Reise

Herbsturlaub auf der Seenplatte Unterwegs im Aussteiger-Paradies

"Indian Summer" auf der Mecklenburgischen Seenplatte.

"Indian Summer" auf der Mecklenburgischen Seenplatte.

(Foto: Sonja Gurris)

Wer die Flucht aus dem Alltag sucht, will dorthin, wo nur die Natur "lärmt". Die Mecklenburgische Seenplatte ist kein Ort des Massentourismus, für Besucher gilt vielmehr mehr ein Entdeckergeist. Eine Tour zum Hort der Ruhe.

Die Mecklenburgische Seenplatte ist als Touristenziel nicht so bekannt wie die Ostsee, aber das will sie wohl auch nicht sein. Wer hierhin fährt, will seine Ruhe, Natur erleben, ohne viel Tam-Tam. Wer als Individualreisender unterwegs ist, entdeckt die Landschaft für sich und findet auch nicht in jeder Ecke die große touristische Infrastruktur. Im Sommer paddeln Urlauber und Einheimische auf der Peene oder schippern auf Haus- und kleinen Motorbooten, aber auch der Herbst bietet für Besucher einiges.

Wer die Orte rund um die Müritz und die unzähligen Seen erlebt, möchte keine Massen um sich herum. Kaum angereist, spürt man die gute Luft und die Entschleunigung startet. Dazu trägt auch das Handynetz seinen Teil bei, denn es funktioniert nicht immer - und stressige Alltagserscheinungen wie E-Mails werden einfach von sich aus einen Moment ausgeschaltet. Entschleunigung ohne Empfang. Ungewohnt, aber erholsam. Und viel erholsamer ist die prächtige Umgebung.

Die allerletzten Sonnenstrahlen tauchen den Himmel in ein spektakuläres Licht. Es dämmert über der gemächlich dahinfließenden Peene bei Verchen. Die Peene ist einer der letzten naturbelassenen Flüsse Deutschlands. Ganz leise surrt das Solarboot vor sich hin, es ist ein ruhiger Abend. Der Wind zieht, doch die Tiere im Schutzgebiet fühlen sich wohl. Die paar Menschen auf dem Boot stören sie nicht. Ingo Ernst bietet ein ganz besonderes Naturerlebnis an. Er führt interessierte Besucher mit einem kleinen Solarboot über die Peene und bringt ihnen nicht nur speziell die Biber, sondern auch die Vogelwelt dieser Gegend näher. "Mittlerweile ist hier eine der größten Artenvielfalt in Deutschland. Wir haben hier bis zu 170 verschiedene Wildvogelarten", erklärt er zu Beginn der Fahrt. Drei Stunden dauert seine Tier-Beobachtungstour. Urlauber zahlen dafür 26 Euro.

Wer Stille sucht, findet sie auf den zahlreichen Wanderwegen.

Wer Stille sucht, findet sie auf den zahlreichen Wanderwegen.

(Foto: Sonja Gurris)

Ingo Ernst ist leidenschaftlicher Naturführer - und will den Urlaubern die Umwelt näher bringen.

Ingo Ernst ist leidenschaftlicher Naturführer - und will den Urlaubern die Umwelt näher bringen.

(Foto: Sonja Gurris)
Wo nur die Natur "lärmt"

Ingo Ernst ist Natur-und Landschaftsführer, sein Vater war Förster und hat ihm den Blick für die Tierwelt auf den Weg gegeben. Die Biberburgen stehen im Sommer direkt am Ufer, im Herbst muss man genauer schauen, um sie zu entdecken. Zehn Personen passen auf das Solarboot. Plötzlich raschelt es ein paar Meter entfernt. "Da, da vorne links ist er, ein Biber. Und da ist auch noch der Silberreiher", ruft der Naturführer: "Der Biber taucht jetzt eine Runde. Es kann sein, dass er nach Hause schwimmt, der hat nämlich hier vorne links seine Burg." Die Begeisterung ist ihm anzumerken, besonders die Biber haben es ihm angetan: "Ich kriege da nicht genug von. Ich mag die Biber, das sind so süße Tierchen. Es ist so niedlich, wenn sie sich putzen. Alle Tiere hier sind toll, man kann sich immer wieder daran begeistern. Jeder, der mit mir auf Tour fährt, der sieht die Natur nachher mit ganz anderen Augen."

