Fußball

Leipzigs Europacup-Rückkehr Als Maradona im Zentralstadion zauberte

Guten Abend: Loks Kapitän René Müller begrüßt am 26. Oktober 1988 Diego Maradona.

Guten Abend: Loks Kapitän René Müller begrüßt am 26. Oktober 1988 Diego Maradona.

Für den verhassten Stadtrivalen namens RB ertönt in Leipzig die Champions-League-Hymne. Das Europacup-Comeback löst bei den Fans von Lok Leipzig zwiespältige Gefühle aus. Wehmut kommt auf - die Vergangenheit wird endgültig von der Gegenwart eingeholt.

Es ist der 26. Oktober 1988, die Luft knistert förmlich vor Anspannung. 80.100 Leipziger Fans drängeln sich ins Zentralstadion. Sie wollen ihre Lok siegen sehen. Sie wollen aber auch Diego Maradona zaubern sehen. Gegen den SSC Neapel erkämpft sich der DDR-Klub aus der Messestadt ein 1:1, "auch wenn die neapolitanische Nationalspielergilde drohend wie der Vesuv wirkte", wie die Fußball-Woche in ihrem Spielbericht schrieb. Matthias Zimmerling hatte Lok nach 67 Minuten mit einem wuchtigen Kopfball aus sieben Metern in Führung gebracht, Giovanni Francini fünf Minuten später ausgeglichen. Was zu diesem Zeitpunkt keiner ahnt: Es war für lange Zeit das letzte Europapokalspiel in Leipzig.

Erst 29 Jahre später bringt RB Leipzig mit seiner Champions-League-Premiere an diesem Mittwoch (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gegen AS Monaco den internationalen Fußball zurück nach Sachsen. Aber freut sich darüber auch Regionalligist Lok Leipzig? "Unsere Fans sind fußballbegeistert, viele werden sich die Spiele zumindest am Fernseher anschauen", sagte Lok-Präsident Thomas Löwe. Manche werden sich dem aber auch verweigern, die Rivalität zwischen den ungleichen Klubs ist groß. Das 2009 aus dem Boden gestampfte und mit Red-Bull-Millionen hochgezüchtete Projekt RB hat Lok im Eiltempo die Vorherrschaft in der Stadt streitig gemacht. "Wir sind ins zweite Glied gerutscht", sagt Löwe: "Wir haben es durch RB im Kampf um Sponsoren und Aufmerksamkeit schwerer."

" ... macht mobil, bei Arbeit, Sport und Spiel."

" ... macht mobil, bei Arbeit, Sport und Spiel."

"Ohne RB wäre das Zentralstadion eine Ruine"

Bezeichnend dafür ist, dass Lok vor ein paar Tagen deutschlandweit in die Schlagzeilen geriet, weil der Verein seinen Spielern der E-Jugend das Einlaufen bei einem RB-Heimspiel verbot. Dass der Klub dafür gute Gründe hatte und sich vor der Absage bereits um eine Alternative kümmerte, ging im öffentlichen Aufschrei unter. "Wir wollten mit der Entscheidung keinen Hass schüren, noch nicht einmal eine Diskussion über RB anregen", sagt Löwe. Bei aller Rivalität weiß der Lok-Boss, dass das Engagement des Red-Bull-Gründers Dietrich Mateschitz auch positive Effekte hat: "Ohne RB wäre das Zentralstadion heute eine Ruine mitten in der Stadt."

Bevor Rasenballsport vor acht Jahren das Startrecht des SSV Markranstädt in der Oberliga Nordost übernahm, gab es auch Gespräche mit Lok Leipzig. Doch die Ablehnung in der Fangemeinde war genauso eindeutig wie bei Chemie Leipzig. Stattdessen kämpfte sich der Traditionsklub, der 1993/94 unter dem Namen VfB Leipzig in der Bundesliga spielte, nach der Insolvenz und dem Zwangsabstieg in die elfte Liga ohne Großsponsor wieder nach oben. Vom Profifußball ist Lok aber noch ein Stück entfernt, vom Europacup-Comeback ganz zu schweigen.

Ob einige Anhänger ihr damaliges Votum gegen den Red-Bull-Einstieg bereuen? Jetzt, da für RB das Flutlicht angeht und die Champions-League-Hymne ertönt? "Bereuen nicht", sagt Vizepräsident Alexander Voigt, "aber vielleicht kommt bei dem ein oder anderen etwas Wehmut auf." Vielleicht auch bei Heiko Scholz. Der Lok-Trainer war im Hinspiel gegen Neapel der Sonderbewacher von Weltstar Maradona, und beim 0:2 im Rückspiel unterlief ihm ein Eigentor. "So kommt man auch in die Geschichtsbücher", scherzte Scholz im ZDF. Scholz wird am Mittwoch als Zuschauer ins Stadion gehen und wohl erleben, wie ihm Timo Werner oder ein anderer RB-Spieler als letzten Leipziger Europacup-Torschützen ablöst. Wie die Vergangenheit endgültig von der Gegenwart eingeholt wird.

Quelle: n-tv.de , Jörg Soldwisch, sid

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