der Torjägerliste der Bundesliga wieder an seinem Dortmunder Konkurrenten Pierre-Emerick Aubameyang (25) vorbeizog, nach einem Foul von Marc Bartra und anschließender Schulterblessur für Schreckmomente bei den Münchenern sorgte, wird der so entfesselt aufspielende Robben mehr und mehr zum größten Hoffnungsträger für das angestrebte zweite Triple nach 2013.

In den vergangenen beiden Jahren musste der FCB in der Saison-Crunchtime stets auf den 33-jährigen Außenspieler verzichten. Er war verletzt, wie so viele andere auch im Kader. Doch kaum ein Spieler im Ensemble des Rekordmeisters ist so schwer zu ersetzen wie Robben. Dabei ist es noch so viel mehr als das obwohl schon hunderttausendfach gesehene und analysierte, aber bis heute einfach nicht zu verteidigende Von-rechts-nach-innen-ziehen-und-dann-erfolgreich-mit-Links-abschließen. Robben ist Wille, er ist Leidenschaft. Er ist mit Ribéry und dem derzeit angeschlagenen Thomas Müller das emotionale Mia-san-mia der Bayern. Genau das also, was dem Klub in den drei Guardiola-Jahren auf der Zielgeraden so oft fehlte.

Frustrierter Lewandowski

In diesem Jahr aber ist der Niederländer in der titelentscheidenden Phase fit und gierig. Gierig auf den nächsten, auf seinen zweiten Titel in der Champions League. Dass er es dabei häufiger mal mit seinem bekannten Egoismus überzieht und beispielsweise gegen den BVB gleich mehrfach auf den eigenen spektakulären Abschluss setzte, als den unübersehbar frustrierten Lewandowski anzuspielen, damit können die Bayern indes deutlich besser umgehen als mit seiner Abwesenheit.

Robben steht immer noch in den Katakomben der Arena. Er spricht immer weiter. Und alle hören ihm zu: "Am Mittwoch", sagt er nun, "gibt es das erste große Spiel. Hoffentlich folgen fünf weitere in der Champions League. Das Spiel heute muss Selbstvertrauen geben. Wir dürfen nicht denken, dass es jetzt von alleine geht. Mittwoch müssen wir noch einen drauflegen." Gelingt das, wird er dann zu noch späterer Stunde wohl noch lauter, sehr, sehr viel lauter sprechen müssen. Für den Moment hat er genug gesagt. Robben schlendert zum Teambus. Genüsslich. Beinahe königlich.

Quelle: n-tv.de

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