Reise

Wettbewerb Bahn gegen Bus Wer kommt besser weg?

Von Andrea Beu

Der Hamburger ZOB (Zentraler Omnibusbahnhof) liegt direkt neben dem Hauptbahnhof.

Der Hamburger ZOB (Zentraler Omnibusbahnhof) liegt direkt neben dem Hauptbahnhof.

Fernbusse werden immer beliebter - vor allem, weil das Reisen mit ihnen so billig ist. Aber auch mit der Bahn kann man günstig fahren, wenn man geschickt sucht und rechtzeitig bucht. Wer liegt also vorn im direkten Vergleich? Wir haben den Test gemacht.

Die Deutsche Bahn leidet zunehmend unter der billigeren Konkurrenz der Fernbusse. "Vor allem junge Leute fühlen sich von preisgünstigen Angeboten angesprochen, auch wenn die Fahrzeit deutlich länger und unberechenbarer ist als im Zug", sagte Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube Anfang April 2016.

Aber: jeder Deutsche ist laut Allianz pro Schiene jährlich im Durchschnitt immerhin mehr als 1000 Kilometer im Zug unterwegs. Mit 1115 Bahnkilometern pro Einwohner im Jahr 2014 liegt Deutschland im Europa-Vergleich auf Platz sieben, fand eine europaweite Analyse von IRG-Rail heraus. (Am meisten fuhren übrigens Schweizer mit der Bahn, nämlich 2429 Kilometer. Auf den Plätzen zwei und drei: Österreicher und Franzosen.)

Prestigeobjekt der Bahn: Der Hauptbahnhof in Berlin feiert derzeit seinen 10. Geburtstag.

Prestigeobjekt der Bahn: Der Hauptbahnhof in Berlin feiert derzeit seinen 10. Geburtstag.

(Foto: dpa)

Wie fährt man denn nun besser, wenn man den direkten Vergleich anstellt? Ich habe den Test gemacht und bin die Strecke Berlin - Hamburg mit beiden Verkehrsmitteln gefahren, hin mit dem Bus, zurück mit der Bahn. Verglichen werden die für Reisende wichtigsten Kriterien Preis, Reisedauer, Flexibilität und Komfort.

Preis

Beim Preisvergleich kommt man eindeutig mit dem Fernbus deutlich billiger weg - selbst bei Buchungen am selben Tag, also sehr kurzfristig, findet man Busverbindungen für 7,90 Euro. Das günstigste Bahnticket für die Strecke Berlin - Hamburg gibt es normalerweise für 19 Euro und da muss man rechtzeitig buchen oder zeitlich flexibel sein.

Aber da hat die Bahn einen Preisangriff gestartet - bis zum 31. März 2017 zumindest kann man für 14,90 Euro mit dem IRE fahren; diese Aktion wurde immer wieder verlängert. Allerdings: "Das IRE Berlin-Hamburg Spezial (...) ist in begrenzter Stückzahl an ausgewählten Tagen vorrätig." Zudem empfiehlt die Bahn "vor allem eine Reise im IRE von Montag - Donnerstag, an denen mehr Kontingente zur Verfügung stehen".

Bei einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im September 2015 fand eine Mehrzahl der Deutschen die Fahrkarten der Deutschen Bahn zu teuer.

Bei einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im September 2015 fand eine Mehrzahl der Deutschen die Fahrkarten der Deutschen Bahn zu teuer.

(Foto: dpa)

Leider bekommt man diesen Spezialtarif nicht bei der Suche auf der Webseite der Bahn (bahn.de unter Auskunft & Tickets) angeboten und auch nicht unter "Sparpreis-Finder", sondern nur, wenn man dort gezielt nach "IRE Berlin-Hamburg Spezial" sucht oder bei busliniensuche.de über einen Link auf den DB Regio Ticketshop. Der günstigste Preis bei bahn.de liegt wie bereits erwähnt bei 19 Euro. Wenn man kurzfristig am selben Tag fahren will, kommt man auch noch für 19,90 Euro für eine Fahrt mit dem IRE ganz günstig weg - der braucht allerdings deutlich länger als die anderen Züge, nämlich drei Stunden. (mehr dazu siehe Reisedauer)

Fazit: Der Punkt geht an die Fernbusse.