Seeadler, Fischadler, Eisvogel, Kraniche, all diese Tiere können hier gesichtet werden.­ Im Juni gibt es eine Geräuschkulisse "wie zehn Zoos gleichzeitig", erklärt Ingo Ernst begeistert. Doch diese friedliche Umwelt muss auch geschützt werden, auch vor dem Menschen. Überall stehen Schilder: "Naturschutzgebiet". "Diese Schilder habe ich hier aufstellen lassen. Das ist ein absolutes Naturparadies, was wir hier haben. Vielen Leuten ist das gar nicht so bewusst. Und hier campen immer mehr Menschen wild, man muss sich darum kümmern." Und die Urlauber akzeptieren es. Es ist ein kleines, wildes Paradies, das Ingo Ernst schützen will. Deshalb unterhält er auch nur ein kleines Boot, die Touren geschehen in intimer Atmosphäre. Er will viel erklären, das gemeinsame Beobachten zu etwas Besonderem machen. Denn er weiß: "Oft haben die Leute den Blick für die Natur verloren". Vielleicht ist die Seenplatte genau deshalb für Großstädter der ideale Ausstiegspunkt aus der Hektik des Alltags.

Manche Angebote für Urlauber wirken fast schon wieder lustig: zum Beispiel die "Kuh-Safari" auf dem Milchhof Alt Sührkow. Mit dem Traktor-Anhänger geht es über die Kuhweide in der Mecklenburgischen Schweiz. Viele Menschen, die täglich Fleisch und Milch konsumieren, haben kaum mehr Bezug zu den Tieren, von denen das stammt. Auf der Weide leben 150 Kühe, die man wohl landläufig als glücklich bezeichnen würde. Viel Platz, viel Gras, wenig Stress. Der ruckelnde Traktor bringt die Besucher ganz nah ran an die Tiere, die die Eindringlinge freundlich anblicken. Für Stadtbewohner ist es ein Erlebnis, das die Verbindung zum Ursprünglichen, zur echten Natur schafft. Eigentlich traurig, dass so etwas angeboten werden muss, um Menschen wieder Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu zeigen.

Auf der Peene können Besucher eine große Artenvielfalt erleben.

Auf der Peene können Besucher eine große Artenvielfalt erleben.

(Foto: Sonja Gurris)

Mit dem Traktor gehts auf Kuh-Safari.

Mit dem Traktor gehts auf Kuh-Safari.

(Foto: Sonja Gurris)
Viele Naturparks erleben

Wer nicht weiß, wo er zuerst auf Erlebnistour gehen soll, kann sich beispielsweise im Müritzeum in Waren informieren. Im Erlebnismuseum können Urlauber sich zu Beginn ihres Trips über die Natur und Tierwelt informieren und sogar an Infotafeln sehen, in welchen Parks welche Tiere am besten zu beobachten sind. Ein Herbst-Highlight ist für viele im Oktober der Flug der Kraniche. Die ausdauernden Tiere machen auf ihrem Weg Richtung Süden Halt in Mecklenburg-Vorpommern.

Auf der Müritz werden sogar extra Kranich-Beobachtungstouren angeboten. Die Boote können allerdings nicht besonders nah heranfahren, sonst werden die Zugvögel verschreckt. Ohne Feldstecher sind die Tierfreunde aufgeschmissen. Der Zufall ist wohl ein besserer Helfer, wenn man als Urlauber an der Seenplatte die vielen Kraniche mit ihrem eigenwilligen Ruf hören und sehen möchte. An dieser Stelle ist schon so etwas wie ein großer Touristenstrom zu spüren, doch der ist - im Vergleich mit anderen Urlaubsregionen - überschaubar.

Die Mecklenburgische Seenplatte ist an vielen Orten noch eine wahre Wildnis. Zum Aussteigen und Durchatmen genau der richtige Ort. Das passt sicherlich auch den Kranichen, die die Gegend im Herbst mächtig aufrütteln - und sei es nur durch ihren Gesang. Und wenn sie von dannen ziehen, ist es auch schon fast wieder ruhig an den Orten der Seenplatte. Und Ruhe wird hier schließlich groß geschrieben. Aber nicht weitersagen, sonst kommen doch noch die Massen!

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Pressereise entstanden.

Quelle: n-tv.de

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