Reise

Mondlandschaft mit Sonnengarantie Lanzarote verzaubert mit bizarrer Schönheit

Von Johannes Wallat

Sonnenuntergang überm Famara-Massiv im Norden Lanzarotes.

Sonnenuntergang überm Famara-Massiv im Norden Lanzarotes.

(Foto: jwa)

Lanzarote ist ein besonderes Urlaubsziel: Das ganze Jahr Sonne, kaum Regen, milde Winter. Doch die Landschaft macht den wahren Zauber der Insel aus - bizarr, unwirtlich, schroff und doch wunderschön. Ein fremder Ort zum Staunen.

Lanzarote ist ein unwirtlicher, trostloser Ort. Das stimmt zwar ganz und gar nicht, doch wer sich, wie die meisten Touristen, mit dem Flugzeug der Insel nähert, bekommt unweigerlich diesen Eindruck. Die Gegend rund um den Flughafen der Hauptstadt Arrecife ist nicht schön, die Farben Schwarz, Grau und Braun dominieren in vielen Schattierungen das Landschaftsbild, erfrischendes Grün gibt es kaum, Pflanzen wachsen spärlich. Das ist zwar auch auf dem Rest der Insel nicht viel anders, doch je weiter man sich von den touristischen Zentren wegbewegt und je länger man sich auf der Insel aufhält, desto mehr entfaltet sich ihr ganz eigener, außerweltlicher Zauber. Und irgendwann kommt jeder Lanzarote-Besucher an einen Punkt, an dem er staunend und mit offenem Mund vor der Ehrfurcht erweckenden, bizarren Landschaft steht und sagt: Wow.

Nur Felsen spenden Schatten

Lanzarote ist die nördlichste der sieben großen Kanarischen Inseln, jener für ihr immergutes Wetter bekannten spanischen Inselgruppe vor der Küste Afrikas. Und mit 112 Millimetern Niederschlag pro Jahr ist sie auch die trockenste. Der meiste Regen fällt von Januar bis März. Sie ist vulkanischen Ursprungs, und das sieht man an jedem Flecken der Insel. Einsame Landstraßen durchschneiden das schroffe Lavagestein, das manchmal aussieht, als sei es mit einem riesenhaften Pflug eben erst umgehoben worden. Oder wie ein Stück Meeresboden, aus den Tiefen des Ozeans an die Meeresoberfläche gehoben. Vegetation gibt es kaum, Flechten, Kakteen und andere wasserspeichernde, gegen Trockenheit resistente Pflanzen dominieren die Flora der Insel. Wer Schatten sucht, muss Felsvorsprünge finden. Richtige Bäume wachsen eigentlich nur in der Umgebung des Ortes Haria im "Tal der tausend Palmen", dem grünen Herz der Insel. Hier stehen kanarische Dattelpalmen, die Täler sind besonders im Frühling grün, überladende Bäume säumen die Alleen des Ortes, die Einwohner flanieren im Schatten.

Die meisten anderen Dörfer der Insel, die nicht vom Massentourismus geprägt sind, haben diesen Luxus nicht, hier wachsen höchstens die Kakteen und vereinzelte Palmen den Einwohnern über den Kopf. Das Leben auf der Insel ist nicht einfach, Trinkwasser gibt es kaum, der Tourismus hat den Wasserbedarf in die Höhe schnellen lassen. Landwirtschaft ist Knochenarbeit. Trotzdem haben die Bewohner Wege gefunden, den Grund fruchtbar zu machen und aus den spärlichen Gaben des Bodes das beste herauszuholen. Hervorragender Wein wird im Anbaugebiet La Gería halbkreisförmigen Mulden in schwarzer Vulkanasche angebaut, Ziegen fressen die dürren Inselgewächse und geben Milch für köstlichen Käse, Aloe Vera wird vielerorts feilgeboten - eine willkommene Kur für die verbrannte Haut der Urlauber, die die Kraft der Sonne im europäischen Winter unterschätzt haben.

Das Bergdorf Teguise.

Das Bergdorf Teguise.