Reisedauer

Der Fernbus braucht für die Strecke Berlin - Hamburg zwischen 2:45 und 3:20 Stunden - mal auch länger, je nach Stausituation auf der Autobahn. Der Bus, mit dem ich fuhr, kam aus Dresden und in Berlin am Alexanderplatz bereits mit etwa 20 Minuten Verspätung an - die holte er aber wieder raus, denn Hamburg ZOB (Zentraler Omnibusbahnhof) erreichten wir zur angegebenen Zeit, nach 3 Stunden und 20 Minuten.

Bei der Bahn kommt es auf den Zugtypen an - der ICE benötigt nur 1:42 Stunden von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof. Der EC/IC braucht etwas länger, hier ist man in 2:05 Stunden am Ziel und der IRE erst nach 3:03 Stunden.

Beim reinen Preisvergleich ist der Fernbus überlegen - aber nicht nur das zählt für Reisende.

Beim reinen Preisvergleich ist der Fernbus überlegen - aber nicht nur das zählt für Reisende.

(Foto: imago/Rüdiger Wölk)

Wie lange man mit Zug und Bus (sowie Auto und Flugzeug) für verschiedene Strecken braucht und was es kostet, kann man zum Beispiel bei der Reisesuchmaschine goeuro.de vergleichen - die Suchergebnisse dort können gefiltert werden nach "optimal" (Kombination von Preis und Reisedauer), günstigste und schnellste Verbindung. Auf goeuro.de/fernbus werden alle Fernbusanbieter miteinander verglichen hinsichtlich Pünktlichkeit, Ticketpreisen und -arten, Ausstattung und Service.

Bei fernbusse.de kann man Busverbindungen verschiedener Anbieter suchen und vergleichen; Bahnverbindungen werden zusätzlich angezeigt und die einzelnen Unternehmen in ihren Konditionen untereinander verglichen. Auch die Webseiten fromatob.de, verkehrsmittelvergleich.de und qixxit.de vergleichen Bahn, Fernbus (und zum Teil Flug und Mitfahrgelegenheiten) miteinander, auch hier kann man filtern nach Reisedauer und Preis. Die Seite busliniensuche.de sucht Busverbindungen heraus, zu ordnen nach Fahrtdauer und Preis, bezieht aber auch Bahn und Bla Bla Car mit ein. Bei allen stichprobenartig gesuchten Strecken war die Bahn am schnellsten.

Fazit: Der Punkt geht an die Bahn.

Flexibilität

Ob und zu welchen Konditionen man Bahnfahrkarten umtauschen kann, hängt stark von der gebuchten Ticketart ab. Sonderfahrkarten wie Schönes-Wochenende-Ticket oder Länder-Tickets sind von Umtausch und Erstattung ganz ausgeschlossen. Bei Fahrkarten zum "Flexpreis" (Normalpreis) gilt: Vor dem Tag der Hinfahrt ist die Stornierung kostenfrei, danach erhebt die Bahn eine Gebühr von 17,50 Euro. Beim Sparpreis kostet der Umtausch oder die Stornierung bis einschließlich dem Abfahrtstag 17,50 Euro, danach ist beides nicht mehr möglich.

Ob man seinen ursprünglichen Reiseplan ohne großen Aufwand und Kosten ändern kann, ist für viele Reisende ein wichtiges Kriterium.

Ob man seinen ursprünglichen Reiseplan ohne großen Aufwand und Kosten ändern kann, ist für viele Reisende ein wichtiges Kriterium.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bei Fernbus-Tickets unterscheiden sich die Storno- und Umbuchungs-Bedingungen ziemlich von Unternehmen zu Unternehmen:

