Reise

Mehr Weddingplaner als Polizisten Santorini - Traumziel für Heiratswillige

Von Malte van Oven, Santorini

Santorini ist nicht nur bei Deutschen sehr beliebt - seit Jahren stürmen auch Chinesen das Archipel.

Santorini ist nicht nur bei Deutschen sehr beliebt - seit Jahren stürmen auch Chinesen das Archipel.

(Foto: imago/CHROMORANGE)

Einst haben Vulkanausbrüche Santorini in der griechischen Ägäis in mehrere Inseln zersprengt. Heute ist das paradiesische Archipel ein beliebtes Ausflugsziel. Besonders wohlhabende Chinesen haben es für sich entdeckt - zum Heiraten.

Es ist ein Art Naturschauspiel, wenn die großen Fähren aus Piräus oder Heraklion die Kykladen erreichen, jene nur 92 Quadratkilometer große Inselgruppe, die sich majestätisch mehrere hundert Meter aus dem Mittelmeer emporhebt. Kleine weiße Häuser zieren die Spitzen der pechschwarz, leicht rötlich-zerklüfteten Lavagesteinsklippen. Es ist ein beeindruckendes Leben hier, eines auf einem aktiven Vulkan, der in den vergangenen Jahrzehnten sein Umfeld und die Menschen bedeutend beeinflusste. Santorini ist die Vulkaninsel mit Romantikfaktor, wo mittlerweile mehr Hochzeitsplaner als Polizisten residieren.

Santorini liegt etwa 120 Kilometer nördlich von Kreta. Der Ort, auch Thira genannt, ist ein Archipel in der griechischen Ägäis. Gewaltige Eruptionen des Vulkans ließen eine Caldera entstehen, deren westlicher Rand zum Teil im Meer versunken ist. Seine Bruchstücke bilden heute kleine Inseln. Der Einsturzkrater wurde geflutet und die Hauptinsel Thira ist sichelförmig.

Die beste Reisezeit für einen Abstecher nach Santorini beginnt im April und zieht sich bis in den späten Oktober. Das mediterrane Klima bietet selbst im Dezember noch einige Sonnenstunden, die Kykladen gehören zu den sonnenreichsten Orten Griechenlands. In den Monaten Juli und August klettern die Temperaturen gerne über die 40-Grad-Marke - dann werden die Spaziergänge in den Gässchen in den beiden beliebtesten Orte Oia und Fira schnell zur Feuerprobe. Dennoch geht auf Santorini immer ein stetiger Wind, der für Abkühlung sorgt. Dieser Wind ist auch der Grund, warum die vielen Rebstöcke nicht wie in Deutschland üblich in die Höhe gesteckt werden. Auf den vielen steilen Vulkanhängen wird Weißwein angebaut - allerdings in Spiralen, die die Höhe von 50 Zentimetern nicht übersteigen dürfen.

Hochzeit als Statussymbol

Ein chinesisches Brautpaar beim Fotoshooting.

Ein chinesisches Brautpaar beim Fotoshooting.

(Foto: imago stock&people)

Santorini ist allerdings schon lange nicht mehr das beschauliche, raue Inselarchipel von einst. Prominente und Wohlhabende haben Santorini für sich entdeckt und statten besonders dem Dorf Oia einen Besuch ab. Justin Bieber, Brad Pitt und Angelina Jolie verhalfen Santorini in den vergangenen zwei Jahren zu Ruhm und steigender Bekanntheit. Besonders der Sonnenuntergang von Oia (sprich: Ia) besitzt Postkartenpotenzial und gehört zu den schönsten überhaupt. Das Dorf mit seinen charakteristischen drei blauen Spitz-Kirchen, geprägt durch die venezianische Herrschaft um 1200, ist das beliebteste Touristenziel der Insel. In den Gässchen wechseln sich teure Boutiquen und Restaurants ab.

Santorini oder Santorin?

In der vorgriechischen Zeit hieß die Insel Strongyle, dann Thera. Die Venezianer gaben der Insel einen Namen, der dem heutigem sehr nahe kommt. Nach einer Kapelle zu Ehren der Heiligen Irene hieß die Insel Santa Irene. Griechisch dann Santa Irini, was später zu Santorini wurde. Im deutschen wurde es dann ohne Endvokal als Santorin ausgesprochen. Richtig ist Santorini, außerhalb Griechenlands wird jedoch oft Santorin benutzt.

Hier werden auch täglich Fotoshootings und Trauungen abgehalten. Während Europäer meist ihre Flitterwochen auf Santorini verbringen, sind Hochzeiten das neue Statussymbol unter wohlhabenden Chinesen. Alleine im vergangenen Jahr haben sich die Besucherzahlen aus China verdoppelt. Das Brautpaar lässt meist den Fotografen und eine Standesbeamtin extra einfliegen. Geheiratet wird in einem Hotel mit dem unschlagbaren Blick auf die Caldera - ohne Freunde und Verwandte. Die große Hochzeitsparty holen sie in China nach. Dann präsentieren sie auch die Fotos aus Griechenland. Von der Wirtschaftskrise ist hier wenig zu spüren.

Bei allem Lifestyle- und In-Faktor der Insel wird oft vergessen, dass das Leben noch immer auf einem aktiven Vulkan statt findet. Aus dem 20. Jahrhundert sind drei Eruptionsphasen (1925-1928, 1939-1941 und 1950) bekannt, die überwiegend Lavaströme förderten. Es kam aber auch zu explosiven Eruptionen. Die bislang letzten Ausbrüche fanden hier 1950 statt. Im Januar 2012 begannen Seismografen leichte Erdbeben zu registrieren, die darauf hindeuteten, dass sich Magma im Untergrund bewegte. Ob und wann es zu einem neuen Vulkanausbruch kommen wird und wie groß dieser sein wird, lässt sich bis heute nicht sagen. Das wird in erste Linie die chinesischen Hochzeitspaare freuen.

Quelle: n-tv.de

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