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Anschlag auf BVB - war da was? Die Uefa kennt keinen Anstand

Vielen standen Tränen in den Augen...

Vielen standen Tränen in den Augen...

(Foto: AP)

Borussia Dortmund muss nach Anordnung des europäischen Fußballverbands 22 Stunden nach dem Bombenattentat gegen AS Monaco antreten. Die Spieler zeigen sich nach Abpfiff verstört. Die Uefa zeigt erschreckend wenig Mitgefühl. Das ist vielsagend.

Fans der heilen Welt sei die Internetseite der Uefa empfohlen. Dort hält der europäische Fußballverband alles Böse draußen. Dort kann man noch ungestört den Ballsport genießen. Der Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus des BVB findet dort nicht statt. Der Uefa-Liveticker zum Champions-League-Viertelfinale zwischen Borussia Dortmund und AS Monaco kommt praktisch ohne eine Erwähnung aus. Auch im Spielbericht oder der Bilderserie: Schöne heile Fußballwelt und ein sensationeller 3:2-Auswärtssieg der diesjährigen Überraschungsmannschaft im Wettbewerb, dem AS Monaco.

Bei allem Respekt vor der Leistung der Monegassen: Das Spiel und sein Ausgang waren eindeutig von den Ereignissen des Vortags geprägt. In der ersten Halbzeit agierten die BVB-Spieler teils erschreckend konfus. Die Abwehrprobleme wurden zudem durch das Fehlen von Verteidiger Marc Bartra verschärft, der bei dem Sprengstoffattentat ernsthaft verletzt worden war.

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"Ich fühle mich wie ein Tier"

Nach dem Spiel wurde offenbar, dass die jungen Männer in den schwarzgelben Trikots an diesem denkwürdigen Abend schlicht fertig waren mit der Welt. Mittelfeldspieler Nuri Sahin kämpfte mit den Tränen. Abwehrrecke Sokratis sprach vom schlimmsten Tag seines Lebens. "Ich fühle mich wie ein Tier, nicht wie ein Mensch", sagte Sokratis über den Zwang zu spielen.

Torwart Roman Bürki hatte nach eigener Auskunft in der Nacht kein Auge zugetan. Verteidiger Matthias Ginter betonte, dass "von unserer Seite aus niemand spielen wollte." Dabei ist die große Bühne Champions League im Normalfall das Nonplusultra für jeden Fußballprofi.

Trainer Thomas Tuchel machte seiner Wut im Anschluss Luft: "Wir waren in die Entscheidung überhaupt nicht eingebunden. Das hat die Uefa in der Schweiz entschieden. Das ist kein gutes Gefühl, es war ein Gefühl der Ohnmacht. Die Termine werden vorgegeben und wir haben zu funktionieren."

Kein Fußballfest

Die Uefa beharrt darauf, die Entscheidung sei gemeinsam mit allen Verantwortlichen getroffen worden und man habe "niemals eine Information erhalten, die angedeutet hat, dass eines der Teams nicht spielen wollte". Es ist aber unwahrscheinlich, dass Tuchel lügt. Dortmund ist als Topteam auf die Millionen-Einnahmen aus der Champions League angewiesen, weshalb die Uefa im Zweifelsfall ohnehin am längeren Hebel sitzt. Das könnte auch erklären, warum die Vereinsbosse Hans-Joachim Watzke und Reinhard Rauball die Spielansetzung verteidigten. "Das sind Profis, da bin ich der Auffassung, dass sie das wegstecken können", sagte Rauball am Dienstagabend. Am Mittwoch wurde er widerlegt.

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Während die Uefa im Nachklapp des Spiels darauf achtet, im Recht zu sein, ist Empathie Mangelware. Eine dünne Bekundung der Anteilnahme vom Mittwochabend ist alles, was Uefa-Präsident Aleksander Ceferin bisher zu sagen hatte.

Ceferin mag das so als ehrlich empfinden. Profifußball ist eine gigantische Geldmaschine. Jeder der Beteiligten – Verbände, Vereine, Spieler, Sponsoren und Medien – verdient daran. Sie alle haben den Fußball zu dem Milliardengeschäft aufgeblasen, das es heute ist. Aber muss man deshalb das Produkt derart über den Menschen stellen?

Das gestrige Spiel war kein Fußballfest, wie es die Uefa auf ihrer Internetseite weismachen will. Es war der Beweis für die Gefühlskälte in einem zynischen Milliardengeschäft. Die Show muss immer weitergehen. Koste es, was es wolle.

Quelle: n-tv.de

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