  • BerlinLinienBus: Umbuchung und Stornierung sind kostenlos, aber hier nur bis drei Tage vor Abfahrt. Bei Stornierung gibt es nur einen Gutschein, keine Barauszahlung.
  • DeinBus: Hier kann man bis zu Fahrtbeginn stornieren - bis 24 Stunden vor Abfahrt berechnet DeinBus eine Bearbeitungspauschale von drei Euro pro Buchung. Man erhält also den Ticketpreis abzüglich drei Euro zurückerstattet. Bei späterer Stornierung gibt es die Rückerstattung nur, wenn der gebuchte Bus ausverkauft war. Umbuchen geht nicht - man kann nur stornieren und neu buchen.
  • Eurolines: Stornierungen bis 48 Stunden vor Fahrtbeginn kosten 25 Prozent des Ticketpreises (mindestens 10 Euro); bei späteren Stornierungen wird es teurer oder man bekommt gar nichts wieder. Umbuchungen können nur bis 24 Stunden vor Abfahrt gemacht werden und kosten 10 Euro, für Online-Tickets 15 Euro.
  • Flixbus/Meinfernbus (fusioniert): Buchung ändern und stornieren ist hier kostenfrei bis 15 Minuten vor Abfahrt möglich, der Storno-Gutschein ist 12 Monate gültig. Will man die Fahrt gar nicht antreten, wird der Kaufpreis gegen Zahlung von 15 Euro "Bearbeitungsentgelt" erstattet. Ebenso möglich: das Ticket auf einen anderen Namen umschreiben lassen; auch das kann man bis 15 Minuten vor Abfahrt online erledigen.
  • Megabus: Bei Umbuchungen, die spätestens 24 Stunden vor Abfahrt vorgenommen werden müssen, erhebt das Busunternehmen eine Gebühr von einem Euro. Ganz stornieren kann man nicht, eine Rückerstattung ist nicht möglich.
  • Onebus: Umbuchen ist nicht möglich, stornieren kostet 5 Euro.
  • Postbus (früher ADAC Postbus): Umbuchungen und Stornierungen sind bis 30 Minuten vor Abfahrt möglich; der Gutschein ist dann ebenso ein Jahr lang gültig. Eine komplette Stornierung kostet 10 Euro Gebühr.

Fazit: Auch wenn die Umbuchungs- und Stornierungsbedingungen bei den einzelnen Busunternehmen variieren, sind sie insgesamt doch flexibler und kulanter - der Punkt geht an die Fernbusse.

Komfort/Bequemlichkeit

Angefangen an den Bahnhöfen und Haltestellen der Züge und Busse, schwankt der Komfort sehr - am Haltepunkt Berlin-Alexanderplatz von Flixbus, wo die Fahrt abging, ist er gleich null. Es gibt keinerlei Sitzmöglichkeiten, keine Anzeigetafeln zu Abfahrtszeiten und Fahrtzielen, keine Toilette, keine Überdachung. Lediglich ein einsamer Flixbus-Mitarbeiter, erkennbar an der grünen Weste, steht dort und kann angesprochen werden. Wenn der Bus wie in unserem Fall verspätet ankommt und man, wie von Flixbus gefordert, spätestens 15 Minuten vor Abfahrt an der Haltestelle ist, steht man dort also gern mal eine halbe Stunde und länger an einer stark befahrenen Hauptverkehrsstraße auf dem Gehweg inmitten der normalen Fußgänger.

Ohne alles: Fernbus-Haltestelle am Berliner Alexanderplatz.

Ohne alles: Fernbus-Haltestelle am Berliner Alexanderplatz.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ganz anders am Zielpunkt der Reise - der Hamburger ZOB bietet alle Annehmlichkeiten eines gut ausgestatteten Bahnhofs: Toiletten, Gastronomie, Sitzmöglichkeiten, ein Dach über dem Kopf bei Regen. Zudem Infotafeln mit elektronischer Anzeige der Bussteige und Abfahrtszeiten. Ähnlich verhält es sich bei der Bahn  - vom einfachen Haltepunkt ohne jede weitere Funktion bis zu riesigen Bahnhöfen, die allen erdenklichen Service bieten, ist alles dabei. Wie aber sieht es an Bord der Züge und Busse aus?

