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Ribéry tickt aus, Robben mosert Der FC Bayern als Hort der Unzufriedenen

"Das ist nicht okay. Darüber werden wir sprechen": Franck Ribéry.

"Das ist nicht okay. Darüber werden wir sprechen": Franck Ribéry.

(Foto: imago/Pressefoto Baumann)

Auch beim Champions-League-Auftakt gegen Anderlecht lässt der FC Bayern Leidenschaft und Spielwitz vermissen. Franck Ribéry rastet bei seiner Auswechslung aus. Das zeigt, wie sehr es beim Rekordmeister brodelt.

Als die Nachricht bei Franck Ribéry auf der anderen Seite des Spielfeldes endlich angekommen war, zögerte er noch einen Augenblick, ehe er sich auf dem Weg machte. Fast aufreizend schlenderte er über den Rasen. Er verschärfte sein Tempo erst, als er die Seitenlinie überquert hatte und sich der Bank näherte. Ohne jenen Mann, dem er diesen Spaziergang zu verdanken hatte, eines Blickes zu würdigen schritt er vorbei, entledigte sich seines Trikots und warf es weg.

Es war die 78. Minute im Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen den belgischen Meister RSC Anderlecht, als Carlo Ancelotti den Franzosen auswechselte und damit für die nächste Diskussion sorgte. Es ging dabei ausnahmsweise nicht um die Entscheidung des Trainers, sondern die Reaktion des Spielers. Man dürfe unzufrieden sein nach Auswechslungen, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der während der Partie noch versucht hatte, den erzürnten Ribéry zu besänftigen. "Aber man muss es akzeptieren." Eine Reaktion wie die des Franzosen "darf nicht passieren beim FC Bayern. Das ist nicht okay. Darüber werden wir sprechen."

Nicht alle in München verstehen seine Personalpolitik: Carlo Ancelotti.

Nicht alle in München verstehen seine Personalpolitik: Carlo Ancelotti.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Es kommt beim mit vielen Stars gespickten FC Bayern öfters einmal vor, dass Spieler Unzufriedenheit demonstrativ zeigen, wenn sie nicht 90 Minuten auf dem Platz stehen, vor allem, wenn sie zu den besseren Akteuren gehören wie Ribéry am Dienstagabend. Oft sind die überzogenen Reaktionen nach Auswechslungen nur Randaspekte, aber das Verhalten des Flügelspielers beim glanzlosen 3:0-Sieg zum Auftakt in die Fußball-Königsklasse passte in die Gemengelage beim FC Bayern.

"Wir müssen uns hinterfragen"

Spieler zeigen deutlich ihren Unmut, entweder über die eigene Situation oder wie im Falle von Robert Lewandowski über die Vereinspolitik. Die einzelnen Befindlichkeiten werden öffentlich diskutiert, und das, findet Arjen Robben, muss ein Ende haben. "Wir müssen nicht mehr so viel reden", sagte der Niederländer, "sondern es auf dem Platz zeigen". Spielerisch erfüllen die Bayern seit dieser Saison nicht annähernd die hohen Ansprüche, nicht die der Fans und nicht die eigenen. Auch gegen den europäisch zweitklassigen belgischen Meister wirkten sie leidenschaftslos und ohne Esprit. Selbst die frühe 1:0-Führung durch Robert Lewandowskis Foulelfmetertor in der zwölften Minute und der Platzverweis für Anderlechts Sven Kums wegen einer Notbremse beflügelte die Münchner nicht.

"Bei allem Respekt", sagte Arjen Robben, "aber nach der Roten Karte musst du die aus der Arena schießen. Gegen einen stärkeren Gegner hätten wir Probleme bekommen." Erst nach einer guten Stunde, als die Kräfte der in Unterzahl spielenden Belgier nachließen, häuften sich die Chancen für die Gastgeber und Thiago (65.) sowie Joshua Kimmich (90.) sorgten mit ihren beiden Toren dafür, dass zumindest nicht über die Höhe des Sieges diskutiert wird, nur über die Leistung. Der FC Bayern hat derzeit viele Baustellen und für die meisten ist Ancelotti verantwortlich. Nicht alle in München verstehen seine Personalpolitik. Aufgrund der vielen hochkarätigen Spieler lässt der Trainer viel rotieren, um alle bei Laune zu halten, aber gerade das schafft er im Moment nicht.

Nicht alle reagieren so verständnisvoll wie Mats Hummels, der gegen Anderlecht nur auf der Bank saß. "Ich hatte jetzt beim Saisonauftakt und mit der Nationalmannschaft viele Spiele, da ist das schon okay. Ich kann auch nicht 65 Spiele im Jahr machen", sagte der Verteidiger. Auch für Ribérys Auswechslung hatte Ancelotti gute Gründe. "Es waren noch zehn Minuten zu spielen, wir hatten das Spiel unter Kontrolle und er hatte bereits eine Gelbe Karte. Und er hatte am Sonntag ein kleines Problem und konnte nicht trainieren, deswegen wollte ich ihm ein bisschen Ruhe geben." Bei Ribéry kam diese Botschaft offenbar nicht an. Er verließ wortlos die Münchner Arena. "Wir müssen uns hinterfragen, als Mannschaft und auch individuell", sagte Robben. Damit meinte er aber vielleicht weniger die Frage, ob Ribéry alles richtig gemacht hat am Dienstag mit seinem Wutausbruch, sondern vielmehr, warum die Unzufriedenheit derzeit so groß ist beim FC Bayern.

Quelle: n-tv.de

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