Formel1

Unberechenbar und superschnell Formel 1 kriegt PS-Monster im Macho-Look

(Foto: @WilliamsRacing)

Williams ist mit seinem neuen Formel-1-Auto vorgeprescht, bis Ende kommender Woche wollen auch die übrigen Rennställe ihre Dienstwagen für 2017 präsentieren. Die Fans dürfen sich freuen: auf Boliden im neuen Look freuen, die ihre Fahrer zu Helden machen.

Der Williams-Rennstall konnte es nicht mehr erwarten. Acht Tage vor dem offiziellen Präsentationstermin veröffentlichten die Engländer im Internet Fotos und ein kurzes Video über ihren Boliden für die Saison 2017 - und kamen damit allen Konkurrenten zuvor.

Der FW40 hält, was sich die Fans der Motorsport-Königsklasse erwartet und erhofft haben: Als Folge des neuen Aerodynamik- und Reifenreglements ist der Look der Boliden überaus aggressiv. Auch die "inneren Werte" der neuen Generation sollen es in sich haben. Die Formel 1 wird 2017 superschnell und zu einer echten Herausforderung für Mensch und Material, vor allem für die Pirelli-Reifen.

"Ich will keine Märchen erzählen, aber das wird eine der bedeutendsten Änderungen für die Formel 1", sagte Pirelli-Motorsportdirektor Paul Hembery zu den technischen Reformen. Kaum jemand kann das besser beurteilen als der Formel-1-Verantwortliche des Einheitsreifenherstellers, immerhin müssen die schwarzen Walzen die immensen Kräfte der neuen Wagengeneration in sichere Bahnen lenken.

Mehr Kurvenspeed, mehr Breite

Bis zu 40 km/h höhere Kurvengeschwindigkeiten, je nach Strecke zwei bis sechs Sekunden Zeitgewinn pro Runde und deutlich kürzere Bremswege werden von den 20 Zentimeter breiteren Autos erwartet. Die um sechs Zentimeter breiteren Vorder- und acht Zentimeter breiteren Hinterreifen müssen all das mitmachen - und sollen dennoch deutlich länger halten als ihre vergleichsweise schmalen Vorgänger aus der abgelaufenen Saison.

Bis zu den ersten Fahrten am absoluten Limit, die frühestens bei den Tests in Barcelona (27. Februar bis 2. März und 7. bis 10. März) zu erwarten sind, basieren diese Zahlen allerdings allein auf Berechnungen und Erfahrungen aus Tests mit umgebauten Autos von 2015. Mit diesen sogenannten Mule-Cars habe man "immerhin 10 bis 15 Prozent mehr Anpressdruck" simulieren können, sagte Pirelli-Rennleiter Mario Isola dem SID. Die Teams kämen in ihren Simulationen mit den neuen Autos aber "auf bis zu 30 Prozent mehr Anpressdruck". Diese Differenz macht die Angelegenheit für alle Beteiligten knifflig.

Wehrlein verpasst Formel-1-Start

Pascal Wehrlein muss wegen einer Rückenverletzung auf seine Teilnahme am Formel-1-Testauftakt in Barcelona (27. Februar bis 2. März) verzichten. "Es tut mir leid für das Team, aber wir kommen stärker zurück", schrieb der 22-Jährige bei Twitter. Als Ersatz für den Sauber-Neuzugang soll Medienberichten zufolge Ferrari-Junior Antonio Giovinazzi (Italien) ins Cockpit steigen. Wehrlein hatte am 21. Januar beim Race of Champions in Miami einen Unfall, nach dem er auf Anraten der Ärzte seine Teilnahme abbrach. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen, hieß es damals. Am 6. Februar hatte Sauber eingeräumt, der 22-Jährige müsse sich weiteren medizinischen Untersuchungen unterziehen.

"Die Mule-Cars haben geholfen, sie waren aber fünf Sekunden entfernt von der wirklichen Pace. Das ist, als ob man mit GP2-Autos für die Formel 1 testen würde", sagte Hembery und warnte: "Wir haben noch nicht gesehen, wie viel Energie mit den neuen Autos auf die Reifen einwirkt."

Fahrer werden wieder zu Helden

Auch die Fahrer stellen sich auf eine noch intensivere Belastung ein. Toro-Rosso-Pilot Carlos Sainz junior etwa beklebte seinen Helm im Training mit Metallplättchen - insgesamt 2 Kilogramm mehr Gewicht sollten die Nackenmuskulatur des Spaniers weiter kräftigen. Zudem baute Sainz in der Winterpause vier Kilo Muskelmasse auf und intensivierte sein Ausdauertraining nochmals deutlich: "Wenn ich früher eine Einheit von 50 Minuten hatte, dauert sie nun 90 bis 120 Minuten, solange wie ein Grand Prix. Der Puls sinkt dabei selten unter 180 Schläge."

Die Idee hinter dem neuen Reglement, das noch unter dem mittlerweile abgesetzten Zampano Bernie Eccestone beschlossen wurde, ist klar: Die Rennen sollen weniger als zuletzt von den Superhirnen an den Kommandoständen entschieden werden, sondern von Fahrern mit heißem Herz, kühlem Kopf und den Fitnesswerten eines Ironman. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ist überzeugt: "Die neuen Autos werden den Piloten wieder mehr die Rolle des Helden zurückgeben."

Die Teams stehen dabei vor Herausforderungen, die über die reine Konstruktion der Boliden hinausgehen. "Alle Daten, die sie hatten, können sie über Bord werfen", sagte Hembery. Hinzu kommt: Nach Regelreformen werden die Karten traditionell neu gemischt. Und wenn die neuen Autos erst ein paar Rennen hinter sich haben, stellt sich für gewöhnlich eine steile Entwicklungskurve ein. Wohin die führt, ist laut Isola "noch nicht abzusehen."

Quelle: n-tv.de , cwo/sid

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