Großer Vorteil im Zug: Man kann aufstehen und sich die Beine vertreten, wenn man nicht mehr sitzen möchte. Die Sitze in der Bahn variieren in ihrer Bequemlichkeit je nach Zugart (ICE, IC, Regionalzug ...) und Baujahr, aber in der Regel sind sie komfortabel. In den Bussen sitzt man durchgängig bequem, auch wenn die Beinfreiheit hier etwas beschränkter ist. Die Anschnallpflicht mag mancher als lästig empfinden, ihre Einhaltung wird aber ohnehin nicht überprüft.

So leer ist es nicht immer - aber im Zug ist auf jeden Fall mehr Platz als im Bus.

So leer ist es nicht immer - aber im Zug ist auf jeden Fall mehr Platz als im Bus.

(Foto: dpa)

Eine Sitzplatzreservierung ist bei Fernbussen nicht möglich - mit einer Ausnahme: Im Postbus geht das und kostet zwei Euro, für ADAC-Mitglieder gar nichts. Wenn man mit einer mehrköpfigen Familie oder Freundesgruppe reist, muss man sich also schon etwas bemühen, um nicht getrennt zu sitzen. Bei der Deutschen Bahn kann man in allen Fernverkehrszügen Plätze reservieren, in Regionalzügen nicht. Die Reservierung kostet inzwischen stattliche 4,50 Euro, im 1.-Klasse-Ticket ist sie inbegriffen.

Eine Klimaanlage gibt es in allen Fernbussen und DB-Zügen (wenn sie denn funktioniert). Auch über Steckdosen verfügen alle Busse; bei der Bahn ist das nicht in jedem Zug und jeder Sitzreihe der Fall. Vor allem in Nahverkehrszügen muss man manchmal etwas länger suchen, wenn man Laptop oder Smartphone aufladen will. Ähnlich verhält es sich mit WLAN: es ist bei allen Fernbusanbietern gratis verfügbar, wenn auch die Verbindung oft nicht stabil ist. (Bei der Busfahrt nach Hamburg riss sie oft ab oder war sehr schwach.) In der Bahn gibt es WLAN nur für 1.-Klasse-Fahrer gratis; sonst werden auf einigen Strecken kostenpflichtige HotSpots der Telekom angeboten.

Snacks und Getränke an Bord verkaufen außer Megabus alle Fernbusanbieter: Bei der Bahn gibt es in den Fernzügen Bordbistros oder -restaurants, in den Nahverkehrszügen in der Regel nicht - auf einigen Strecken werden aber Getränke und Snacks vom Zugbegleiter angeboten oder es gibt entsprechende Automaten.

Zum Schluss zum leidigen Thema Bordtoilette. Auch wenn Bahnhofsklo und Zugtoilette zu Synonymen für etwas Ekelhaftes geworden sind - hier hat sich doch in puncto Sauberkeit viel getan und in der Regel kann man in der Bahn unbesorgt das WC aufsuchen. Was ich aber im Fernbus diesbezüglich erlebt habe, war nur im äußersten Notfall zu benutzen - nicht sonderlich schmutzig, aber mit beißendem, äußerst üblen Geruch. Und so extrem eng und niedrig, dass man nicht aufrecht stehen und sich auch sonst kaum bewegen konnte - korpulentere Menschen dürften Probleme haben, sich dort überhaupt die Hose zu öffnen. Der Gestank führte denn auch dazu, dass viele Buspassagiere nach dem Öffnen der Tür sofort angewidert zurückwichen und sich den Toilettengang bis zur Ankunft in Hamburg verkniffen.

Fazit: Beim Kriterium "Komfort/Bequemlichkeit" gibt es keinen eindeutigen Sieger, je nach Unterkriterium ist es mal die Bahn, mal der Bus. Punkt für beide.

Gesamtfazit: Insgesamt betrachtet liegen die Fernbusse vorn, aber nur knapp. Wer möglichst wenig Geld ausgeben will und oft kurzfristig bucht, für den ist die Busreise die bessere Wahl. Wer schneller und stauunabhängig ans Ziel gelangen möchte und längerfristig planen kann, fährt mit der Bahn gut. Jeder Reisende muss für sich entscheiden, welches Kriterium für ihn wichtiger und daher ausschlaggebend ist.

Quelle: n-tv.de


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