Reise

Normandietrip für Ruhesuchende Mini-Insel Tatihou birgt ein kleines Paradies

An der Küste von Tatihou.

An der Küste von Tatihou.

(Foto: Sonja Gurris)

Es ist wie im Garten Eden: Auf Tatihou in der Normandie lebt niemand, dafür breitet sich die Natur voll und ganz aus. Ein Besuch offenbart auch die verrückte Geschichte: von der Pest-Quarantänestation bis zum Erziehungsheim. Heute gibt es hier vor allem eines - Ruhe.

Das blau-weiße Amphibienfahrzeug kann nur ein paar Dutzend Gäste aufnehmen. Es macht sich lärmend vom Hafen Saint-Vaast-la-Hougue in der Normandie auf nach Tatihou. Der Name klingt karibisch, doch tatsächlich liegt das kleine Eiland am Ärmelkanal und ist fast schon ein Paradies. Nur wenige Minuten dauert die Überfahrt und Tatihou zeigt schon auf den ersten Metern seine volle Pracht.

Die Besucher wuseln aus dem Amphibienfahrzeug, das gerade noch eine Fähre ist und bei Ebbe zu einem kleinen Transporter auf Rollen umgebaut wird. Ob sie wissen, welche Vielfalt die Insel bietet und welch eindrucksvolle Geschichte sich hier abspielte?

Das Amphibienfahrzeug kann schwimmen und rollen.

Das Amphibienfahrzeug kann schwimmen und rollen.

(Foto: Sonja Gurris)
Besucher, aber keine Bewohner

Manuella Bernard ist seit gut 20 Jahren Reiseführerin auf der Insel. Sie ist eine von 25 Personen, die auf Tatihou arbeiten, doch niemand lebt hier. Dass hier 1692 eine große Seeschlacht stattfand, sieht man noch, wenn man einen Blick ins Wasser vor der Insel wirft - dort liegen Überreste alter Schiffwracks, die heute archäologische Stätten sind. "Früher gab es hier verschiedene englische Landungen, das wichtigste Ereignis ist die Schlacht von La Hougue im Jahr 1692. Es war eine große Schlacht zwischen den Franzosen und einer englisch-holländischen Koalition", erklärt sie. Gegenstände aus den Schiffswracks liegen heute im Inselmuseum.

Die Insel beherbergte einst auch eine Pest-Quarantänestation, dann ein Sanatorium für kranke Kinder und am Ende auch ein Heim für schwererziehbare Kinder - das gab es noch bis 1984. "Wenn du nicht artig bist, kommst du nach Tatihou", wurde laut Manuella zum geflügelten Wort in der Umgebung. Von einer Strafversetzung kann heute nicht mehr die Rede sein, schließlich ist die Insel ein wahres Naturparadies.

Idyllischer Anblick auf Tatihou.

Idyllischer Anblick auf Tatihou.

(Foto: Sonja Gurris)

Lärmende Möwen statt lärmender Autos

Tatihou ist ein Vogelnaturschutzgebiet. Rund 150 verschiedene Arten leben auf dem kleinen Eiland (29 Hektar). Das Klima ist mild, es gibt keinen Frost, deshalb wachsen auf der Insel auch exotische Pflanzen wie Agave und Echium.

Brütende Möwen können schonmal granteln.

Brütende Möwen können schonmal granteln.

(Foto: Sonja Gurris)

Autos fahren hier nicht und auch sonst geht es sehr gemütlich zu. Nur 500 Personen dürfen pro Tag die Insel besuchen, aber es gibt eine kleine Ausnahme: wenn das Festival stattfindet. Es heißt "Les Traversées de Tatihou" und lockt dann deutlich mehr Gäste an. Doch die müssen sich ganz an die Gezeiten halten und rechtzeitig an Land laufen, sonst müssen sie auf der Insel bleiben, wenn die Flut wieder kommt.

Das ist allerdings nur Besuchern gestattet, die sich in einem der wenigen Gästezimmer einmieten. Luxus gibt es nicht, denn die Insel und die Tierwelt sollen für sich sprechen. Wer raus will aus Wlan und Welttrubel, ist auf Tatihou wohl am richtigen Ort. Denn hier muss man auch keinen Wecker stellen, sondern kann sich vom gellendem Schrei der Möwen wecken lassen. Wer Tatihou für sich haben will, kann die Ruhe der Natur genießen.

Doch die Touristen sind auch eine Herausforderung: "Es ist nicht einfach für uns, das Vogelgebiet hier zu schützen, denn man muss das Gleichgewicht finden zwischen dem Schutz und dem Tourismus", so Bernard. Naturschutz bedeutet vor allem, die Tierwelt zu respektieren. Dazu gehört auch, dass Besucher den brütenden Möwen nicht zu nahe zu kommen sollten. Denn die können ziemlich biestig werden, wenn sie das Gefühl haben, ihre Jungen seien in Gefahr.

Blick auf die Austernbänke bei Ebbe.

Blick auf die Austernbänke bei Ebbe.

(Foto: Sonja Gurris)

Durch die Austernbänke Richtung Festland

Wer bei Ebbe mit dem Amphibienfahrzeug zurück aufs Festland rollt oder läuft, sieht die berühmten Austernbänke. Austern sind das Aushängeschild der kulinarischen Normandie - genau wie Jakobsmuscheln. "Überall hier herum gibt es Austernbänke. Es gibt 250 Hektar davon. Es ist für die Stadt Saint-Vaast sehr wichtig, denn sie ist für ihre Austern berühmt. Sie sollen auch ein bisschen nach Haselnuss schmecken", erklärt die Touristenführerin.

Mit etwas nassen Füßen geht es vorbei an den sonst so luxuriös präsentierten Produkten. Auf den Körben liegend kann man sie kaum erkennen. Drei Jahre bleiben die Austern dort, bis sie zum "Finish" in die Zucht kommen. Ein Ausflug nach Tatihou zeigt nicht nur eine prachtvolle Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch die Vielfalt der Normandie. Rau und geheimnisvoll zugleich.

*Dieser Artikel ist im Rahmen einer Pressereise entstanden.

Quelle: n-tv.de