(Foto: jwa)

Schroffe Küste, schöne Strände

Wer baden will, muss sich gut überlegen, wohin er fährt. Im Süden, im Einzugsbereich der Touristenzentren Costa Teguise, Puerto del Carmen und Playa Blanca, erstrecken sich die Playas de Papagayo, traumhafte Felsbuchten mit feinem Sandstrand, die mit dem Auto nur über eine Buckelpiste oder zu Fuß mit einem langen Fußmarsch zu erreichen sind. Im Westen liegt das Surferparadies Caleta de Famara, ein feiner Sandstrand mit flachem Wasser, schönen vorgelagerten Dünen und dem beeindruckenden Famara-Massiv im Hintergrund. Hier weht meistens ein strammer Wind, und die Strömung kann lebensgefährlich sein, die rote Flagge warnt Badende eindringlich davor, das Meer zu unterschätzen.

Im Westen gibt es vereinzelt Buchten mit feinem, schwarzen Kies. Hier werden Sammler fündig, die es auf den grün schimmernden Kristall Olivin abgesehen haben. Für Freunde feiner Sandstrände bietet sich ein Ausflug zum Chinijo-Archipel im Norden auf die vorgelagerte Insel La Graciosa an, die vom Fischerort Orzola per Fähre angefahren wird. In den Orten an der Ostküste gibt es eine Reihe von Buchten und sicheren Bademöglichkeiten - halb natürlichen, halb angelegten Swimming-Pools mit Meerwasser, die sich mit den Gezeiten füllen und leeren. So auch in der Nudistensiedlung Charco del Palo, einem Traumziel für FKK-Liebhaber. Große Teile der Küste bestehen aber aus Felsen, schroffem Lavagestein, an dem sich die Wellen schäumend brechen. 

Blick auf La Graciosa.

Blick auf La Graciosa.

(Foto: jwa)

Manriques Vermächtnis

Die Architektur der Insel ist geprägt von niedrigen, weiß getünchten Häusern mit blauen und grünen Fensterläden, Türen und Zäunen. Hässliche Bausünden und Hotelburgen sieht man kaum. Das hat Lanzarote auch dem wohl wichtigsten Inselbewohner zu verdanken: Der Künstler César Manrique hat überall auf der Insel seine Spuren hinterlassen, sein Einfluss sorgte dafür, dass die Insel ihr natürliches Bild behalten hat und von der Tourismus-Industrie vergleichsweise zurückhaltend verändert wurde. Ein Ausflug zu den von ihm kunstvoll gestalteten Lavahöhlen Jameos del Agua und zu den Häusern des 1992 verstorbenen Künstlers nahe Tahiche (Fundación César Manrique)  und in Haria gehört dann auch zum Pflichtprogramm jedes Besuchers.

Sehenswert ist auch die Kraterlandschaft der im 18. Jahrhundert entstandenen Feuerberge (Montañas del Fuego) im Innern der Insel im Timanfaya-Nationalpark. Die letzten starken Vulkanausbrüche sind hier keine 200 Jahre her, Lava und Asche begruben das fruchtbare Ackerland sowie mehrere Dörfer und Gehöfte. Hier kann die unwirkliche Mondlandschaft vom Dromedar aus erkundet werden oder mit einer geführten Tour im Reisebus.

Lanzarote muss erfahren werden

Es lohnt sich, einen Mietwagen zu nehmen, um die Insel zu erkunden, die 1993 als erste vollständige Insel zum UNESCO-Biosphärenreservat erklärt wurde. Die atemberaubend engen Serpentinen auf dem Weg zu den höchsten Stellen der Insel sind nichts für schwache Nerven, doch die Ausblicke, die sich dem Autofahrer an jeder Kurve bieten, entschädigen für den Nervenkitzel. Ausflüge bieten sich reichlich an: zum halbversunkenen Krater El Golfo mit seiner knallgrünen Lagune und dem rotem Felsgestein, dem Aussichtspunkt Mirador del Rio mit Blick auf La Graciosa, dem Lavatunnel Cueva de los Verdes, ins malerische Bergdorf Teguise oder zu den "Kochlöchern" Los Hervideros mit meterhohen Wasserfontänen.

Lanzarote muss man sich erfahren. Denn nur, wer die Insel aktiv erkundet, kann ganz eintauchen in ihre spröde Schönheit und ihren Zauber auf sich wirken lassen. Und wer sich einmal verzaubern ließ, den lässt die Wirkung lange nicht los. 

Quelle: n-tv.de

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